Nach dem Zusammenbruch seiner Frau fühlt sich Frank Meppelink in Stich gelassen

Familie kämpft um Unterstützung

Malübungen sind der Teil der Rehamaßnahmen, die Nicole Meppelink helfen sollen, den Weg zurück in den Alltag zu schaffen.
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Malübungen sind der Teil der Rehamaßnahmen, die Nicole Meppelink helfen sollen, den Weg zurück in den Alltag zu schaffen.

Rotenburg - Von Matthias BergerBOTHEL · Familiendrama in Bothel: Als Frank Meppelink am 18. August um 22.45 Uhr nach Hause kommt, ahnt er noch nicht, dass sich das Leben seiner Familie für immer verändern wird. Seine Frau liegt mit blau angelaufenem Gesicht auf dem Boden, ihr Puls nicht mehr fühlbar. Ihr Mann reagiert sofort. Er ruft den Rettungsdienst und beginnt mit der Reanimierung. Das schnelle Einschreiten rettet Nicole Meppelink das Leben. Aber für die Familie ist seitdem nichts wie vorher.

Seit einiger Zeit leidet die Mutter von drei Töchtern an Herzrhythmusstörungen. Die behandelnden Ärzte verordnen ein Belastungs-EKG, geben jedoch Entwarnung. Das Ergebnis sei nicht besorgniserregend, so das Urteil der Kardiologen. Eine fatale Fehleinschätzung.

Frank Meppelink hat am 18. August Besuch von einem Freund, den er am späten Abend wegen des Gewitters, das draußen tobt, nach Hause bringt. Als er wiederkommt, sieht er seine Tochter, die gerade versucht, ihn anzurufen. Das Mädchen ist verstört, weil ihre leblose Mutter mit blau angelaufenem Gesicht auf dem Boden liegt. „Nicole wollte sich eine Schmerztablette aus der Küche holen. Ein Glück, sonst hätte ich sie tot im Bett gefunden“, sagt Meppelink.

Der Heilerziehungspfleger ruft sofort den Rettungsdienst und beginnt mit der Reanimierung. Auch die Notärzte kämpfen fast ein Stunde darum, Nicole Meppelink ins Leben zurück zu holen. Mit Erfolg.

Mehr als zwei Wochen liegt die 37-Jährige im Wachkoma. Ihre drei Kinder dürfen sie in dieser Zeit nicht sehen. Frank Meppelink sagt ihnen, dass ihre Mutter schwer krank sei, aber das alles wieder gut werde. Die Ärzte haben sie zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits aufgegeben. Sie bereiten den 36-Jährigen darauf vor, dass seine Frau ein schwerer Pflegefall werden könnte. Als Ursache für den Zusammenbruch geben die Mediziner eine heftige Herz-Rhythmus-Störung an. Im Krankenhaus messen die Ärzte eine Herzleistung von 30 Prozent.

Am 8. September geschieht aus Sicht des Familienvaters ein Wunder. Halb bei Bewusstsein, fragt Nicole Meppelink nach ihren Kindern. Nach 18 Tagen Wachkoma und Intensivstation darf die 36-Jährige das erste Mal ihre Töchter sehen. Doch vor allem die Kleinste kann mit ihren vier Jahren nicht begreifen, was mit ihrer Mutter los ist. Sie zeigt Berührungsängste und verwehrt das obligatorische Abschiedsküsschen. „Das war sehr schwer für meine Frau“, sagt Frank Meppelink.

Die gelernte Krankenschwester leidet zudem unter den Nachwirkungen ihres Zusammenbruchs. Hipoxischer Hirnschaden lautet die Diagnose. Es fällt ihr schwer, alltägliche Dinge zu meistern. „Sie muss ganz einfache Handgriffe neu lernen. Es kommt vor, dass sie sich eine Jacke wie eine Zwangsjacke anzieht, weil ihre Verknüpfungen im Gehirn sich erst wieder neu aufbauen müssen“, erklärt ihr Mann. Auch Lesen und Schreiben falle seiner Frau schwer.

Erschwerend hinzu kommt die aus Sicht von Frank Meppelink fehlende Unterstützung durch die Krankenkasse. Der Schock über den Zustand seiner Frau setzt ihm derart zu, dass er psychiatrische Behandlung benötigt. Der Spagat zwischen der Sorge um seine Frau und der Kinderbetreuung – das ist für ihn in dieser Situation einfach zu viel.

„Die Krankenkasse hat mir Hoffnungen gemacht, dass ich Hilfe bekomme“, sagt er. Der Familienvater besorgt eine private Haushaltshilfe. Monate später habe ihm die IKK jedoch mitgeteilt, dass sein Anliegen abgelehnt worden sei. „Da ist eine Welt für mich zusammengebrochen“, sagt der Heilerziehungspfleger. Die Krankenkasse bezahlt lediglich 14 Stunden wöchentlich für die Haushaltshilfe. Den Rest der Zeit müssen Bekannte unentgeltlich helfen.

Die IKK, bei der die Familie versichert ist, hat Verständnis für die schwere Lage der Meppelinks. „Das ist ein schlimmes Schicksal“, sagt IKK-Regionaldirektor Ralf Danker, betont aber: „Wir haben alles getan, was im rechtlichen Rahmen zulässig ist.“ Die Krankenkasse habe viele Gespräche mit Frank Meppelink geführt und sei immer bereit gewesen, der Familie zu helfen. Obwohl der Heilerziehungspfleger krank geschrieben gewesen sei, habe die IKK 14 Stunden wöchentlich für eine Haushaltshilfe bezahlt. Nun seien andere Institutionen für den Fall zuständig. „Herr Meppelink muss Kontakt mit dem Landkreis aufnehmen, um Familienhilfe zu beantragen“, rät Danker. „Er braucht Unterstützung, alleine wird er es nicht schaffen.“

Der Familienvater wendet sich an das Gesundheitsamt. Die Behindertenhilfe soll sich nun der Sache annehmen. Anfang April wird Nicole Meppelink voraussichtlich aus der Reha entlassen. Wie es dann weitergeht, ist unklar. „Wir stehen noch in der Luft“, sagt der 36-Jährige. Er habe den Antrag gestellt, dass seine Frau im Kalands hof der Rotenburger Werke im Rahmen der Tagesstrukturförderung Unterstützung dabei bekommt, ihren Alltag zu meistern.

Die Familie belastet die unsichere Situation. Vor allem Frank Meppelink hat Sorge, dass seine Frau erneut einen Zusammenbruch erleiden könnte. „Das Gute ist, dass Nicole einen starken Willen hat. Aber ich habe Angst, dass sie sich zu viel zumutet.“

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