Vortrags- und Diskussionsabend thematisiert geplante Ölbohrung in Sothel

Das Erdöl-Zeitalter geht zu Ende

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Die Studenten Charlotte Niekamp und Nikos Saul referierten auf hohem Niveau. ·

Scheessel - Mit der vor 156 Jahren in Wietze bei Celle durchgeführten ersten Erdölbohrung der Welt begann unser „Erdöl-Zeitalter“. Die weltweite Ölförderung ist seitdem exorbitant gestiegen. Man spricht heutzutage von einem „Peak Oil“, dem Erreichen der maximalen Ölförderung weltweit. Zu diesem Thema hatten der Nabu Rotenburg, der Verein Sambucus und das Rotenburger Klimabündnis am Freitagabend eingeladen.

Referenten waren die Studenten Charlotte Niekamp und Nikos Saul, die als Autoren an der Studie „Peak Oil – die Herausforderung lokaler Erdöl-Abhängigkeit“ der Uni Münster mitwirkten. Den beiden Studenten gelang es in hervorragender Weise, dem Auditorium im voll besetzten Scheeßeler Nötel-Haus einen verständlichen Überblick von der globalen Situation der Erschöpfung der Ölreserven bis hin zur lokalen Situation im Landkreis Rotenburg zu vermitteln: „Nach unseren Recherchen neigt sich das Erdöl-Zeitalter dem Ende zu. Daran ändern auch Schieferöle, Agrartreibstoffe oder Verfahren wie das Fracking langfristig nichts.“

Weil den Autoren die wissenschaftliche, politische und gesellschaftliche Abarbeitung dieser lebenswichtigen Thematik zu langsam voranging, hatten sie eigene Fragestellungen zu gesellschaftsrelevanten Sektoren der Energieversorgung, des Transports, der lokalen Wirtschaft, der Ernährung, der Gesundheit und der privaten Haushalte entwickelt.

„Die Spitze der Erdölförderung ist weltweit erreicht, Die Funde neuer Lagerstätten stagnieren im Vergleich zum ständig wachsenden Erdölverbraucht“, so Niekamp und Saul. „Wir sind vom Erdöl abhängig, auch und besonders im Landkreis Rotenburg.“ Das zeigten sie am Beispiel eines Tagesablaufs einer Familie in Vahlde. Egal, ob Kaffee, Cornflakes, Tupperdose oder Autofahrten – nichts geht mehr ohne Erdölprodukte.

Auch der besonders hohe Pkw-Anteil in der hiesigen Region fordere seinen Tribut. Weil das restliche Erdöl nur durch immer aufwendigere Verfahren gefördert werden kann, sind jetzt wieder Rohölförderungen in der norddeutschen Tiefebene geplant, die seit den 1960er-Jahren als nicht mehr konkurrenzfähig galten. Schon bald könnten deshalb auch neue Bohrungen im Bereich des Salzstocks „Volkensen“ bei Sothel durch die Firma PRD Energy durchgeführt werden. Dort wurde 1959 Erdöl nachgewiesen, und in den Jahren bis 1993 fünf Bohrungen durchgeführt. PRD stellte einen Antrag auf Wiederbelebung und erwarb 2011 die Aufsuchungsrechte.

„Die zuständige Behörde, das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), hat der PRD bisher noch keine Bohrgenehmigung erteilt“, erklärte Nabu-Vorsitzender Roland Meyer. „Wir kritisieren jedoch aufs Schärfste, dass die LBEG immer noch frei entscheiden kann und keine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich ist.“

In der von Angela von Beesten (Verein Sambucus) moderierten lebhaften Diskussionsrunde lautete der vorwiegende Tenor der Wortmeldungen, dass man angesichts der Erderwärmung und zum Schutz von Mensch und Natur nicht auch noch die letzten Öltropfen aus der Erde pressen sollte. Gleichzeitig könne man jedoch Peak Oil auch als Chance für die Zukunft begreifen. · hu

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