Telefonseelsorge Elbe-Weser registrierte im Jahr 2011 insgesamt 18 400 Nachfragen

Chatdienst öffnet Weg zur Jugend

Bernd Schaefer-Rolffs, Theologe und Pastoralpsychologe, einer der Mentoren der Telefonseelsorge Elbe-Weser. ·

Kreis Rotenburg - Neue Wege, um auch jüngeren Menschen in existenzieller oder seelischer Not Hilfe anbieten zu können, geht der Sprengel Stade in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche. Die Telefon-Seelsorge Elbe-Weser hat als zweite in Deutschland einen Chat-Dienst eingerichtet. Bernd Schaefer-Rolffs, Theologe und Pastoralpsychologe aus Rotenburg, ist einer der Mentoren der Telefonseelsorge. Er berichtet im Gespräch mit der RK/VN-Redaktion über seine Erfahrungen mit dem Dienst, den Ehrenamtler rund um die Uhr anbieten.

Seit mehr als 20 Jahren bieten die elf Kirchenkreise im Sprengel Stade die Telefonseelsorge an. Der Anruf unter 0800/1110111 ist kostenlos. Geschulte, geduldige und verständnisvolle ehrenamtliche Gesprächspartner/innen nehmen rund um die Uhr die Anrufe entgegen, versuchen, „per Draht“ menschliches Leid, alltägliche Sorgen zu glätten und dramatische Situationen mit oft hilflosen Anrufenden doch noch in den Griff zu bekommen. Die Verwaltungszentrale sitzt in Bad Bederkesa. Einer der sechs Mentoren, inzwischen 23 Jahre dabei, ist der Rotenburger Theologe und Pastoralpsychologe Bernd Schaefer-Rolffs (70). Er erzählt von den hohen Ansprüchen, denen die Ehrenamtlichen in ihrer zweijährigen Ausbildung gerecht werden müssen.

Bernd Schaefer-Rolffs berichtet, dass die Existenz der Telefonseelsorge Elbe-Weser im vergangenen Jahr auf Messers Schneide stand. Die finanziell gebeutelte Landeskirche glaubte, sich wegen der hohen Fahrtkosten im ländlichen Raum diese Einrichtung nicht mehr leisten zu können. Allerdings konnte die kirchliche Verwaltung in der Landeshauptstadt von der Leistungsfähigkeit und von der Notwendigkeit der Telefonseelsorge Elbe-Weser überzeugt werden.

Hinzu kam, dass die Telefonseelsorge Elbe-Weser als zweite in Deutschland einen eigenen Chat-Dienst – http://www.telefonseelsorge.de – eingerichtet hatte. Hier könne, betont Schaefer-Rolffs mehrfach, der Weg zur Jugend gefunden werden. 41 Prozent der Anrufer im Chat seien unter 30 Jahre alt. Der pensionierte Pastor: „Durch die Chat-Seelsorge erreicht die Telefonseelsorge einen weiteren Bereich ganz junger Menschen vor allem die, die sich über Telefon nicht melden würden. Die Zahl der bei der Telefonseelsorge Elbe-Weser ausgebildeten Ehrenamtlichen für den Chat-Dienst ist im vergangenen Jahr von acht auf 20 Mitarbeiter gestiegen.“

Im Jahr 2011 habe sich die Zahl der Chat-Gespräche gegenüber dem Vorjahr verdoppelt, so Schaefer-Rolffs. Der Bedarf wachse monatlich. „Wir akzeptieren den Weg, den Menschen wählen, um Hilfe zu suchen oder mit jemandem zu kommunizieren. Natürlich kann es auch im Chat oder am Telefon darum gehen, Hilfesuchenden den Weg zu einer Beratungsstelle oder zu einem Psychotherapeuten zu ebnen“, betont der Rotenburger. Telefon und der Chat-Dienst, so der Theologe, würden beide nebeneinander Bestand haben. Die Zahl der Anrufe, so Bernd Schaefer-Rolffs, habe steigende Tendenz; im vergangenen Jahr registrierte man 18 400 Nachfragen. Die sogenannten Scherzanrufe, mit denen gelangweilte Zeitgenossen die Leitungen blockierten, ließen sich nach Schaefer-Rolffs’ Meinung auch in Zukunft nicht ausschließen.

Da Bad Bederkesa für den großen Bereich Elbe-Weser-Dreieck (Sprengel Stade) zuständig ist wurde inzwischen, um die Fahrtkosten zu senken, in Stade ein zweiter Stützpunkt eingerichtet.

Bei der Ausbildung, Weiterbildung und auch bei der unterstützenden Supervision werde bei den rund 85 Ehrenamtlichen auf Qualität geachtet. „Das, was sie tun, ist von großer Verantwortung geprägt, hier geht es um Menschen“, sagt Schaefer-Rolffs. „Erwartet wird von den Ehrenamtlichen: Zuverlässigkeit, Geduld, eine gewisse Belastungsfähigkeit, die Fähigkeit, sich selber kritisch wahrzunehmen, sich in die Situation anderer Menschen hineinzufühlen.“ Grundsätzlich gelte für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Verschwiegenheit und Anonymität. Bei geplanten Straftaten gebe es allerdings die Schwelle, wo Eingreifen notwendig sein könne. Allein, so Schaeffer-Rolffs, würden der Mitarbeiter allerdings niemals gelassen: Bei schwierigen Entscheidungen habe er immer die Pflicht, sich mit der Leiterin oder dem Leiter der Telefonseelsorge in Verbindung zu setzen.

Das sind glücklicherweise Ausnahmen, die Regel der Anrufe verlangten von der Mitarbeiterin, dem Mitarbeiter: Zuhören, Verständnis für die Anliegen entwickeln, gegebenenfalls nach Lösungen mit dem Anrufer suchen, eventuell trösten, ihn beruhigen.

Die Telefonseelsorge, betont der Rotenburger Theologe, sei ein wichtiges Standbein der Kirche, ein erfolgreiches Modell der Begleitung von Menschen durch Ehrenamtliche mit einem persönlichen Gewinn für sie selbst.

Wer als Ehrenamtliche/r bei der Telefonseelsorge mitarbeiten möchte, findet unter Tel. 04745/6029 einen Ansprechpartner. · bn

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