Spritpreise bewegen sich auf Rekordniveau

„Die Schmerzgrenze ist erreicht“

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Autofahrer müssen nach dem Tanken derzeit tief in die Tasche greifen.

Rotenburg - Von Matthias Berger - „Ich bin stocksauer“, „da kommen mir die Tränen“, „die Schmerzgrenze ist erreicht“ – wer Autofahrer in diesen Tagen auf die Spritpreise anspricht, bekommt geballten Unmut zu spüren.

Mit 1,692 Euro im Bundesdurchschnitt erreichte der Liter Super E10 am vergangenen Wochenende ein Rekordhoch. Und Besserung ist nicht in Sicht.

Rolf Wilkens hat die Nase gestrichen voll. „Ich werde aus dem Geschäft aussteigen“, erklärt der Pächter der Score-Tankstelle an der Mühlenstraße. „Die Preisschwankungen sind aus kaufmännischer Sicht nicht mehr nachzuvollziehen.“ Als er die Tankstelle 1999 übernommen habe, sei er noch mit dem Auto zu den Konkurrenten gefahren, um die Benzinpreise zu vergleichen und auf Anordnung seiner Zentrale anzupassen. „Das geschah aber nur zweimal täglich um zwei bis drei Cent pro Liter. Heute wird das Geschäft immer schnelllebiger.“ Durch das Internet habe sich der Vergleichsdruck erhöht, immer häufiger müsse er auf Anpassungen der Konkurrenz reagieren. Die Betreiber der Shell- und Aral-Tankstellen in Rotenburger wollten sich nicht zu dem Thema äußern. Auf Nachfrage hieß es, die Konzernleitung hätte ihnen den Kontakt zur Presse untersagt.

Die Kunden nehmen dagegen kein Blatt vor den Mund. „Wir sind auf unser Auto angewiesen. Meine beiden Töchter müssen jeden Tag 40 Kilometer zur Arbeit fahren. Bei 1,70 Euro ist die absolute Schmerzgrenze erreicht“, sagt Nina Freese. „Wenn ich das in D-Mark umrechne, kommen mir die Tränen.“ Auch Jan Hinners ist aus beruflichen Gründen auf sein Auto angewiesen. „Ich versuche, immer nach dem Wochenende abends zu tanken“, erklärt er. Dann seien die Preise nicht ganz so hoch. Und bei seinem nächsten Auto werde er besonders auf den Verbrauch achten.

Gegen die Preisschwankungen regt sich auch in der Politik Widerstand. Thüringen hat im März eine Bundesratsinitiative eingebracht und will Tankstellenbetreibern verbieten, mehr als einmal täglich die Preise zu erhöhen. Aus Sicht des Bundestagsabgeordneten Reinhard Grindel (CDU) wird das Problem damit jedoch nicht behoben. „Eine solche Regelung führt in meinen Augen nur dazu, dass sich der Ausgangspreis erhöht“, erklärt Grindel. „Wir brauchen verbraucherfreundliche Lösungen. Die Kartellbehörden müssen auf allen Ebenen, auf denen die Preise gebildet werden, noch genauer hinschauen. Wir haben keine echten Wettbewerbsbedingungen, weil die großen Konzerne den freien Tankstellen, die keine eigenen Raffinerien haben, die Preise diktieren.“ An der Mineralöl- und Ökosteuer liege es dagegen nicht, dass das Benzin derzeit so teuer sei, betont Grindel. „Die Steuern sind festgelegt, unabhängig von Preissteigerungen. Nur die Mehrwertsteuer wird prozentual erhoben.“

Bundestagsabgeordneter Lars Klingbeil (SPD) hält die Initiative aus Thüringen für vielversprechend, „wenn die Konzerne gleichzeitig dazu verpflichtet werden, zeitnah die Preise im Internet zu veröffentlichen.“ Dadurch werde der Wettbewerb verschärft und die Transparenz für den Verbraucher erhöht, so Klingbeil. Zu viel Hoffnung sollten sich Autofahrer ihm zufolge jedoch nicht machen. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass Benzin nicht billiger werden wird.“ Stattdessen gelte es, den Verbrauch weiter zu senken und Alternativen zu schaffen. Daher plädiert Klingbeil dafür, in den öffentlichen Nahverkehr und die Erforschung alternativer Antriebsquellen zu investieren. „Da liegt die Zukunft.“

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