Politik will Kitas in Ferien offen lassen – doch es gibt Bedenken

Dialog über Hürden hinweg

Rund ein Drittel der Kinder besucht derzeit die Notbetreuung in den Kitas des Landkreises. Am 22. Juni soll der Regelbetrieb starten, doch es gibt viele Fragen. Auch die, ob Kitas in den Sommerferien geöffnet bleiben könnten, wie politisch gefordert. 
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Rund ein Drittel der Kinder besucht derzeit die Notbetreuung in den Kitas des Landkreises. Am 22. Juni soll der Regelbetrieb starten, doch es gibt viele Fragen. Auch die, ob Kitas in den Sommerferien geöffnet bleiben könnten, wie politisch gefordert. Foto: dpa
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Rotenburg – Eine Betreuung für jedes Kind ab Montag, 22. Juni. Das hat Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Dienstag versprochen. Die Wiedereröffnung der Kitas könne wegen der günstigen Corona-Fallzahlen im Land schneller vonstatten gehen als geplant. Gerade berufstätige Eltern, die in den vergangenen drei Monate Virus-Schließzeit vor großen organisatorischen Problemen standen, dürften aufatmen. Aber schon Ende Juli machen fast alle Kitas im Kreisgebiet wieder für einige Wochen zu: Sommerferien. Die Kreistag-Mehrheitsgruppe drängt nun darauf, Schließzeiten zu begrenzen und die Notbetreuung in den Ferien auszubauen. Auch soll es finanzielle Entlastungen für die Kommunen, die Eltern Gebühren zurückerstatten, geben. Es wird viel gesprochen – Entscheidungen gibt es aber noch nicht. Das wurde am Dienstagnachmittag im Jugendhilfeausschuss des Kreistags deutlich.

Helfen soll eine interfraktionelle Arbeitsgruppe, die bis zur nächsten Kreistagssiztzung am 15. Juli Ergebnisse liefern soll. Darauf haben sich die Kreisparteien schon im Vorfeld der Sitzung am Dienstag verständigt. 115 Kindergärten und 61 Krippen gibt es im Landkreis Rotenburg, 6 048 Kinder wurden dort zum Stichtag am 1. März betreut. Vergangene Woche waren 1 894 Kinder in der Notbetreuung, also jedes Dritte. Doch die Kommunen gehen aktuell noch sehr unterschiedlich mit der Erstattung von Krippenbeiträgen für ausgefallene Betreuungszeiten um. Die meisten Gemeinden haben zwar entsprechende Vorhaben auf den Weg gebracht, doch nicht nur die Höhe der Gebühren untrerscheidet sich stark, sondern auch der Zeitraum der Erstattung. Eike Holsten (CDU) betont deswegen auch: „Die Regelungen sollen nicht zu Verwerfungen zwischen den Kommunen führen.“ Beteilige sich der Landkreis an den Kosten für die Kommunen, müsse es „gleiches Geld für alle“ geben – wie viel dann auch immer.

Holsten, auch als Landespolitiker an den Entscheidungen für die Kitas beteiligt, regte zudem vor dem Hintergrund seiner eigenen Vorstandstätigkeit für den Rotenburger Waldkindergarten an, bei den Trägern der Einrichtungen eine neue Abfrage zu starten, wie groß der Bedarf jetzt bei Eltern an kürzeren Schließzeiten sei. Die städtische Notbetreuung in Rotenburg zum Beispiel, die es seit vielen Jahren gebe, resultiere aus einer Bedarfsermittlung aus dem Frühjahr vor Corona. Die Situation habe sich nun aber natürlich komplett geändert. Parteikollegin Michaela Holsten, die den Antrag der Mehrheitsgruppe aus CDU, WFB und FDP in den Ausschuss eingebracht hatte, betonte, dass es nicht darum gehe, Erziehern Urlaubszeiten zu streichen – wohl aber müsse man überlegen, ob sich der Jahresurlaub des Kita-Personals nicht noch entzerren ließe. „Wir wollen den Eltern signalisieren, dass der Landkreis Probleme berufstätiger Eltern wahrnimmt.“ Viele hätten in der Corona-Pause bereits ihren Jahresurlaub oder Überstunden aufbrauchen oder gar Minusstunden aufbauen müssen.

Die Begeisterung in den Kitas und auch bei den Kommunen für den Vorschlag, Schließzeiten zu kürzen, hält sich bislang in Grenzen. So auch bei Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD). In den acht städtischen Kitas sind 47 feste Fachkräfte in 20 Gruppen täig. Und auch wenn Kultuminister Tonne angekündigt hat, die feste Quote beim Betreuungsschlüssel weiter auszusetzen, sodass nicht examinierte Helfer unterstützen können und weniger Erzieher als üblich notwendig seien, könne man nicht mehr umplanen: „Natürlich könnten berufstätige Eltern durch eine Betreuung während der Sommerferien entlastet werden, nur fehlt uns dazu das Personal, das auch Urlaub machen muss.“ Fachkräfte seien nicht frei auf dem Markt. Und so weiß auch Eike Holsten, dass die Zeit drängt und es bis Mitte Juli viel zu besprechen gibt. „Es ist ein Dialog mit großen organisatorischen Hürden.“

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