Pastor Frank Hasselberg mimt einen Komparsen in der „Lindenstraße“

Durch das Wohnzimmer von Doktor Dreßler

Kreiszeitung Syke

Schneverdingen - Von Frank Hasselberg · Pastor Frank Hasselberg ist in seiner Heimatgemeinde Schneverdingen natürlich ein bekanntes Gesicht. Doch seine Popularität könnte jetzt ein ungeahntes Ausmaß annehmen: Denn der Schneverdingener ist demnächst in der „Lindenstraße“ zu sehen. Wenn auch nur für ein, zwei Minuten. Für die Kreiszeitung berichtet der Pastor vom Knochenjob als Komparse einer TV-Serie.

Es war ein Geburtstagsgeschenk der besonderen Art: Ich durfte als Komparse in meiner Leib-und-Magen-Sendung „Lindenstraße“ mitspielen. Wer mich kennt, weiß, dass Anrufe sonntags zwischen 18.50 und 19.20 Uhr zwecklos sind. Und nun konnte ich also wirklich an den Ort des Geschehens, sogar mitspielen und einige der Stars hautnah erleben: Olli Klatt, der überraschend wieder auftauchte, Murat, Harry und Hajo Scholz. Und natürlich die bekannte Szenerie – leider alles nur Fassade.

An einem kühlen Tag im März war es soweit. WDR-Studio Köln-Bocklemünd. Um 15 Uhr antreten im Komparsenraum, neben mir waren noch rund zehn weitere Mitspieler da – alles alte Hasen, längst nicht so aufgeregt wie ich. Nach einigen Formalitäten hieß es erst einmal zwei Stunden warten, dann wurden wir aufgerufen. Der Pulk setzte sich Richtung Akropolis – Eingeweihte wissen, das ist das griechische Lokal – in Bewegung. Ich wurde neben vier weiteren Mitspielern auserkoren, im Biergarten Platz zu nehmen. Trotz der kühlen Witterung saßen wir dort sommerlich leicht bekleidet, denn die Folge 1391 wird Ende Juli ausgestrahlt, also im Hochsommer. Was tut man nicht alles für‘s Fernsehen.

Zunächst wurde die Szene mehrfach geprobt. Inhalt: Olli ist wieder mal in Schwierigkeiten, schuldet irgendwelchen Gaunern 5 000 Euro. Die fahren mit quietschenden Reifen vor und schlagen ihn zusammen, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen. Dass ich jedes Mal wieder den Geruch verbrannten Gummis in die Nase kriege, lenkt mich zeitweise von dem Frösteln ab, das mich in meinem T-Shirt überkommt. Murat kommt Olli zu Hilfe, und die Gauner trollen sich. Harry schickt ihnen noch wüste Drohungen hinterher, und Hajo schaut sich alles still und nachdenklich an. Nach den Proben wird gedreht, mindestens fünfmal die ganze Szene, und dann noch unzählige einzelne Einstellungen. Immerhin wird jetzt – alkoholfreies – Weizenbier eingeschenkt, nachdem wir zuvor eine Stunde lang vor leeren Gläsern gesessen haben. Dazu gibt es ein paar Salzbrezeln. Ich finde, angesichts der GEZ-Gebühren hätte man ruhig etwas großzügiger sein können …

Meine Aufgabe ist es, ab und zu einen Schluck zu nehmen, in der Speisekarte zu blättern und so zu tun, als erwartete ich noch jemanden. Und das geschlagene zwei Stunden lang, denn solange dauern die Dreharbeiten. Die Szene dürfte in der Endfassung höchstens zwei Minuten sein. Es wird schon dämmrig und noch kälter als zu Beginn. Ein harter Job. Außerdem habe ich Hunger, aber zum Essen ist keine Zeit.

Um 20 Uhr ist Drehschluss: endlich wieder in den Komparsenraum, Jacke anziehen, aufwärmen. Dann bummle ich noch ein wenig durch die Kulissen, ein Potemkinsches Dorf, die Tür zum Akropolis klemmt, das Obst vor dem Supermarkt ist aus Plastik. Aber das Schild zur Arztpraxis ist korrekt, und die Klingelschilder am Haus Nummer 3 weisen die bekannten Namen aus der Serie auf: Beimer, Flöter, Scholz. Dann noch eine Überraschung: Als Höhepunkt bekomme ich als von weither angereister Fan der Lindenstraße vom Produktionsleiter noch eine Führung durch die Innenräume, die in einer riesigen Halle aufgebaut sind. Da gibt es überraschende Einblicke, und alles wirkt kleiner als im Fernsehen. Man geht von einem Zimmer in das nächste und steht plötzlich in einer anderen Wohnung. So gelangt man durch das Wohnzimmer Doktor Dreßlers in die Küche des Akropolis, durch einen Kleiderschrank in die Arztpraxis und durch den Fahrstuhl in das berühmte Treppenhaus Lindenstraße 3. Sehr verwirrend.

Und so endet ein besonderer Tag. Neben vielen schönen Eindrücken nehme ich eine Original-Speisekarte aus dem Akropolis mit nach Hause und ein Stück Tapete aus der Wohnung von Else Kling. Manchmal ist es gar nicht so schwer, einen Menschen glücklich zu machen. Und bitte dran denken: Sonntags zur Lindenstraßen-Zeit nicht anrufen!

Wie sich Frank Hasselberg in seiner Rolle schlägt, ist am 29. Juli zwischen 18.50 und 19.20 Uhr in der ARD zu sehen.

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