Hans-Günther Beuck erstellt Dokumentation / Johann Meyer ist Glücksfall / Frühere „Gemeinheiten“

Wo das Ekelmoor die Dörfer trennt

Für Hans-Günther Beuck (l.) ist der Rezess, der ihm von Johann Meyer (Mitte) zur Verfügung gestellt wurde, eine wichtige Geschichtsquelle. Günter Frick übertrug die Schrift.

Scheessel - STEMMEN/TISTE (bn) · Hans-Günther Beuck (69), pensionierter Lehrer aus Helvesiek, ist dabei, eine umfangreiche Dokumentation über das Tister Bauernmoor zu schreiben. „Das Wichtigste ist für mich, Zeitzeugen zu befragen über das Ekelmoor und das Tister Moor. Da habe ich mich auf etwas eingelassen, über dessen Bandbreite ich mir keine Vorstellungen gemacht habe. Das reicht von der Geologie, über die Pflanzenkunde, die Geschichte bis hin zum Naturschutz,“ sagt er.

Nicht jeden Tag erzielt Beuck so einen „Glückstreffer“ wie beim ehemaligen Landwirt Johann Meyer vom Hoops-Hof in Stemmen. Der 84-jährige ist ein wandelndes Heimatgeschichtsbuch. Er zeigte Beuck einen besonderen Schatz – einen Rezess (Urkunde), in dem die „Gemeinheitsteilung“ zwischen Burg Sittensen, Tiste und Stemmen belegt ist. In acht Paragraphen, auf zwölf Seiten, geschrieben in „gemeißelter“ Current Schrift (Deutsche Schrift).

Das Ekelmoor, im Rezess das Große Moor genannt, wurde vom Gut Burg Sittensen und den Dörfern Tiste und Stemmen gemeinschaftlich genutzt. Diese Allmende oder Gemeinheit sollte auf Ersuchen Stemmens aufgehoben werden und durch einen Rezess „auf gütlichem Wege“ zu einer Einigung der Beteiligten führen. In dem Rezess von 1842 wird die Teilung festgelegt. Das Dokument wurde von dem Grundherrn von Burg Sittensen, Caspar Detlef von Schulte, unterschriftlich bestätigt. Er war königlich hannoverscher Staats- und Finanzminister in Diensten der Könige Wilhelm IV. und Ernst August. Ein verdienter Mann, der nicht nur im höfischen Glamour zu Hause war, sondern auch abends immer wieder in Stemmen im Gasthaus Trau beim Kartenspielen anzutreffen war, wie Johann Meyer weiß.

Günter Frick (87) aus Hetzwege, Hauptlehrer im Ruhestand und Kenner der alten Schreibweise, war gern bereit, die Urkunde zu übersetzen. Beuck: „Dem Rezess lassen sich zahlreiche Hinweise auf die damalige Nutzung des Moores, der Grenzmarkierung und den beteiligten Personen entnehmen, so dass er eine wertvolle Geschichtsquelle darstellt.“

Die Grenzlinie, so Beuck, beginne an der Grenze der Ämter Harburg und Zeven, heute noch Kreisgrenze, etwa in der Mitte des Moores. Zu ihrer Markierung sei im Moor ein etwa 2,5 breiter und 1,25 Meter tiefer Graben ausgehoben worden, auf dem festen Boden die Anlage eines 1,25 hohen und am Grunde 1,90 Meter breiten Walles: „Diese Arbeiten mussten je zur Hälfte die Tister und die Stemmer ausführen. Bei einer Grenzlänge von etwa fünf Kilometern erforderte diese Anlage einen erheblichen Arbeitsaufwand, da alles mit Spaten und Schaufel geschah.“ Graben und Wall seien noch heute zu erkennen: Die Anlagen bildeten die Gemeindegrenze zwischen Tiste und Stemmen und grenzten das Naturschutzgebiet Tister Bauernmoor vom übrigen geschützten Ekelmoor ab.

Zur Vertragsunterzeichnung entsandte Stemmen vier, Tiste drei Bevollmächtigte. Auch der Verwalter des Gutes zeichnete ihn ab, zum Schluss der Gutsherr. „Politisch gesehen“, so Beuck, „stellt diese Generalteilung zwischen den Dörfern den Anfang einer umfassenden Agrarreform dar.“ Nach der Verkoppelung und Ablösung von „Meierpflichten“ bekamen die Bauern Mitte des 19. Jahrhunderts ihre ersehnte Unabhängigkeit.

Für Beuck ist der Rezess, den ihm Meyer jetzt zur Verfügung stellte, „eine wichtige Geschichtsquelle“, um seine Dokumentation über das Tister Bauernmoor schreiben zu können. Mit dem Thema hat er sich bereits in stark gestraffter Form in einem Schulbuch beschäftigt.

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