Wieste-Schule: Fachausschuss stockt Stunden für die Sozialarbeit auf

„Der Tsunami kommt erst“

+
Die Sozialarbeit an der Wieste-Schule trägt erste Früchte und soll ausgebaut werden. ·

Sottrum - „Seit 1996 hat sich die Zahl verhaltensauffälliger Kinder versechsfacht, und der Tsunami kommt erst noch“, zitierte Astrid Weist, Leiterin der Wieste-Schule, am Donnerstagabend im Schulausschuss einen Psychologen und verlieh ihrem Antrag auf Erhöhung des Zeitkontingents für die Schulsozialarbeit um zwölf Stunden damit Nachdruck.

Unterstützung erhielt Weist von ihren Kollegen aus anderen Schulen. „Die Probleme machen ja nicht vor der Schultür halt“, betonte Gymnasiumsleiter Franz Wenzl. Wer glaube, am Gymnasium herrsche heile Welt, der irre. „Es gibt massive Probleme ab der fünften Klasse im psychologischen Bereich. Das zieht sich bis in die Oberstufe“, unterstrich er. Von gleichen Tendenzen berichtete die Lehrervertreterin Ursula Schmidt, Leiterin Grundschule Am Eichkamp, aus den unteren Jahrgängen.

An der Wieste-Schule sei der Bedarf an Schulsozialarbeit Weist zufolge sehr groß. Von Einzelgesprächen und Hilfe beim Übergang von der Schule in den Beruf über Projektbetreuung und Präventionsarbeit bis hin zu Krisenintervention und Sozialtraining: Das Einsatzgebiet von Sabine Schack und Silvia Heinzelbecker ist vielfältig und zeitintensiv.

Aktuell besuchen 521 Schüler die Haupt- und Realschule – darunter viele Jugendliche in schwierigen Lebenslagen, betonte Weist. Bezüglich der Problemfälle rangiere die Bildungsstätte im oberen Bereich. „Krisenintervention, Einzelfallgespräche und Deeskalation machen 80 Prozent unserer Arbeit aus“, so Schack, die eine befristete halbe Stelle über das Förderprogramm des Landes zur Profilierung der Hauptschule hat.

Weitere elf Stunden leistet Heinzelbecker, finanziert von der Samtgemeinde. Weist: „Mit dem vorhandenen Stundenkontingent im Umfang einer befristeten 0,75-Stelle ist der Stundenrahmen bei einer sehr hohen Zahl von Schülern mit zum Teil erheblicher Problembelastung und einem weitläufigen ländlichen Einzugsbereich der Schule nicht ausreichend, um eine kontinuierliche und konzeptionell durchdachte Schulsozialarbeit leisten zu können.“

Die Problemschwerpunkte lägen hauptsächlich im Bereich der fünften, sechsten und siebten Hauptschulklassen, bei denen eine Gewaltbereitschaft festzustellen sei. Zwar griffen erste Präventionsmaßnahmen, doch gebe es eine Vielzahl von „Baustellen“ mit verhaltensauffälligen Jugendlichen. Dabei gehe es oft um Mobbingfälle und Übergriffe durch andere Jugendliche oder Erwachsene sowie Gewaltbereitschaft und Grenzüberschreitungen gegenüber Mitschülern, aber auch Lehrkräften. Hinzu kämen viel reaktive Arbeit und Einzelberatungen.

Dass die Schulsozialarbeit ein wichtiger Baustein für ein gesundes Schulklima ist, darüber waren sich die Politiker aller Coleur einig. Einzig die Kosten von jährlich 18 000 Euro bereiteten dem Ausschuss arge Bauchschmerzen. Förderprogramme gebe es laut Samtgemeinde-Bürgermeister Markus Luckhaus nicht. Die Samtgemeinde müsste die Aufstockung aus eigener Tasche zahlen – obwohl Schulsozialarbeit aus Sicht des Gremiums Landessache sei.

„Die Schulsozialarbeiter sollen retten, was im Elternhaus schiefgelaufen ist. (...) Das kann die Samtgemeinde sich nicht leisten“, monierte Ulrich Thiart (Grüne). Auch die CDU tat sich mit Blick auf die Haushaltslage schwer mit dem Antrag. „Wir wollen Sie aber nicht im Regen stehen lassen“, so Friederike Paar. Ihre Fraktion schlage eine Erhöhung um vier Stunden vor und das Land in die Pflicht zu nehmen. SPD und Grüne ärgerten sich ebenfalls, dass hier Landesaufgaben abgewälzt würden. „Aber wenn wir es nicht tun, tut es keiner“, erklärte Torsten Lohmann und schlug eine Erhöhung auf 20 Stunden vor.

Das Gremium verständigte sich bei drei Enthaltungen darauf, Heinzelbeckers Stunden zunächst auf ein Jahr befristet auf 20 aufzustocken und das Land aufzufordern, die Kosten komplett zu übernehmen. · sbo

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Neuem Brexit-Deal droht Scheitern im britischen Parlament

Neuem Brexit-Deal droht Scheitern im britischen Parlament

Pence verhandelt mit Erdogan über Waffenruhe in Nordsyrien

Pence verhandelt mit Erdogan über Waffenruhe in Nordsyrien

Cricket und Moschee-Besuch: William und Kate in Lahore

Cricket und Moschee-Besuch: William und Kate in Lahore

Fotostrecke: Gute Laune beim Werder-Training am Donnerstag

Fotostrecke: Gute Laune beim Werder-Training am Donnerstag

Meistgelesene Artikel

Mann mit Klappmesser bedroht: Polizei stellt Täter wenig später

Mann mit Klappmesser bedroht: Polizei stellt Täter wenig später

Schweine-Lkw-Fahrer übersieht Stauende: A1 zwölf Stunden gesperrt

Schweine-Lkw-Fahrer übersieht Stauende: A1 zwölf Stunden gesperrt

Wasser droht in Wohnung zu fließen

Wasser droht in Wohnung zu fließen

Autofahrer gerät mit Joint in der Hand in Polizeikontrolle

Autofahrer gerät mit Joint in der Hand in Polizeikontrolle

Kommentare