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Hier kommt ordentlich was zusammen: Festival-Fäkalien laufen zu einem Großteil in der Scheeßeler Kläranlage auf

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Von: Lars Warnecke

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Scheeßel – Weit entfernt vom Festivalgetümmel, es mögen gute sechs Kilometer sein, bekommt es Markus Großmann trotzdem mit den Besucherscharen zu tun. Beziehungsweise mit deren Hinterlassenschaften – in Form von Fäkalien. Der 35-Jährige arbeitet auf der Kläranlage in Scheeßel. Und auf der herrscht in diesen Tagen so viel Betrieb, wie sonst nicht im Jahr.

Fast stündlich rollen die Lkws vom Scheeßeler Entsorger Behrens & Behrens auf den Hof am Westerwiesenweg, um ihre stinkenden Ladungen vorbeizubringen. Die werden in riesige Lagerbehälter mit einem Fassungsvermögen von bis zu 3 000 Kubikmetern abgepumpt. „Rund 20 Anfahrten am Tag werden es wohl sein – mindestens“, schätzt Großmann, der schon an vielen Hurricane-Wochenenden Dienst geschoben hat – entweder in der Haupt- oder in der Nebenbereitschaft. Heute hat Klärwerksleiter Marcus de Vries den Hut auf. Der ist aber gerade nicht da – ein Störfall in der Kanalisation am Helvesieker Weg ruft. Auch das noch. „Wir sind aber ein eingespieltes Team – einer von uns ist hier immer erreichbar“, betont die Fachkraft für Abwassertechnik.

Um die 1 000 Kubikmeter mehr als sonst werden an diesem Wochenende im Werk erwartet. Dabei ist die Anlage nicht die einzige, die das beim Hurricane anfallende Abwasser aufnimmt. Auch die Ara in Lauenbrück ist involviert, nimmt zu Stoßzeiten einen gewissen Teil an. Ferner gibt es auch noch Speicher in unmittelbarer Nähe zum Eichenring. Aber: „95 Prozent der Mengen landen hier“, weiß Großmann.

Markus Großmann vor einem der großen Speicherbehälter. In solchen werden die Hinterlassenschaften der Festivalbesucher zunächst zwischengelagert.
Markus Großmann vor einem der großen Speicherbehälter. In solchen werden die Hinterlassenschaften der Festivalbesucher zunächst zwischengelagert. © Warnecke

Was ihm aufgefallen ist: „Wenn beim Festival die Bands spielen, herrscht bei uns meistens Ruhe.“ Zusammenhängen würde das damit, dass es beim Programm ja etwas zu gucken gibt, die Besucher den Toilettengang entsprechend vor und nach den Konzerten erledigen. „Zur Mittagszeit und am frühen Abend geben sich die Fahrzeuge hier dann die Klinke in die Hand – da kann es auch schon mal zu Staus kommen.“ Zu späterer Stunde werde es dann schlagartig wieder ruhiger – „und nachts kommen die Lkws nur vereinzelt.“

Es wird gepumpt wie verrückt: Die Mitarbeiter der Entsorgungsfirma Behrens & Behrens haben auf dem Festivalgelände ordentlich zu tun.
Es wird gepumpt wie verrückt: Die Mitarbeiter der Entsorgungsfirma Behrens & Behrens haben auf dem Festivalgelände ordentlich zu tun. © -

Natürlich wird das gesammelte Festival-Abwasser nicht auf einen Schlag im Klärbecken gereinigt – das ließe sich auch gar nicht bewältigen. Stattdessen erfolgt die Zuführung nach und nach über einen Zulaufspeicher. Großmann: „Bis Ende September werden wir mit allem durch sein – je nachdem, wie die Anlage das verkraftet.“

Vom Zulaufspeicher aus erfolgt die Reinigung nach und nach.
Vom Zulaufspeicher aus erfolgt die Reinigung nach und nach. © -

Ob angesichts der besonders hohen Temperaturen am Festivalwochenende auch besonders viel Abwasser anfallen wird? Schließlich dürften die 78.000 Besucher wohl doch auch mehr bei der Affenhitze trinken. Der 35-Jährige lacht: „Wer mehr trinkt, muss auch öfter auf die Toilette – das wäre die logische Schlussfolgerung. Ich glaube aber nicht, dass sich das so bemerkbar machen wird.“ Eine Erklärung dafür hat Großmann auch: „Die Leute schwitzen ja auch viel wieder aus.“

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