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Amtsgericht: Neue Direktorin setzt aufs Team

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Von: Guido Menker

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Ulrike Niewels (r.) ist neue Direktorin des Rotenburger Amtsgerichts und setzt auf Teamwork. Daher bringt sie Wachtmeister Tim Quast (v.l.), Angela Böschen (Personalrat) und Geschäftsleiter Dirk Mindermann zum Fototermin mit.
Ulrike Niewels (r.) ist neue Direktorin des Rotenburger Amtsgerichts und setzt auf Teamwork. Daher bringt sie Wachtmeister Tim Quast (v.l.), Angela Böschen (Personalrat) und Geschäftsleiter Dirk Mindermann zum Fototermin mit. © Foto: Menker

Ulrike Niewels folgt auf Joachim Kost. Die 52-jährige Juristin ist neue Direktorin am Rotenburger Amtsgericht. Dort ist sie verantwortlich für 58 Beschäftigte. Eine Aufgabe, die sie sehr reizt. Erfahrungen in dieser Position hat sie zuvor schon in Walsrode gesammelt. In der Kreisstadt war sie allerdings schon mal vor vielen Jahren.

Rotenburg – Eigentlich ein Klassiker für einen Lokalreporter: Am Amtsgericht in Rotenburg hat Ulrike Niewels als Direktorin die Nachfolge von Joachim Kost angetreten. Der Termin ist vereinbart, um die Juristin der Öffentlichkeit vorstellen zu können. Und zur Verabredung gehört, dass es natürlich ein Foto für die Geschichte geben soll. Die 52-Jährige begrüßt den Journalisten am Eingang – allerdings in Begleitung von drei Kollegen. Wenn schon ein Foto, dann doch bitte nicht nur ein Porträt. Läuft.

Das Foto bringt vorab schon zum Ausdruck, worauf die neue Chefin im Amtsgericht großen Wert legt: auf die Arbeit im Team. 58 Mitarbeiter sind in dem Haus am Pferdemarkt beschäftigt. Eine große Mannschaft also, mit der Ulrike Niewels bestmöglich kooperieren möchte. Die gebürtige Dortmunderin war bereits seit 2014 Direktorin des Amtsgerichts Walsrode und wechselt aus persönlichen Gründen nach Rotenburg. Sie war am Amtsgericht in der Kreisstadt erstmals 1999 als Jugendrichterin tätig und sprang später als Richterin am Landgericht Verden noch mehrfach zur Unterstützung ein. „Ich freue mich sehr, an meine frühere Wirkungsstätte zurückzukehren“, so Niewels.

Den besonderen Reiz darin, als Direktorin an einem Amtsgericht zu arbeiten, sieht die 52-jährige Juristin, die in Marburg und Göttingen studiert hat, in der Verwaltungsaufgabe. Personalangelegenheiten, grundsätzliche Weichenstellungen und das Bohren dicker Bretter: Das ist der eine Teil ihrer Aufgabe. Als Richterin wird sie darüber hinaus Familien- und Landwirtschaftssachen bearbeiten. Was aber sind die „dicken Bretter“, von denen die neue Chefin am Amtsgericht spricht? „Es ist die gerechte Verteilung der Arbeit – und das unter Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit“, sagt sie. Es gehe um Gerechtigkeit und damit am Ende auch um das Betriebsklima. Daher sei es ihr ebenso wichtig, ein gutes Verhältnis zum Personalrat zu pflegen. Und so ist es dann kein Zufall, dass dessen Leiterin Angela Böschen sich mit zum Foto aufstellt, das vor dem Eingang des Gerichts entsteht.

Auch Dirk Mindermann kommt dazu. Er ist Geschäftsleiter und damit „die eigentliche Stütze am Amtsgericht“, stellt Ulrike Niewels fest. Sie spricht von einem Zusammenspiel mit zentraler Bedeutung. Tim Quast rundet das Foto schließlich ab. Er ist einer von vier Mitarbeitern in der Wachtmeisterei. Damit ist der komplette Personalbogen gespannt. Ein Ausdruck der Wertschätzung – ganz wichtig aus Sicht der Chefin.

Es sei nicht so, dass es für sie Schwierigkeiten in Walsrode gegeben habe, sagt Niewels. Im Gegenteil: „Ich habe dort sehr gerne gearbeitet.“ Mit dem Wechsel an die Wümme jedoch habe sie ihren täglichen Weg zur Arbeit deutlich verkürzen können.

Manchmal wissen wir: Der war’s. Aber dann müssen wir feststellen: Den kriegen wir nicht.

