Peter Klindworth ist neuer Pastor der Rotenburger Auferstehungsgemeinde

Ein Neustart

Spontan entlockt der neue Pastor Peter Klindworth dem Klavier in der Auferstehungsgemeinde ein paar muntere Töne. 
Foto: Beims
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Spontan entlockt der neue Pastor Peter Klindworth dem Klavier in der Auferstehungsgemeinde ein paar muntere Töne. Foto: Beims

Rotenburg – Mit Peter Klindworth ist das Team der Hauptamtlichen in der Kirchenregion wieder komplett, damit sind derzeit alle Stellen besetzt. Klindworth ist seit dem 1. Juni neuer Pastor der Auferstehungsgemeinde und kehrt in alte Gefilde zurück: Als Jugenddiakon hat er in seiner beruflichen Anfangszeit 13 Jahre in Scheeßel verbracht. Jetzt warten nach einer Quereinsteigerausbildung neue Aufgaben auf den 49-Jährigen – und auf die Menschen, die er kennenlernen wird, ist er sehr gespannt. „Ich bin alter Hase und Küken zugleich“, sagt er und lacht.

Der gebürtige Oldenburger hat mit zehn Jahren die Kinder- und Jugendarbeit der Kirche entdeckt, als er bei einer Kinderbibelwoche dabei war. „Ab da war ich schon immer gerne bei den Freizeiten dabei“, erinnert er sich. Er engagiert sich ehrenamtlich, absolviert nach der Schulzeit zunächst eine Ausbildung zum Industrieelektroniker. Seinen Zivildienst verbringt er dann aber in der Kirchengemeinde Ofen bei Oldenburg, zur Orientierung. „Ich wollte schon mal gucken, ob das was ist.“ Sein Vorbild sei ein Diakon namens Peter Gerlach. „Den wollte ich beerben – er war ständig unterwegs als Freizeitdiakon“, erzählt Klindworth. So landet auch er selbst nach seinem Studium und dem Anerkennungsjahr schließlich in der Kirchengemeinde Scheeßel – viele seiner ehemaligen Weggefährten sind auch heute noch in der Region unterwegs, auf die Treffen ist er gespannt.

Die Zeit in Scheeßel war für ihn wie ein „Freischwimmen“, erinnert er sich. „Ich konnte viel ausprobieren, war viel unterwegs“ – das, was er sich erhofft hatte. Konfirmanden- oder Sommerfreizeiten, Juleica-Fahrten oder auch Mitarbeiterfreizeiten. Viele Orte lernt er in dieser Zeit kennen, in Schweden, Frankreich, Spanien oder Norwegen. „Da waren Leute aus dem gesamten Kirchenkreis dabei, nicht nur aus Scheeßel – daher kennen mich hier auch noch einige“, sagt der Pastor. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Projekte ausarbeiten, das fasziniert ihn.

Währenddessen beginnt er eine Zusatzausbildung zum Prädikanten, sammelt Erfahrungen beim Gestalten von Gottesdiensten, leitet eigenständig welche. Und doch, eine neue Aufgabe sollte irgendwann her und die fand Klindworth in Salzhausen. „Ich wollte gerne weiter im Jugendbereich arbeiten, aber auch nochmal andere Bereiche kennenlernen“, so Klindworth. Zu der Zeit fand in der Kirchenregion ein Umbruch statt, in Scheeßel, Fintel und Lauenbrück gab es keine einzelnen Diakone mehr, sondern einen für alle Bereiche zusammen.

In Salzhausen leitet er ebenfalls Gottesdienste und übernimmt den Konfirmandenunterricht mit Viertklässlern, ist in Seniorenheimen unterwegs und übernimmt weitere Besuche. Die Bandbreite wird unverhofft sogar erweitert: Zwei Pastoren gehen innerhalb eines Jahres in Rente, einen Nachfolger gibt es zunächst nicht. „Die Gemeinde stand vor dem Nichts, vieles ist durch Ehrenamtliche aufgefangen worden und ich war stärker in pastorale Aufgaben eingebunden“, meint Klindworth. Eine gute Übung und eigentlich nur der logische nächste Schritt, eine Quereinsteigerausbildung anzuschließen und sich zum Pastor weiterzubilden. Dass er allerdings so schnell einen Platz bekommt, hätte er nicht gedacht. Jährlich vergibt die Landeskirche gerade einmal drei Ausbildungsplätze – nicht nur für Diakone – und diese Plätze seien begehrt, alleine dreimal so viele Diakone würden sich bewerben. Auch Hochzeiten und Beerdigungen sind damit Teil seiner Aufgaben, bei letzteren „sind die Menschen dankbar, dass jemand sie in einer schwierigen Situation begleitet und für sie da ist“, wie er findet. „Als Jugendlicher hätte ich mir das nicht vorstellen können.“

