Interview: Ex-Soldat Johannes Clair über Auszeichnungen, Medienpräsenz und Zukunftspläne

„Ein toller Lohn für die harte Arbeit“

+
Engagiert sich unermüdlich für mehr Bewusstsein für Bundeswehrsoldaten – zuletzt auf der Bühne beim Deutschen Fernsehpreis: Johannes Clair.

Scheeßel / Hamburg - Von Lars Warnecke. Wenn ein Ex-Eichenschüler, gerade einmal 27 Jahre jung, ein Buch über seinen Einsatz als Bundeswehrsoldat im krisengeschüttelten Afghanistan schreibt und sich damit über Monate hinweg einen Stammplatz in der Spiegel-Bestsellerliste sichert, ist das allein schon außergewöhnlich.

Seit vergangener Woche ist Johannes Clair der Öffentlichkeit ein noch größerer Begriff. Als Mitwirkender in der ZDFneo-Doku „Auf der Flucht – Das Experiment“ erhielt er den Deutschen Fernsehpreis. Ein nicht unumstrittener Auftritt, hatte der ehemalige Scheeßeler während seiner Laudatio das Publikum im Saal doch aufgefordert, sich „für die in Afghanistan Gefallenen“ zu erheben. Ob er diesen Schritt angesichts mitunter heftiger Medienschelte inzwischen bereut und wie er sich nun seine Zukunft vorstellt, darüber sprach Clair gestern mit unserer Zeitung.

Herr Clair, wie fühlt es sich an, den Deutschen Fernsehpreis in den Händen zu halten?

Johannes Clair: Vor allem hätte ich nie damit gerechnet. Das sagen zwar alle, aber in unserem Fall bekamen wir ihn für eine Dokumentation über Flüchtlinge und unsere Reaktionen als Westeuropäer in Konfrontation mit der Problematik, die Anfangs heftig kritisiert worden war. Umso mehr freut mich diese tolle Rückmeldung. Ein unglaubliches Gefühl und ein toller Lohn für die harte Arbeit!

Hätten Sie zu Eichenschulzeiten gedacht, jemals zu solch einer Ehre zu kommen?

Clair:Nein. Vielmehr wusste ich lange Zeit nicht, welche Richtung mein Leben einschlagen würde. Umso zufriedener bin ich, welche Kontakte und Möglichkeiten sich aus meinem Afghanistan-Einsatz und dem Buch ergeben haben, dass ich darüber geschrieben habe.

Für alle, die die Sendung nicht gesehen haben: Worum geht es in „Auf der Flucht – Das Experiment“?

Clair:Es ging darum, für ein Team von Westeuropäern mit verschiedener Einstellung zu erfahren, wie wir in Konfrontation mit der Flüchtlingsproblematik reagieren. Dafür sind wir den Routen von Flüchtlingen bis zum Ursprung in Äthiopien und dem Irak gefolgt.

Wie ist man beim ZDF auf Sie aufmerksam geworden?

Clair:Durch einen Freund, der mich aufgrund meines Buches und der damit verbundenen Öffentlichkeitsarbeit empfohlen hatte.

Die Verleihung fiel bei der Kritik durch. Und auch Ihr eigener Auftritt kam nicht ganz ohne Medienschelte aus. Zu Recht?

Clair:Kritisiert wurde die Moderation von Oliver Pocher und Cindy aus Mahrzahn und eine angeblich glanzlose Veranstaltung. Mein eigener Auftritt wurde durch Spiegel Online als „verstörend“ beschrieben. Ich frage mich allerdings, was daran verstörend ist, das Publikum zu bitten, sich im Gedenken an die im Einsatz gefallenen Bundeswehrsoldaten kurz von den Plätzen zu erheben.

Die Ausstrahlung der Doku liegt gut zwei Monate zurück? Wie hat sich Ihr Leben seitdem verändert?

Clair:Im Moment läuft im ZDF mit „Unser Krieg“ eine spannende Doku über den Afghanistan-Einsatz zum ersten mal zur Primetime. Dort komme ich auch zu Wort. Außerdem bin ich inzwischen stellvertretender Bundesvorsitzender des Veteranenverbandes. Ich versuche, für mehr Bewusstsein für unsere Einsatzrückkehrer zu sorgen. Und denen zu helfen, die verwundet oder traumatisiert sind. Das Thema lässt mich nicht los. Außerdem ist das nächste Buch in Arbeit.

Was hat Ihnen mehr Spaß gemacht: einen Bestseller zu schreiben oder vor der Kamera zu stehen?

Clair:Ich freue mich total darüber, dass ich meine Gedanken mitteilen kann und es Menschen gibt, die sich dafür interessieren. So gesehen macht mir beides großen Spaß. Allerdings erlebe ich beim Schreiben eine nie dagewesene Befriedigung.

Von Hamburg, Ihrem jetzigen Wohnsitz, ist es nur noch ein Katzensprung bis nach Scheeßel. Wie oft sind Sie noch in Ihrer alten Heimat?

Clair:Ich bin dort aufgewachsen und fühle mich meiner alten Heimat sehr verbunden. Außerdem leben dort in der Nähe meine Mutter und viele gute Freunde. Es ist mir wichtig, so oft wie möglich dort zu sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Multiplayer-Postapokalypse: "Fallout 76" im Test

Die Multiplayer-Postapokalypse: "Fallout 76" im Test

Azubis kicken in der Rotenburger Bodo-Räke-Halle für den guten Zweck

Azubis kicken in der Rotenburger Bodo-Räke-Halle für den guten Zweck

In Malé zeigen sich die Malediven von einer anderen Seite

In Malé zeigen sich die Malediven von einer anderen Seite

Pressestimmen zum letzten DFB-Spiel des Jahres: „Hauch vom Confed Cup“

Pressestimmen zum letzten DFB-Spiel des Jahres: „Hauch vom Confed Cup“

Meistgelesene Artikel

375 Jäger bei Treibjagd rund um den Trochel 34 Wildschweine zur Strecke

375 Jäger bei Treibjagd rund um den Trochel 34 Wildschweine zur Strecke

Vier Verletzte bei Frontalzusammenstoß auf der B440

Vier Verletzte bei Frontalzusammenstoß auf der B440

Kater „Aki“ ist nach wochenlanger Odyssee wieder zu Hause

Kater „Aki“ ist nach wochenlanger Odyssee wieder zu Hause

Libanesische Familie Kahour hofft weiter auf eine eigene Wohnung

Libanesische Familie Kahour hofft weiter auf eine eigene Wohnung

Kommentare