1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Rotenburg

RS-Viren sorgen für Ausfälle in Schulen und Kitas

Erstellt:

Von: Nina Baucke, Ann-Christin Beims

Kommentare

Symbolbild Testpflicht an Schulen, Schnelltestkassette liegt vor Federmäppchen in Form eines Löwen
Auch Corona spielt beim aktuellen Krankheitsgeschehen in Kitas und Schulen weiterhin eine Rolle. © Michael Weber / imago images

Viele Kinder liegen mit der Atemwegserkrankung RSV flach. Einige sind sogar im Diakonieklinikum in Behandlung. Hinzu kommen die üblichen Erkältungskrankheiten und wenige, aber nach wie vor vorhandene Coronafälle. Das sorgt für dezimierte Kitagruppen und Schulklassen

Rotenburg – Halbleere Kita-Gruppen und Schulklassen: Zwar ist der Winter jedes Mal Erkältungssaison, dieses Jahr allerdings sorgen respiratorische Synzytial-Virus-Infektionen (RSV) für erhöhte Krankenstände – vor allem bei kleinen Kindern. „Seit gut drei Wochen gibt es viele Ausfälle unter den Kindern, aber auch unter den Erziehern“, sagt Rotenburgs Jugendamtsleiterin Sandra König. Und die Fallzahlen können noch steigen: „Es werden mehr“, schätzt Christof Kluthe, Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche am Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg, die Situation ein. „Wir sehen ja, was da aus dem Süden kommt.“

In dieser Jahreszeit gibt es immer eine Welle, doch kommen neben den normalen Erkältungskrankheiten nun weiterhin die Corona-Pandemie sowie die RS-Viren hinzu, so König. Gefühlt sind es dieses Jahr doppelt so viele, vermutet Kluthe. „Die Erklärung dafür liegt in der Zeit mit den Masken: Das Immunsystem lernt ja durch durchgemachte Infektionen, sich zu schützen. Jetzt fehlt bei vielen Kleinkindern der Immunschutz.“ Dennoch wehrt er sich gegen das Argument, dass die Maske das Immunsystem schwächt: „Das stimmt nicht. Sie verhindert lediglich, dass das Immunsystem lernt“, so Kluthe.

Je älter die Betroffenen sind, desto milder sind die Symptome.

Christof Kluthe

Welche Erkrankungen es in der aktuellen Situation im Einzelnen sind, die für abwesende Kinder sorgen, kann König natürlich nicht sagen, aber die Ausfälle führen schon zu Notfallbetreuung. Ganze Kitas habe man noch nicht schließen müssen, ist König froh. In dieser Woche sind jedoch die Eltern informiert worden, dass die Betreuungszeiten am Nachmittag teils gekürzt werden müssen – wenn das möglich ist. Es kann auch sein, dass Gruppen geschlossen werden müssen. Vertretungskräfte sind rar. Was jetzt wieder möglich ist und bisher komplette Schließungen verhindert hat: Gruppen dürfen wieder gemischt und Personal kann in andere Kitas geschickt werden. König: „Das erleichtert uns die Situation.“

Vor allem kleine Kinder trifft die Viruserkrankung: „Je älter die Betroffenen sind, desto milder sind die Symptome“, weiß Kluthe. „Wenn wir als Erwachsene das jetzt bekämen, wäre das nicht mehr als ein Schnupfen. Aber bei kleinen Kindern kann es bis zu einer schweren Lungenentzündung kommen.“

Noch weit entfernt von der Notbetreuung

Ausfälle gibt es aber auch in den städtischen Schulen, berichtet König: Mitunter fehlen halbe Klassen. Die Rotenburger Stadtschule bildet da bisher eine Ausnahme, weiß auch Konrektorin Sandra Maskus. In der Grundschule sei es noch „relativ harmlos“. Es erkranken immer mal wieder einzelne Kinder und Lehrer, große Ausfälle habe es aber noch nicht gegeben. „Noch ist das alles machbar mit den Kräften, die da sind.“ Fallen Lehrer aus, fangen die pädagogischen Mitarbeiter den Unterricht auf. Würden weitere Ausfälle kommen, werden Klassen aufgeteilt. Im größten Notfall müsste die Schule zu einer Notbetreuung in Absprache mit den Eltern zurückkehren. Davon sei man zum Glück noch weit entfernt, sagt Maskus – der Plan B liegt aber in der Schublade bereit. Denn: „Bis Weihnachten müssen die Noten feststehen“, gibt sie zu bedenken. Nur eines sei ihr in den vergangenen Wochen aufgefallen: „Von Corona hört man gar nichts mehr.“

Dennoch sei es mit allem zusammengenommen gerade so wichtig, Kinder bei den ersten Anzeichen sofort zuhause zu lassen, appelliert Amtsleiterin König an die Eltern: „Sie sollten mit Vernunft rangehen, wenn das Kind schlapp ist. Auch leichtes Fieber kann schon ein Anzeichen für RS-Viren sein. Das sollte man ernst nehmen – „zum Wohl der Kinder, aber auch zum Schutz der Erzieher und anderer Kinder“, erklärt die Amtsleiterin. „Ist das Kind wieder fit, kann es gerne wieder in die Einrichtung gehen.“ Auch für die Kinder selber sei das viel vernünftiger, weil sie dann die Angebote wieder besser mitmachen können.

Verständnis bei Eltern

Doch zunächst gilt es, die Welle zu bewältigen: „Wir hören von den niedergelassenen Kinderärzten, dass sich dort die Warteschlangen bis ins Treppenhaus ziehen“, sagt Kluthe. „Aber sie leisten tolle Arbeit, so dass bei uns auch nur die ganz Kranken ankommen.“ Doch auch bei der Notfallsprechstunde im Diako sind aktuell doppelt und dreifach so viele Kinder wie sonst. Dadurch kommt es zu langen Wartezeiten. „Aber die meisten Eltern haben dafür Verständnis.“

Besonders die ganz Kleinen sind es dann, die bei Kluthe auf der Station landen: „Die Kinder, die wir hier betreuen, sind zum Glück nicht so schwer krank, wie die, von denen wir aus Hannover oder Bremen hören. Dort benötigen schon Säuglinge maschinelle Beatmung.“ Derzeit sind im Diako die Hälfte der Betten auf der Kinderstation mit isolationspflichtigen Erkrankungen belegt – davon ist es in 80 Prozent der Fälle eine RSV-Erkrankung. „Das ist eine hohe Quote“, so der Mediziner. Aktuell bedeutet das, dass sieben Kinder mit RSV auf der Station in Behandlung sind. Das bringt einen gewissen Aufwand mit sich, denn aufgrund der Isolation muss das Personal in Schutzkleidung arbeiten. Dazu kommt: „Uns fehlt auf der Kinderstation Personal, dazu hatten wir in diesem Jahr durch Corona einen hohen Krankenstand. Es ächzt also ganz schön im Gebälk“, berichtet Kluthe. „Umso mehr bin ich sehr stolz auf unser Team aus Pflegekräften und Ärzten und bin sehr froh, wie alle immer wieder für andere einspringen und mit viel Motivation sehr viel Arbeit leisten.“

Auch vom Diakonieklinikum insgesamt gibt es Unterstützung: „Wir haben ja eine Pandemiekommission, die sich an sich mit Corona beschäftigt. Die ist jetzt umgeswitcht und sagt: ,Jetzt ist RSV unser Problem.‘ Wir haben hier tolle Leute, die sich große Mühe geben, der Situation Herr zu werden.“

Auch interessant

Kommentare