Brandenburgs Ex-Innenminister Jörg Schönbohm gestern Abend Gast der Kreis-CDU

Deutsche Einheit – ein unfertiges Geschenk

Jörg Schönbohm (3.v.li.) sprach auf Einladung der Kreis-CDU zum 20. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung. Der Vorstand (v.li.) Anja Bombeck, Reinhard Grindel, Markus Luckhaus, Albert Rathjen und Thorsten Hastedt begrüßte ihn im Foyer des Bürgersaales.

Rotenburg - ROTENBURG (sf) · Die 200 gestellten Stühle im Rotenburger Bürgersaal reichten gestern Abend beim Besuch von Unions-Urgestein Jörg Schönbohn, ehemaliger Senator des Inneren in Berlin und Innenminister in Brandenburg, nicht aus. CDU-Kreisvorsitzender Albert Rathjen zeigte sich überwältigt von der Resonanz auf die Einladung der Kreis-Union, die zum 20. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung einen gleichermaßen bekannten wie von der Teilung persönlich betroffenen Zeitzeugen in Rotenburg zu Gast habe.

Rathjen betonte, es sei gut, dass man heute über Fehler und Chancen der vor 20 Jahren wieder erlangten Einheit reden könne, anstatt „über Reiseerleichterungen und Fünfjahrespläne“. Der CDU-Kreisvorsitzende rief dazu auf, die Einheit „als Geschenk und Chance zu begreifen und bei allen Sorgen und Problemen nicht in Kleinmut zu verharren.“ Zu den vielen erfreulichen Aspekten dieses Jahrestages gehöre, „dass sich Freiheit und Demokratie überall in Europa durchgesetzt haben.“

Mitveranstalter Reinhard Grindel MdB dankte Jörg Schönbohm, dass er trotz vieler Verpflichtungen so kurz vorm Jahrestag die Fahrt von seinem Heimatort Kleinmachnow in Brandenburg nach Rotenburg auf sich genommen habe. Schönbohm habe sich als Generalleutnant der Bundeswehr große Verdienste um die Integration der NVA erworben. Er sei bekannt als Politiker mit Ecken und Kanten, der „unzweifelhaft ein CDU-Profil verkörpert“. Diese „Planstellen“ seien aktuell in der CDU-Führung weitgehend unbesetzt.

Vieles habe sich in den 20 Jahren seit der Wiedervereinigung grundlegend verändert, auch im Bewusstsein der Deutschen in West und Ost, stellte Jörg Schönbohm eingangs fest. Die Folgen der Trennung hätten sich als hartnäckig erwiesen, er habe unterschätzt, wie prägend die Erziehung in dem kommunistischen System gewesen sei.

Es könne durchaus sein, dass der so genannte Aufbau Ost immer noch hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei, doch bei aller Kritik dürfe man nie aus den Augen verlieren, was in den vergangenen 20 Jahren erreicht wurde. Dass die DDR schlichtweg pleite war, dürfe nicht aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt werden. Bedenke man, welches Erbe die DDR nach 40 Jahren sozialistischer Misswirtschaft hinterlassen habe, grenze es an ein Wunder, wie weit man heute bereits gekommen sei. Die Bedingungen für eine weitere positive Entwicklung des Ostens wären gut, um das Wachstum zu verstetigen, müsse man auf neue Technologien setzen, müsse die Hochschul- und Forschungsstandorte fördern, so Schönbohm.

Die Erkenntnis, dass staatliche Einheit nicht automatisch zu innerer Einheit führe, sei den Deutschen nicht erspart geblieben. Der Weg bis zur Vollendung der Einheit sei noch weit. Die Wiedervereinigung dauere an, sie sei ein Prozess, und die Deutschen in Ost und West wären aufgerufen, ihn mit Leben zu erfüllen. Dazu gehöre auch, dass die Deutschen in ihrem wiedervereinten Land lernen müssten, eine nationale Identität auszubilden. Schönbohm merkte kritisch an, dass die Nation vielen spätestens seit den Sechzigern als suspekt galt. Es wurde suggeriert, dass man sich wegen der Verbrechen der Nazis für sein Vaterland gefälligst zu schämen habe ...

Aus den Erfahrungen der Vergangenheit müsse man Lehren für die Zukunft ziehen. Schuldzuweisungen brächten nicht weiter, Sachaufklärung sei geboten. Man dürfe nie vergessen, dass das Geschenk der deutschen Einheit ein unfertiges Geschenk war.

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