Mehr als 300 Gäste kamen zur Einweihung der wieder aufgebauten Cohn-Scheune

Eindrucksvoller Festakt

Hildegard Jacobsohn, geborene Cohn (links) in der neu eröffneten Cohn-Scheune vor dem Bild ihrer Eltern, Gertrud und Hermann Cohn, die sie in Auschwitz verlor. Rechts die Tochter von Hildegard Jacobsohn.

Rotenburg - ROTENBURG (bn) · Nie wurde über so ein kleines Gebäude in Rotenburg so viel diskutiert und lamentiert wie über die Cohn-Scheune, das letzte Gebäude einer jüdischen Familie in Rotenburg. Der Förderverein sorgte dafür, dass dieses 1831 gebaute Fachwerkhaus nicht auf dem Schuttplatz endete, sondern, räumlich versetzt, gegenüber der Stadtkirche mit großer Liebe und ausgeprägtem Sachverstand restauriert, erneut aufgebaut wurde.

Und dort in der Stadtkirche wurde am gestrigen Sonntag in einem eindrucksvollen Festakt mit mehr als 300 Gästen die Cohn-Scheune ihrer neuen Bestimmung übergeben. In den Ansprachen wurde immer wieder deutlich, nicht zuletzt durch den Vorsitzenden des Fördervereins, Pastor Michael Schwekendiek, zu welcher Kraftanstrengung es gekommen war, um die mehr als 300 000 Euro für das Projekt zusammen zu bekommen. Bürger aus der Region hatten 200 000 Euro gespendet. Außerdem hatte sich eine Reihe von Institutionen beteiligt.

Die Feier bekam eine besondere Bedeutung durch die Teilnahme von Hildegard Jacobsohn, eine jetzt 91 Jahre alte Dame, die zusammen mit ihrer inzwischen gestorbenen Schwester Erna als junge Frauen den Nazi-Terror in England beziehungsweise in Kolumbien überlebten. Ihre Eltern, Gertrud und Hermann Cohn, der als letzter die Schneiderwerkstatt in der Cohn-Scheune genutzt hatte, wurden von den Nazis in das Konzentrationslager Auschwitz gebracht und kamen dort um. An ihr Schicksal wird unter anderem in der Dokumentationsstätte erinnert, die mit Unterstützung des Jüdischen Museums in Berlin in der Cohn-Scheune eingerichtet worden ist.

Bevor das in seiner ursprünglichen Form wieder aufgebaute und restaurierte Eichenfachwerkgebäude für kleinere Besuchergruppen geöffnet wurde, schlug der jüdische Kantor Avraham Serf aus Osnabrück als symbolischen Akt und als Zeichen der offiziellen Eröffnung einem alten Brauch entsprechend eine Mesusa an die Eingangstür des Hauses.

Dr. Wolfgang Dörfler, Hesedorf, Beiratsmitglied im Förderverein, der es neben anderen übernommen hatte, die Gäste durch die Cohn-Scheune zu führen, zu dieser Zeitung: „Mit dem Wiederaufbau der Cohn-Scheune an dieser Stelle schließt sich ein Kreis: Ein innerstädtischer Fachwerkbau wird gerettet und füllt an seiner Position eine Baulücke, deren alte Bebauung er nachempfinden lässt. In seiner Funktion als Museum erinnert er zugleich an die Vertreibung und Ermordung der jüdischen Mitbürger Rotenburgs in der Zeit des Nationalsozialismus.“

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