Schüler des Ratsgymnasiums lernen Gefahren des Alkoholmissbrauchs kennen

Die Brille der Erkenntnis

Gar nicht so einfach, den Ball an die Mitschüler weiterzugeben. ·
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Gar nicht so einfach, den Ball an die Mitschüler weiterzugeben.

Rotenburg - Von Jessica Tisemann. „Folge dem roten Weg, schnapp Dir den blauen Ball von dem schwarz-gelben Hüttchen und leg ihn in die Hand deines Mitschülers.“ Klingt doch eigentlich ganz einfach.

Wäre es auch, gebe es da nicht diese Brille auf der Nase, die ein wenig an eine große Taucherbrille erinnert. Diese soll nämlich zeigen, wie wir uns bewegen und unsere Umgebung mit 1,3 Promille Alkohol im Körper wahrnehmen.

Die Schüler des Ratsgymnasiums in Rotenburg konnten gestern einiges lernen über den verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol und Tabak. „Hier geht keiner, der vorher täglich geraucht hat, als Nichtraucher heraus“, sagt Peter Frech, Projektleiter von „Klarsicht“, „aber darum geht es auch gar nicht.“ Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und damit verbunden auch das Projekt „Klarsicht“, möchte Präventionsarbeit leisten und Kindern und Jugendlichen aufzeigen, wie gefährlich legale Drogen – Alkohol und Tabak – wirklich sind.

In der Aula des Gymnasiums klären Mitglieder des Projektes „Klarsicht“ neben Polizei, Suchtberatung und Streetworker, die Schüler über den Konsum von Alkohol und Tabak auf. An verschiedenen Stationen erfahren die Jugendlichen zum Beispiel, wie viel Geld im Jahr für Zigaretten draufgeht und wie viel Gramm Alkohol in einem Schnapsglas stecken. Die Fachleute versuchen, den Schülern die Problematik spielerisch nahe zu bringen. Lehrer sind bei dem Parcours erst einmal nicht dabei. „Die Kinder wären nie so offen, wenn die Lehrer mit dabei wären. Und das Projekt lebt von dieser Offenheit“, erzählt Frech.

Am besten kam bei den Schülern die Station „Drunkbuster“ an, bei der die Schüler mit besagten Brillen einen Parcours entlanglaufen oder dem Gegenüber die Hand reichen und Abklatschen müssen. Die Versuche sorgten für einiges Gelächter bei den Mitschülern. Aber der Selbstversuch zeigt, mit der Brille auf der Nase ist es echt nicht so einfach. Schon das Geradeausgehen sorgt für Schwierigkeiten. Dann auch noch irgendeinen Gegenstand aufheben und jemandem die Hand geben – kein Wunder, dass da einige hoffnungslos daneben griffen.

Auch die Gefahren des Rauchens werden den Kindern näher gebracht. „Viele der Kinder fangen bereits mit 13, 14 Jahren an zu rauchen“, erklärt Frech. Aktuell würden 11,7 Prozent der Jungen und Mädchen zwischen zwölf und 17 Jahren rauchen. Auch das sogenannte „Koma-Saufen“ sei bei den Jugendlichen immer beliebter, berichtet Frech weiter und Dr. Torsten Nekarda vom Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg ergänzt: „Etwa 40 Jugendliche hatten wir im letzten Jahr mit einer Alkoholvergiftung im Klinikum.“ Die behandelnden Ärzte informieren die Eltern nach einem solchen Vorfall auch über mögliche Beratungsstellen. „Im Idealfall treffe ich Montag früh im Klinikum ein und kann mit den Jugendlichen reden, dann sind sie selber noch geschockt über das, was ihnen passiert ist und sind aufnahmefähiger“, erklärt Katrin Bleichwehl von der Suchtberatung. „Allerdings nutzen nur sehr wenige Eltern die Suchtberatungsstelle, weil sie sich dem Problem verweigern“, ergänzt Dr. Nekarda.

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