„Edeka in Visselhövede wäre das Aus für den Combi“

Bünting-Gruppe nimmt Stellung zu den Plänen eines Investors, in Visselhövede einen Edeka-Markt in der Innenstadt anzusiedeln.
Visselhövede – Die Pläne des Investors Friedhelm Klindworth, einen Edeka-Markt im Bereich zwischen Worth-, Wiesen- und Goethestraße zu bauen, werden in Visselhövede rauf und runter diskutiert. Zusätzlich will auch der Aldi erweitern, der Netto will auf seinem Grundstück komplett neu bauen und auch der Combi plant einen großzügigen Anbau. Der Vollsortimenter der ostfriesischen Bünting-Gruppe wäre von einer Edeka-Ansiedlung besonders betroffen. Darum nimmt Pressereferent Johannes Booken im Interview Stellung.
Ihre Einschätzung: Ist Visselhövede zu klein für zwei Vollsortimenter?
Eine mögliche Ansiedlung eines neuen Edeka-Marktes in Visselhövede sehen wir für uns als existenzbedrohend an. Nach unserer Einschätzung ist das vorhandene Umsatzpotenzial nur für einen Verbrauchermarkt ausreichend, sodass eine Neuansiedlung von Edeka mittelfristig das Aus für Combi und den Verlust der zugehörigen Arbeitsplätze bedeuten würde.
Das bedeutet Leerstand?
Im Ortszentrum von Visselhövede würde dann ein größerer Leerstand entstehen, der aus unserer Sicht nur sehr schwer wieder in eine Neuvermietung gebracht werden kann.
Was unternimmt die Bünting-Gruppe aktuell?
Wir lassen den Sachverhalt zurzeit durch einen externen Gutachter prüfen und werden die Ergebnisse nach ihrem Vorliegen der Visselhöveder Politik und der Verwaltung zur Verfügung stellen. Aus unserer Sicht verstößt die Edeka-Ansiedlung zudem gegen die Regelungen des Landesraumordnungsprogramms zur Steuerung von Einzelhandelsgroßprojekten, da das Beeinträchtigungsverbot nicht eingehalten werden kann.
Brief an die Politiker
Die Visselhöveder Gruppe „Vissel for future“ (Vff) hat einen Brief an die Politiker geschrieben, in dem sie die Ansiedlung eines weiteren Vollsortimenters unter anderem aus ökologischen Gründen ablehnt. Zwar sei es gut, wenn in Immobilien investiert werde, aber „ein sehr großer Teil des Energiebedarfs eines Gebäudes wird bereits beim Bau verwendet. Insbesondere die Zementindustrie ist einer der großen Klimakiller“. Vff glaubt, dass ein tief greifender Konsumwandel bevorsteht. Denn die Konsumgewohnheiten seien mit einer zu hohen Klimabelastung verbunden. „Wir konsumieren oft Dinge, die wir gar nicht wirklich brauchen.“ Visselhövede habe bereits ein hohes Versorgungsangebot, das sich durch einen weiteren Vollsortimenter nur wenig qualitativ ändern werde. Die Stadt brauche keinen weiteren konventionellen Supermarkt, sondern sollte Energie, Mittel und Kreativität einsetzen für mehr regionale und ökologische Produkte der hiesigen Erzeugerbetriebe, für bezahlbaren Wohnraum, für mehr Dienstleistungsangebote, für die Sicherung der Gesundheitsversorgung und für Initiativen und Kleinunternehmen.
Inwiefern?
Danach dürfen großflächige Einzelhandelsprojekte weder benachbarte zentrale Orte noch die zentralörtliche Versorgungsfunktion der integrierten Bereiche der Standortgemeinde wesentlich beeinträchtigen. In der Praxis wird eine Beeinträchtigung häufig ab einer Schwelle von zehn Prozent an Umsatzverteilungen bei zentrenrelevanten Sortimenten angenommen. Bei einer Realisierung des Edeka-Vorhabens wird die Umsatzumverteilung deutlich höher ausfallen und der Combi-Markt wäre in seiner Existenz gefährdet.
Sind Ihre Erweiterungspläne als Reaktion auf die Edeka-Idee in der Nachbarschaft zu verstehen?
Unsere Erweiterungspläne resultieren in erster Linie aus unseren eigenen Überlegungen für eine optimale und zeitgemäße Ausrichtung unseres Combi-Marktes in Visselhövede.
Wie viel Fläche ist zusätzlich geplant?
Wir streben eine Erweiterung um etwa 555 auf zukünftig 2 450 Quadratmeter Verkaufsfläche an.
Wofür die Erweiterung?
Im Zuge der geplanten Maßnahme werden unsere Kundinnen und Kunden einen komplett neu gestalteten Combi-Markt erhalten, der sich durch zahlreiche Veränderungen auszeichnet. Darunter finden sich ein tieferes und breiteres Sortiment mit weiteren regionalen Lieferanten, eine modernisierte Bedienabteilung für Fleisch Wurst und Käse, eine neue Außengestaltung mit einer modernen Fassade in Richtung des Parkplatzes, innovative Bezahlungskonzepte durch Selfscanning-Kassen beziehungsweise Scan-and-go-Technologie sowie die Installation von E-Ladestationen und einer E-Bike-Ladestation auf dem Parkplatz.
Apropos Parkplatz: Reichen die Stellplätze nach einem möglichen Umbau dennoch aus?
Gemäß der bestehenden Baugenehmigung sind für die vorhandenen Nutzungen insgesamt 102 Parkplätze notwendig. Vorhanden sind 125 Parkplätze, dies entspricht einem Überschuss von 23 Stellflächen. Hieraus ergibt sich rechnerisch eine mögliche zusätzliche Verkaufsfläche von 460 Quadratmeter ohne Schaffung zusätzlicher Parkplätze. Die zusätzlich benötigten vier Plätze möchten wir durch die Realisierung eines Mobilitätskonzeptes kompensieren.
Das bedeutet?
Die Einrichtung einer Haltestelle für den Bürgerbus, die · Errichtung eines separaten Stellplatzes für Car-Sharing-Angebote, die Schaffung eines Angebots zum Verleih von Lastenfahrrädern und die Erweiterung der Abstellmöglichkeiten für Fahrräder.



