Interview mit Stadtplaner Ekkehard Tamm / Herausforderung Marktplatz

„Fehler korrigieren, Nutzungskonzept entwickeln“

Ideen für den Marktplatz: Ekkehard Tamm. ·

Visselhoevede - Von Jens WietersVISSELHÖVEDE · Durch erneute Geschäftsschließungen ziehen immer mehr düstere Wolken über dem Visselhöveder Marktplatz auf. Doch wie kann man die gute Stube der Stadt retten? Unsere Zeitung sprach darüber mit Ekkehard Tamm, dem Sprecher des Arbeitskreises Stadtentwicklung innerhalb des Gewerbevereins.

Wieder schließt ein Geschäft. Gibt es für den Marktplatz noch eine Chance?

Tamm: Ja, Chancen gibt es auch für diesen historisch wichtigen Teil der Innenstadt von Visselhövede. Die möglichen Lösungen entstehen aber nicht „von allein“. Hier muss ein Platz übergreifendes Konzept, ähnlich wie beim Projekt Combi/Aldi oder beim Sonnentaucampus, entwickelt werden.

Wie bekommt man Menschen, Handel und Gastronomie in und auf die gute Stube der Stadt?

Tamm: Mit dem „Behörden-Dreieck“ Rathaus, Post und Polizei haben wir schon drei gute Festpunkte. Der höher gelegene Teil des Marktplatzes, die Sonnenseite, eignet sich hervorragend für gastronomische Einrichtungen. Auf der gegenüberliegenden Seite ist eher an Handel und Dienstleistungen zu denken.

Baulich wirkt der Platz trist, grau und öde. Was muss sich gestalterisch ändern, damit er als Treffpunkt angenommen wird?

Tamm: Sie müssen den Platz wohl an einem wolkenverhangenen regnerischen Tag gesehen haben! Klar, der Platz wurde uns als Marktplatz mit italienischem Flair verkauft. Dass dies bisher nicht realisiert wurde, liegt nicht an der Platzgestaltung, sondern eher daran, dass einige Fassaden den Gestaltungsanforderungen eines Marktplatzes noch nicht gerecht werden und natürlich an den fehlenden lebendigen Nutzungen der Erdgeschossflächen.

Hat man beim Umbau nicht eine gute Million Euro versenkt, ohne eine richtiges Nutzungskonzept zu haben?

Tamm: Ich hätte mir gewünscht, dass man mindestens zeitgleich ein Nutzungskonzept für die umgebende Bebauung entwickelt hätte. Aber das ist Geschichte! Die Realität zeigt, dass es dringend erforderlich ist, diesen Fehler zu korrigieren und schnellstens mit allen Betroffenen ein Nutzungskonzept zu entwickeln.

Reichen schon relativ günstige Mieten als Anreiz für Neuansiedlungen?

Tamm: Was sind denn günstige Mieten in Visselhövede? Günstig vermieten kann ein Investor doch nur dann, wenn er bei den Baukosten subventioniert wird. Dies scheint auf der Grundlage der Fördermöglichkeiten der Stadtsanierung in den nächsten zwei Jahren noch möglich. Auch aus diesem Grund ist Eile geboten. Wir brauchen nicht nur marktgerechte Mieten, sondern vor allem Unternehmer, die ihr Geschäft beherrschen und bereit und in der Lage sind, langfristige Mietverträge abzuschließen. Das ist insbesondere im Gastronomiebereich eine große Herausforderung.

Die ansässigen Geschäftsleute beklagen, dass es zu wenig Parkplätze für die Kunden gibt. Ihre Meinung dazu?

Tamm: Die notwendige Anzahl der Parkplätze ist immer von den dazugehörigen Nutzungen abhängig. Wenn ich Nutzungen wie Kiosk, Reinigung, DVD-Verleih und Post nebeneinander habe, muss ich wissen, dass dort Besorgungen erledigt werden, die nur einige Minuten dauern. Ich brauche im Nahbereich also sehr viele Stellplätze. Die zu geringe Anzahl der Stellplätze gerade vor diesen Geschäften wird nicht nur von den Geschäftsleuten, sondern auch von den Kunden beklagt. Der Parkplatz „Hinter dem Rathaus“ ist für diese Geschäftslagen in einem Ort wie Visselhövede zu weit entfernt. In die Diskussion „Marktplatz oder Parkplatz“ werden wir uns im Rahmen der Konzepterstellung einbringen.

In Sachen Stadtmarketing hört man aus dem Rathaus recht wenig. Wie und wo ist die Verwaltung gefordert?

Tamm: Politik und Verwaltung können nur Rahmenbedingungen für eine positive wirtschaftliche Entwicklung schaffen. Alle Versuche zur Installation eines effektiven Stadtmarketings waren in den vergangenen Jahren nicht besonders erfolgreich. Klar ist, dass zu wenig Geld für diese Aufgabe im Haushalt bereit gestellt wird. Klar ist aber auch, dass gerade für das Stadtmarketing der Leitsatz gilt: „Kommunikation ist unser höchster Produktionsfaktor.“ Dieser Faktor benötigt kein Kapital, sondern lediglich die Kommunikationsbereitschaft und etwas Zeit. Das wäre aus meiner Sicht der erste Schritt in die richtige Richtung.

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