Ulrike Niewels, Direktorin im Rotenburger Amtsgericht

Die ersten Eindrücke seien sehr positiv nach eben dieser Rückkehr: „Wir haben hier ein tolles Team. Die Kollegen sind kompetent und fleißig.“ Und doch sind da auch einige Punkte, die die Direktorin stören. Nicht zuletzt sei dies der Zustand des Gerichtsgebäudes an sich. An vielen Stellen ist zu erkennen, dass es die besten Zeiten schon hinter sich hat. „Die Fenster in den Gerichtssälen müssen eigentlich erneuert werden“, berichtet Niewels. Feuchtigkeit käme durch, die Fensterbänke seien zum Teil schon aufgequollen. Am Ende gehe es auch um Energieeinsparungen. „Ich kann das nur anstoßen und anschieben – umsetzen lassen kann ich es nicht“, sagt die 52-Jährige. Am Ende habe dies das der Oberfinanzdirektion unterstellte Baudezernat zu entscheiden, wann, wo und in welchem Umfang Sanierungen vorgenommen werden. Fenster, aber auch Toilettenräume hat Niewels im Blick. „Ich hoffe einfach, dass wir diese und auch den Saaltrakt erneuern können.“ Zugleich ist sie der Meinung, dass die Räume der Wachtmeisterei mit Blick auf die Arbeitsorganisation ebenfalls eine Auffrischung nötig hätten.

Die Wachtmeisterei sorgt für Sicherheit. Und immer häufiger drückt sich genau das in den strengen Einlasskontrollen aus. „Ja, die sind mehr geworden“, sagt Niewels. Hintergrund sei die zuletzt gestiegene Zahl der vorgeschriebenen Kontrollen. „Damit soll vor allem auch signalisiert werden, dass diese jederzeit möglich sind“, erklärt sie. Es geht also um eine Form der Abschreckung – schließlich fänden sich in den Taschen der Besucher auch schon mal Gegenstände, die im Gerichtsgebäude nichts zu suchen haben. Messer zum Beispiel. Ein Signal also. „Schließlich geht es um das subjektive Sicherheitsgefühl. Ich würde nun nicht sagen, dass die Welt immer schlechter wird, aber diese Entscheidung erfolgt auch zugunsten der Mitarbeiter.“

Natürlich würde sich auch Ulrike Niewels freuen, wenn die Corona-Pandemie schon bald der Geschichte angehören würde. Personelle Ausfälle aufgrund von Infektionen hielten sich zurzeit zwar in Grenzen, und die 3G-Pflicht für die Mitarbeiter sei aufgehoben, aber die Auswirkungen der Pandemie hätten eben auch die Gerichte zu spüren bekommen. Dennoch: „Die jetzigen Regelungen helfen uns, das Publikum zu kanalisieren.“ Termine gibt es nur nach vorheriger Absprache. „Daran würde ich gerne festhalten“, erklärt die Juristin, die allerdings nicht zu betonen vergisst, dass man sich als Dienstleister verstehe. Die Beschränkungen jedoch sorgten im Hinblick auf die eigentliche Arbeit für mehr Effektivität. „Und das funktioniert auch.“ Früher seien die Leute spontan ins Haus gekommen. Das geht zurzeit so nicht mehr. Vorteil der Terminabsprache: „Die Besucher erfahren sofort, welche Unterlagen sie unbedingt mitzubringen haben. Wichtig ist: Die Öffentlichkeit wird gewahrt.“

Ulrike Niewels hat als Richterin inzwischen Erfahrungen aus vielen Jahren. Eine Arbeit, die belastend sein kann, vor allem, wenn es um schwierige, dramatische Fälle geht. „Tür zu und abschalten – das geht so nicht“, sagt sie. Doch es sei wichtig, das Gleichgewicht zu wahren, also nicht alles einfach von sich abperlen zu lassen, es allerdings auch nicht zu sehr in sich hineinzufressen. „Man ist ja auch mal betroffen“, weiß sie. Letztendlich gehe es darum, einen Fall zu bearbeiten – möglichst ohne Emotionen. „Das ist manchmal eine Gratwanderung.“ Das macht den Reiz aus. „Wir sind hier ja mitten im Leben und regeln Lebenssachverhalte.“

Wer Strafprozesse verfolgt, verspürt am Ende nicht selten eine gewisse Spannung. Wie fällt das Urteil aus? Schuldig oder nicht schuldig? „Manchmal wissen wir: Der war’s. Aber dann müssen wir feststellen: Den kriegen wir nicht.“ Auch damit müssen Richter umgehen. „Wir sind ein Rechtsstaat und wollen damit leben“, unterstreicht sie. Es geht um Beweisbarkeit, um die Wahrheit. „Diesen Anspruch gibt man nicht auf, aber manchmal gibt es der Sachverhalt nicht her.“

Nicht immer aber muss es zum Prozess kommen – im Familien- oder im Zivilrecht etwa. Mediation kann eine gute Lösung sein. „Aus meiner Sicht kommt es in zu wenig Fällen dazu, aber natürlich bin ich sehr froh darüber, dass es läuft.“ Die Streithähne sitzen dann an einem Tisch und machen sich mit einem Richter auf die Suche nach einer Lösung für ihr Problem. „Die Freude ist groß, wenn eine dicke Sache auf diesem Weg erledigt wird.“

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