Harriet Bruce-Annan verändert die Welt der Ärmsten der Armen in Accra

Engel kennt die Hölle

Harriet Bruce-Annan gibt Slumkindern in Ghana mit ihrem Projekt „African-Angel“ die Chance, dem Elend zu entkommen.

Rotenburg - ROTENBURG (go) · Harriet Bruce-Annan aus Ghana ist eine ungewöhnliche Frau. Sie selbst ist in ihrem Leben durch die Hölle gegangen und ist am Ende doch zum rettenden Engel für Kinder aus den Slums der Millionenhauptstadt Accra geworden. Sie hat mit vielen kleinen Münzen, die sie als Toilettenfrau verdiente, Slumkindern in Ghana eine Unterkunft gegeben und einen Schulbesuch ermöglicht. Als heutige Vorsitzende des Vereins „African Angel“ ist sie im In- und Ausland unterwegs, um Geld für die Ärmsten der Armen zu sammeln. Am Wochenende besuchte sie Rotenburg.

In einem Gespräch mit unserer Zeitung berichtet die 45-jährige Programmiererin aus ihrem Leben. Sie erzählte von ihrer Kindheit in den Slums von Accra-Bukom und ihrer Vision sowie der Umsetzung des Kindheitstraumes, den Ärmsten der Armen den Weg aus dem Elend zu ermöglichen.

„Als kleines Mädchen hatte ich das Glück, in Adabraka, einem der besseren Stadtteile der Hauptstadt Accra, aufzuwachsen“, erklärte Bruce-Annan. Ihre Großmutter hingegen lebte im Armenviertel Bukom. Sie habe ihre Oma regelmäßig besucht und das Elend, das in den Häusern und auf der Straße herrschte, hautnah miterlebt. „Ich sah aufgeblähte Bäuche von Gleichaltrigen und Kinder, die auf dem Erdboden schlafen mussten. Sie hatten keine Chance, eine Schule zu besuchen. Das tat mir im Herzen weh“, erinnert sich Bruce-Annan an die Aufenthalte bei ihrer Oma.

Sie habe sich damals geschworen, diesen Kindern eines Tages helfen zu wollen. Ein Schwur, der sie nie wieder loslassen sollte. Bruce-Annan hatte das Glück, eine Schule besuchen zu können. Sie erkannte schon damals: „Nur durch Bildung kommt man hier raus“. Nach der Schule sei sie Programmiererin geworden und habe eine Anstellung bei einer deutschen Firma in Accra bekommen. Sie heiratete und wurde nach eigener Beurteilung von ihrem „Ehemann nach Düsseldorf gelockt“. Er habe ihr gesagt, dass er bereits einen Studienplatz für sie hätte. „Nichts davon stimmte.“ In Deutschland habe er sein wahres Gesicht gezeigt und über Monate fast täglich auf sie eingeprügelt. Es halfen nur die Flucht ins Frauenhaus und die Scheidung. „Ich war am Tiefpunkt meines Lebens. Aber mein Traum, Afrikas Kindern zu helfen, der war immer noch lebendig. Das machte mich stark“, erklärte sie.

„Ich habe meinen Lebensunterhalt als Reinigungskraft bei der Düsseldorfer Messe verdient“, so Bruce-Annan. Zusätzlich habe sie dann abends die Toiletten in einer Kneipe gereinigt. Was dabei als Trinkgeld auf ihrem Teller landete, habe sie jahrelang gesammelt und nach Accra geschickt, um den Slum-Kindern einen Schulbesuch zu ermöglichen. Kneipengäste seien auf sie aufmerksam geworden und Förderer unterstützten sie. Schließlich gründete sie Ende Mai 2003 den Verein „African-Angel“, um mehr Geld für ihr Projekt sammeln zu können. Heute steht ihr Internat 56 Mädchen und Jungen zur Verfügung. In diesem Jahr sollen weitere 40 Kinder ein neues Zuhause und vor allem Schulbildung bekommen.è Sonderseite

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