Rat entscheidet über Freigabe der Anschubfinanzierung

Es geht ums Geld

Geht der Plan auf? Aus dem Werner-Haus soll ein soziokulturelles Zentrum werden. 
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Geht der Plan auf? Aus dem Werner-Haus soll ein soziokulturelles Zentrum werden.
  • Guido Menker
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Rotenburg – Der Rotenburger Verein „Soziokulturelles Zentrum“ verfolgt seit dem vergangenen Jahr schon den Plan, aus dem Werner-Haus der Rotenburger Werke an der Lindenstraße ein soziokulturelles Zentrum auf Basis einer Genossenschaft zu machen. Mit Blick auf die ersten erforderlichen Planungen hat er eine Anschubfinanzierung in Höhe von 10 000 Euro beantragt. Diese Summe ist mit einem Sperrvermerk in den Haushaltsplan 2020 der Stadt Rotenburg aufgenommen worden. Das bedeutet, dass der Rat jetzt darüber beschließt, ob er die Summe ausbezahlen möchte oder nicht. Genau diese Entscheidung kommt am Donnerstagabend auf den Tisch. Die Sitzung beginnt um 20 Uhr im Lucia-Schäfer-Saal der IGS Rotenburg am Standort in der Ahe.

„Wir haben am 6. April beantragt, dass unserem Verein 7 000 Euro aus dieser Summe zur Verfügung gestellt werden, um einen Rotenburger Architekten mit den ersten Planungsleistungen zu beauftragen“, teilt Bernd Braumüller für den Vorstand des im Oktober gegründeten Vereins mit. Im Verwaltungsausschuss, so Braumüller, habe es dafür zunächst kein grünes Licht gegeben. „Das heißt, zum jetzigen Zeitpunkt müssen wir damit rechnen, kein Geld von der Stadt Rotenburg zu bekommen.“ Für heute Abend sind Gespräche mit der Mehrheitsgruppe von CDU, FDP und WIR sowie mit der Gruppe SPD, Grüne, Grafe vorgesehen. Braumüller: „Wenn wir das Geld nicht bekommen, dann müssen wir natürlich die Situation neu bewerten. Auf jeden Fall wird es eine größere zeitliche Verzögerung geben, und der eine oder andere wird vielleicht nicht mehr dabei sein.“

Geht es nach Bürgermeister Andreas Weber (SPD), sollte das Geld ausgezahlt werden. „Ich habe sehr dafür geworben, denn das Geld ist für ein Gutachten erforderlich, das wiederum Grundlage für eine vernünftige Planung ist.“ Ein Beschluss für eine Auszahlung dieses Geldes sei schließlich „nicht damit verbunden, dass wir als Stadt die Folgekosten übernehmen“, so der Bürgermeister. Er wisse aber um die Skepsis in Teilen der Politik. Genau die bringt Tilman Purrucker (CDU) als Sprecher der Gruppe von CDU, FDP und WIR auf den Punkt: „Unsere Gruppe, auch ich, sieht das Projekt sehr kritisch. Trotzdem konnte ich erreichen, dass morgen in der Fraktion auch mit WIR und FDP das Projekt nochmal vorgestellt werden kann. Es gibt viele offene Fragen.“

Gilberto Gori (SPD) erklärt auf Anfrage, dass die Gruppe SPD, Grüne und Grafe die Idee des soziokulturellen Zentrums gut finde, ihr allerdings nach wie vor eine Finanzierungsübersicht fehle, um jetzt 7 000 Euro für die Architekten-Leistung freigeben zu können. Gori zur Kreiszeitung: „Wir wissen also, was sie vorhaben, aber nicht, wie das alles finanziert werden soll.“ Auch Vertreter dieser Gruppe werden heute Abend mit dem Verein genau darüber sprechen.

