Der Scheeßeler Künstler Michael Pfennig setzt sich nach Schicksalsschlag für mehr Väterrechte ein

Familienglück über Umwege

Hat sich den Frust von der Seele musiziert: Michael Pfennig. Heute will der 52-Jährige mit seinen Liedern andere Männer wachrütteln, sich stärker zu ihrer Vaterrolle zu bekennen.

Rotenburg - SCHEESSEL (lw) · Eine Gitarre, dazu mit scharfer Zunge dargebrachte Liedertexte – mehr braucht Michael Pfennig nicht, um seine Botschaft kund zu tun. Seit Jahren engagiert sich der Scheeßeler für Väterrechte. Der Künstler Pfennig, der nach der Trennung von seiner Frau die schmerzliche Erfahrung machen musste, sein leibliches Kind nicht mehr sehen zu dürfen, will mit seinen Songs aufrütteln, gesellschaftliche Missstände anprangern und, wie er sagt, für mehr Verständnis zwischen den Geschlechtern werben.

Vergnügt tobt das kleine Mädchen im Garten. Michael Pfennig steht auf der Terrasse seines Hauses und schaut seinem Töchterchen zu. „Süße, komm bitte in den Schatten, sonst holst Du Dir noch einen Sonnenbrand“, ruft er ihr zu. Mit Anlauf kommt das Mädchen auf ihren Vater zugestürmt, Pfennig nimmt sie in die Arme, woraufhin beide in schallendes Gelächter ausbrechen.

Eine derart heile Familienwelt hat Michael Pfennig nicht immer kennen gelernt. Als er sich vor zwölf Jahren von seiner ersten Frau scheiden ließen, folgte ein erbitterter Nervenkrieg um die gemeinsame Tochter. Denn entgegen Pfennigs Erwartungen, verweigerte ihm die Mutter jegliche Kontaktaufnahme zum Kind. „Sechs lange Jahre herrschte Funkstille zwischen mir uns meiner Tochter“, erinnert sich Pfennig, der heute in seinem Heimatort Scheeßel als freiberuflicher Musiklehrer arbeitet. Sechs Jahre, in denen er vor Gericht versucht hatte klar zu stellen, dass er eben nicht der lieblose Raben-Vater war, wie ihn seine Ex-Frau öffentlich darzustellen versuchte. „Sicher gibt es Väter, die sich mit so einer Situation abfinden können, ich aber habe immer an das Wohl meines Kindes gedacht, welches meiner Meinung nach beide Elternteile braucht“, sagt er.

Insgesamt 16 Mal prozessierte er gegen das Reglement. Am Ende, so sagt er, habe er Gutachter, Jugendamt, Richter, ja, sogar die gegnerischen Anwälte doch noch von seiner „Unschuld“ überzeugen können.

Der Kontakt zu seiner heute 19-jährigen Tochter, den die Mutter so vehement unterbunden hatte, ist inzwischen wieder hergestellt, laut Pfennig herrsche wieder ein „sehr inniges Verhältnis“ zwischen den beiden. Zudem hat er seinen Frieden mit der Gründung einer neuen Familie gemacht. In Erziehungsfragen, und da legen er und seine Frau sehr viel Wert drauf, seien beide Elternteile gleichermaßen gefordert.

Allerdings: Die Erlebnisse von damals haben Michael Pfennig bis heute nicht mehr losgelassen. „Mir kommt es darauf an, Einzelfälle ohne Vorurteile und gesellschaftliche Normen zu sehen“, erklärt er und spielt damit auf die Tatsache an, dass der Gesetzgeber Scheidungskinder immer noch optimaler bei den Müttern aufgehoben sieht. „Ich allerdings stehe zu meiner Rolle als Vater, fühle mich dazu berufen und bin überzeugt, dass die Präsenz beider Eltern zu einem ausgeglichenen Kind führt“, sagt er bestimmend.

Die Ignoranz der Richter und des Jugendamtes habe ihn damals in eine tiefe Krise gestürzt. In jenen dunklen Jahren begann er damit, Lieder zu schreiben. Entstanden sind dabei Titel, die seine Gefühle als „kindlosen Vater“ widerspiegeln, die mit teils spitzer Zunge aber auch andere Männer zu mehr Vateridentität wachrütteln sollen. In „Papa, warum bleibst du nicht?“ beispielsweise versucht ein Vater seiner Tochter zu erklären, warum er nicht bei ihr bleiben konnte. Sogar auf eine CD haben es die durchaus sozialkritischen Lieder geschafft. „Vaterglück“ heißt das Album, mit dem der 52-Jährige durch Deutschland tourt. Jetzt gibt er wieder Solo-Konzerte in Regensburg, Nürnberg, Magedeburg und Mainz. Und dann sind es nicht nur die Väter, die zahlreich im Publikum sitzen. „Denn schließlich“, betont Pfennig, „sind auch deren Zweitfrauen betroffen.“

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