LKA-Beamter diskutiert mit Viertklässlern über sexuellen Missbrauch

Vom falschen Trainer und richtigem Bauchgefühl

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Oliver Joneleit hatte viele Fragen der Grundschüler zu beantworten. ·

Scheessel - Von Ulla HeyneSexualkundeunterricht in der vierten Klasse. Schauplatz ist die Scheeßeler Grundschule. Es geht um sexuellen Missbrauch. Oliver Joneleit erzählt den Schülern vom Blick über die Tür der Umziehkabine, vom Tätscheln am Po, von guten und schlechten Gefühlen und immer wieder vom Bauchgefühl. Eine ganz normale Unterrichtsstunde? Wohl kaum.

Als Beamter des Landeskriminalamts leitet Kriminalhauptkommissar Joneleit eine Fachdienststelle für Sexualdelikte. Unter anderem ist er verantwortlich für entlassene Straftäter. Joneleit weiß, wovon er spricht. Wenn er den Neun- bis Zehnjährigen behutsam und kindgerecht von Übergriffen erzählt, von verbalen Bedrohungen, die mit Sexualstraftaten zu tun haben könnten. Und er trifft ihre Sprache – die Viertklässler nehmen ihm die Geschichte vom Trainer ab, der Borussia-Trikots gegen Gefälligkeiten und Zuwendung verschenkt. Und sie diskutieren, was zu tun ist.

Das Brisante: Gerade dieses Beispiel ist nicht fiktiv, sondern stammt aus Joneleits Berufsalltag. Er ist nah dran an den Kindern, gibt ihnen praktische Tipps, plädiert für Offenheit: „Eure Eltern können nur was unternehmen, wenn Ihr ihnen davon erzählt. Falls Ihr Euch nicht sicher seid, besprecht die Sache mit Teamkameraden oder Freunden.“

Der Familienvater nimmt ihnen aber auch die Illusion, sich nach entsprechendem Training gegen Erwachsene wehren zu können: „Im Zweifelsfall haut lieber ab!“

Den Kindern brennen die Fragen unter den Nägeln: „Bringt eine Anzeige was?“, „Wie kriegt Ihr die Täter?“ „Warum schreibt Ihr nicht in die Zeitung, wenn einer was Böses vorhat?“ – Da kommen Themen zur Sprache wie das Dilemma von Opfer- und Täterschutz, aber auch die Zerstörung von Leben durch Verleumdung oder den Umgang mit potenziellen Straftätern. Das geht auch mit Grundschülern. Joneleit redet Klartext, erzählt von wahren Fällen, schürt jedoch keine Ängste, sondern findet die richtigen Worte. Etwa, wenn er zur Frage „Liebe zu Kindern – warum machen Erwachsene das?“ Rede und Auskunft steht.

Er ist nicht zum ersten Mal in einer Schule. Als einer von hundert freiwilligen Hamburger Polizisten hat er sich auf diese ehrenamtliche Tätigkeit, der er – auch aus rechtlichen Gründen – ausschließlich in seiner Freizeit nachgehen darf, speziell fortbilden lassen. Warum? „Es gibt einem eine Befriedigung, neben der ständigen Beschäftigung mit Leuten, wo das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, auch mal mit ‚normalen‘ Leuten zu sprechen“, meint der Scheeßeler.

Die Stunde ist um, die Kinder wollen nicht in die Pause, so viele Fragen möchten sie noch beantwortet haben. Sie beschäftigen die angerissenen Fälle, vom Maskenmann Martin Ney, den die Polizei durch „Lauschen und Überprüfen von Chatbesuchen“ gefasst habe. Oder eben vom falschen Trainer. Einig sind sich heute alle Schüler: So einem gehen sie nicht auf den Leim. Beim Rausgehen meint ein Junge zu einem anderen: „Aber wenn es ein Werder-Trikot gewesen wäre?“

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