Georg Mayer aus Helvesiek feiert ungewöhnliches Jubeljahr

„100 Jahre, aber noch nicht weise“

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Am vergangenen Sonntag wurde Georg Mayer 100 Jahre alt.

Helvesiek - Von Hannes Ujen. Wenn man die ehrenvolle Aufgabe hat, über einen Hundertjährigen zu berichten, dann macht man sich im Vorfeld so seine Gedanken, wie die Begegnung mit dem Jubilar wohl ausfallen mag. Dass man von Georg Mayer aus Helvesiek mit einem freudigen „100 Jahre, aber noch nicht weise“ schmunzelnd begrüßt wird, war dann doch eher unerwartet, schaffte aber sofort eine herzliche Atmosphäre.

Am 8. September 1919, an einem Montag, erblickte Mayer in Hamburg im heutigen Stadtteil Hohenfelde das Licht der Welt. Die Eltern waren Mutter Anne und Vater Leopold Mayer. Zur Familie gehörte noch die jüngere Schwester Anneliese, die vor einigen Jahren verstorben ist. Es war keine einfache Zeit für die Familie, da die Mutter allein für den Lebensunterhalt aufkommen musste. Die Verwandtschaft von der mütterlichen Seite lebte im Ruhrgebiet, väterlicherseits in Hamburg.

Ostern 1925 wurde der sechsjährige Georg in der Volksschule an der Wallstraße in Hohenfelde eingeschult. „Übrigens zum selben Zeitpunkt wie auch der spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt“, bemerkt Schwiegertochter Helga Weidemann, die den betagten Jubilar aufopferungs- und liebevoll betreut. „Aus seiner Kinder- und Jugendzeit ist leider nur wenig bekannt, weil in den Kriegswirren sämtliche Dokumente verloren gingen“, ergänzt Klaus Wilhelm Weidemann, Stiefsohn des Hundertjährigen.

„Ich war begeisterter Fußballspieler und spielte in einer Hamburger Mannschaft am Berliner Tor“, wirft Georg Mayer in einem lichten Moment ein, nachdem er auf seinem bequemen Sessel kurz eingenickt war. Zu Kriegszeiten sei auch er eingezogen und nach Russland verbracht worden. Bei einem Einsatz wurde er durch einen Granatsplitter am Kopf verletzt, weshalb er in ein Lazarett in Deutschland verlegt wurde. „Das war meine Rettung, fast alle meine Kameraden sind dort im fremden Land umgekommen.“

Es folgt eine erstaunlich präzise, aber sehr kritische Auseinandersetzung mit den Nazis und ihrem „großen Führer“. Nach der Zeit als Kriegsgefangener im englischen Sektor kehrte Mayer nach Hamburg zurück und fand eine Anstellung in einer Hamburger Im- und Exportfirma, in der er lange Jahre als Prokurist bis zu seinem Ruhestand im Alter von 65 Jahren tätig war. Über acht Jahre unterstützte er die Heilsarmee ehrenamtlich als Buchhalter und kümmerte sich um Spenden und Finanzen. „Heilsarmee-Soldat war ich aber nicht, denn vom Soldatentum hatte ich genug“, sagt er.

Im Jahr 1948 heiratete Mayer seine Else, eine verwitwete Weidemann, die aus erster Ehe auch Sohn Klaus Wilhelm mit in die Beziehung brachte. Das Paar lebte bis zum Jahr 2013 in Hamburg und zog dann nach Helvesiek zu Sohn und Schwiegertochter. An ihrem 65. Hochzeitstag feierten Else und Georg Mayer das seltene Fest der Eisernen Hochzeit. Sechs Jahre ist das her. Else verstarb 2015 im hohen Alter von 98 Jahren.

Als echter Hamburger Jung liest Georg Mayer täglich das Hamburger Abendblatt und außerdem noch die Wochenendausgabe der Rotenburger Kreiszeitung. „So weiß ich immer, was los ist.“ Bevor er mit seinem Rollator einen kleinen Spaziergang ums Haus macht, verabschiedet er sich mit einem Gedicht von Sören Kierkegaard: „Noch eine kurze Zeit, dann ist‘s gewonnen, dann ist der ganze Streit in nichts zerronnen. Dann werd ich laben mich an Lebensbächen und ewig, ewiglich mit Jesus sprechen!“

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