Seit 2007 versorgt die Rotenburger Tafel Bedürftige mit Lebensmitteln

Ein Engagement, das durch den Magen geht

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Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tafel erwarten jeden Montag und Donnerstag Bedürftige zur Essensausgabe. ·

Rotenburg - Von Matthias BergerAuch im vergangenen Jahr war die Rotenburger Tafel wieder eine wichtige Anlaufstelle für Menschen, die sich die Lebensmittel im Supermarkt einfach nicht leisten können. Seit Eröffnung im Jahr 2007 bestehe ein unverändert großer Andrang, sagt Sozialarbeiter Heinz Wagner im Gespräch mit unserer Zeitung.

„Wir haben zweimal wöchentlich eine Ausgabe, bei der sich jedesmal rund 70 Personen Lebensmittel abholen. Man muss dabei allerdings bedenken, dass viele eine Familie ernähren müssen. Die Zahl der Bedürftigen liegt also wesentlich höher, wir rechnen mit etwa 140 Personen“, erklärt Wagner.

Ein Anrecht auf die kostenlose Lebensmittelausgabe der Tafel hat jeder, der nachweisen kann, dass er von staatlichen Transferleistungen abhängig ist. Dies gilt vor allem für Menschen, die auf Hartz-IV angewiesen sind, Geringverdiener und Menschen, deren Rente nicht ausreicht. Die meisten derjenigen, die sich dort Essen abholen, leben laut Wagner schon seit langem in prekären Verhältnissen. „In unserem Kundenkreis gibt es wenig Veränderung“, sagt Wagner. „Eigentlich sind wir dazu da, um abgeschafft zu werden. Es ist ein Versäumnis des Staates, dass Menschen überhaupt auf die Tafel angewiesen sind.“

Vor allem für Menschen, die das erste Mal zur Tafel gehen, sei der Gang zur Essensausgabe mit Schamgefühlen verbunden, meint Wagner. Er glaubt daher auch, dass es eine unbestimmte Dunkelziffer an Leuten gebe, die es zwar nötig hätten, aber aus Scham nicht zu ihnen kommen.

Dass die Bedürftigen überhaupt mit Lebensmitteln versorgt werden können, liegt laut Wagner am „Frischewahn“ in Deutschland. „Wir haben hier in Rotenburg keinen Engpass. Die Supermärkte entsorgen alle Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum nur noch wenige Tage gültig ist. Es ist schon traurig, was da alles entsorgt wird.“

Dass die Tafel von der Verschwendung in den Supermärkten profitiert, räumt Wagner allerdings auch ein. Nur so ist es möglich, dass sich bei der Essensausgabe Joghurts, Gemüse, Obst, Wurst und Gewürze stapeln.

Dass das Essen bei den Bedürftigen ankommt, dafür sorgen die ehrenamtlichen Mitarbeiter der sozialen Einrichtung, die die Essenspakete bei den Supermärkten abholen, sortieren und an die Menschen verteilen. Dabei soll es möglichst gerecht zugehen, erklärt die Ehrenamtliche Anneliese Lüdemann. „Diejenigen, die am Donnerstag als letztes dran waren, werden am Montag als erstes bedient.“

Wie die meisten Mitarbeiter der Tafel ist auch Lüdemann nicht mehr berufstätig. „Ich wollte etwas sinnvolles machen. Und bei Essensausgabe, beim Kontakt mit den Menschen spürt man die Dankbarkeit“, erklärt sie ihre Motivation. „Das schönste Gefühl ist, wenn alle Lebensmittel verteilt sind.“

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