Dass er nun in Rotenburg gelandet ist, bewertet Klindworth aus mehreren Gründen positiv. Zum einen ist er in der Region vernetzt, durch Freunde, Bekannte und Verwandte. Es ist kein kompletter Neustart. Zum anderen ist die Gemeinde mit ihren 2 000 Mitgliedern genau der Wirkungsort, den er sich erhofft hatte: „Es ist eine kleine Gemeinde für sich, sie hat aber trotzdem Anbindung an die anderen Hauptamtlichen, zum Austausch. Und das moderne Gemeindehaus lädt dazu ein, mehr Gemeinschaft im Gottesdienst zu teilen.“ Dem macht nur Corona derzeit einen Strich durch die Rechnung, vor allem musikalisch. „Für mich ist es eine Katastrophe, im Gottesdienst nicht singen zu dürfen mit allen“, merkt der leidenschaftliche Klavier- und Gitarrenspieler an, der auch musikalische gerne mal neue Wege gehen möchte.

Dass der Aufgabenzuwachs auch hier in den kommenden Jahren zunehmen wird, daran zweifelt er nicht. „Wir werden in Zukunft weitere Vakanzzeiten auffangen müssen“, prophezeit er. Und nennt direkt ein Beispiel: So geht Diakonin Jutta Koopmann bald in Rente, ihre Stelle wird nicht neu besetzt. Dann muss neu geregelt werden, wie es zum Beispiel mit Seniorenbesuchsdiensten aussieht.

Erstmal möchte er aber nun ein Gefühl für die Menschen bekommen, die hier leben und welches Angebot dazu passt. Dazu hofft er auch auf Anregungen und Ideen aus der Gemeinde, für Vorschläge sei er immer offen, betont er. „Kirche lebt von den Menschen vor Ort, die sich einbringen.“ Er helfe dann beim Gestalten. Auch für die Jugend will er weiter da sein, ihnen „die Möglichkeit geben, ihren Glauben auszudrücken“ und Kontakt zum Matthias-Claudius-Heim in der Nähe ist ihm wichtig. Flächendeckend würde er gerne den Konfirmandenunterricht für Viertklässler ausbauen.

Rückhalt findet er dabei bei seiner Familie, seiner Frau Manuela – die während ihrer Scheeßeler Zeit bei den Rotenburger Werken arbeitete und derzeit in Salzhausen in einer Grundschule in der Ganztagsbetreuung eingesetzt ist – und den Kindern Emilie Marit und Tim Aaron. Die Drei bleiben vorerst in Salzhausen, ziehen aber nach, wenn Klindworth weiß, dass er dauerhaft bleiben kann. Seine Ordination findet am Sonntag statt, aufgrund der Pandemie aber nur in einem kleinen, geladenen Kreis. Dennoch freut er sich auf diesen besonderen Moment, als Assistenten hat er sich Begleiter seines Lebensweges erkoren, darunter Diakonin Sabine Gerken aus Scheeßel. Die Einsegnung wird Regionalbischof Brandy aus Stade übernehmen. Wer Klindworth dennoch schon kennenlernen möchte, hat die Möglichkeit, seine Videoandacht anzusehen, die am Sonntag online gestellt wird, oder dann beim Gottesdienst am nächsten Sonntag vor Ort zu sein. Sein Wunsch für die Zukunft? Mindestens die nächsten 15 Jahre in Rotenburg zu bleiben. Für drei Jahre ist er zunächst beauftragt, mit der Option auf Verlängerung. Es wäre schön, hofft der neue Pastor, „einen Ort zu finden, der auch Heimat ist“.  acb

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