Nach Monaten vermeintlicher Ruhe – eine Art Corona-Zwangspause – kehrt der noch junge Verein jetzt also wieder zurück in die öffentliche Wahrnehmung zurück. „Die Ideenschmiede am 14. März in der Bildnerischen Werkstatt hat uns alle sehr beflügelt. Die Veranstaltung war trotz beginnender Corona-Krise gut besucht, in den Workshops gab es reichlich konstruktiven Input. Der Verein bekam neue Mitglieder, und es bildeten sich feste Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themenbereichen“, teilt Vorstandsmitglied Bernd Braumüller mit. Zwei Tage nach der Ideenschmiede hatte die Bundesregierung die Kontaktbeschränkungen beschlossen. Das habe die Vereinsarbeit zunächst lahmgelegt. Seit einigen Wochen kommen die Mitglieder zu Videokonferenzen zusammen. Braumüller: „Virtuelle Treffen können persönliche Zusammenkünfte aber nicht ersetzen. Die Leute warten darauf, wieder gemeinsam an einem Tisch sitzen zu können.“ Corona erschwere gerade die Zusammenarbeit und somit auch Beschlussfassungen. Jetzt fokussiert sich der Vorstand auf die Ratssitzung am Donnerstagabend.

Es gehe nun um eine Bestandsaufnahme der notwendigen Sanierungs- und Renovierungsarbeiten. „Zu den Leistungen des Architekten gehören eine Prüfung der Machbarkeit, erste zeichnerische Darstellungen der Nutzungsmöglichkeiten, Klärungen mit Statiker, Energieberater und sonstigen Fachingenieuren, Vorgespräche mit den Genehmigungsbehörden und am wichtigsten: „eine erste Kostenschätzung“, erklärt der Vorstand um den Vorsitzenden Ole Asmussen. Auch eine Terminplanung für die mögliche bauliche Umsetzung sei in diesen Leistungen enthalten.

Vor dem Hintergrund der Zwangspause gibt es für den Verein gute Signale: „Die Rotenburger Werke haben bereits durchblicken lassen, dass sie uns auf Wunsch mehr Zeit zur Prüfung der Realisierbarkeit des Projekts einräumen werden“, teilt Braumüller mit. Ursprünglich sollte die Orientierung bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. Das ist schwer möglich. Nun gibt es zeitlich mehr Luft dafür. „Als nächstes müsste der Architekt nun aufgrund der Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen die Grundlagen für den Umbau ermitteln und eine erste Schätzung der Gesamtkosten abgeben. Dann wird ein Businessplan erstellt, und wenn alles passt, die Genossenschaft gegründet“, heißt es im Vorstand.

Ein Genossenschaftsverband habe nach Durchsicht des Konzeptes grünes Licht für eine Zusammenarbeit gegeben. Die Satzung für die Genossenschaft sei fast fertig und müsse in einer Mitgliederversammlung besprochen werden. Braumüller: „Neue Mitglieder sind hinzugekommen, auch das Netzwerk wächst. Dabei hat uns das Spektrum der Interessierten selbst verwundert.“ Verschiedene Rotenburger Vereine und Gruppen interessierten sich für eine Nutzung von Räumen im Werner-Haus. Dazu Menschen, die hier gerne generationsübergreifend wohnen möchten, Kultur- und Kunstschaffende. Die Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur sei auch involviert und arbeite eng mit den Rotenburgern zusammen.

Verschiedene Veranstaltungen sollen dazu beitragen, die Öffentlichkeit zu informieren und für die Idee zu begeistern. Diese würden natürlich nachgeholt, sobald es wieder möglich ist, verspricht der Vorstand. Braumüller: „Nun hoffen wir, dass die Kontaktbeschränkungen bald so gelockert werden, dass wir spätestens nach den Sommerferien wieder durchstarten können. Hierfür benötigen wir ein klares Signal des Rates für das Soziokulturelle Zentrum, indem er die beantragte Auszahlung genehmigt.“

Die Idee basiert auf einer Genossenschaft

Die Finanzierung des soziokulturellen Zentrums soll auf verschiedenen Füßen stehen. Kulturinteressierte können durch den Kauf von Genossenschaftsanteilen die Kultur vor Ort unterstützen. Die Erlöse bilden das Eigenkapital und damit Grundlage für einen günstigen Kredit. Zudem will der Verein Gelder aus Mitteln der Kulturförderung beantragen. Die Vermietung von Räumen soll die monatlichen Kosten decken. Mit einem Auge schielt der Verein auch auf das Städtebauförderprogramm, um das sich die Stadt zurzeit bemüht.

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