Workshop mit Komponist de Haan zum Geburtstag der Bremervörder Stadtkapelle

137 Musiker, 10000 Seiten Noten und ein toter Hund

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Entspannt und mit großer Präsenz leitete der Holländer Jacob de Haan das 130-köpfige Workshoporchester.

Bremervörde - Von Ulla Heyne. Bremervörder Stadthalle, Samstagvormittag: Wo sonst Ratssitzungen abgehalten werden, herrscht an diesem Morgen geschäftiges Treiben: Denn ein Workshop mit dem Komponisten Jacob de Haan steht an.

Instrumente werden geschleppt, Namensaufkleber verteilt, viele Musiker begrüßen sich wie bei einem Klassentreffen. Andere kauern still auf ihrem Sitz, skeptisch ob der acht Stücke, die heute nach wenigen Tagen Vorbereitungszeit aufgelegt werden sollen. „Das ist schon ambitioniert, das ist alles nicht ohne!“, meint Wibke Gundelsweiler. Das Vorstandsmitglied der Hemslinger Blaskapelle ist mit fünf Kollegen angereist, auch aus Bothel, Rotenburg oder sogar Oldenburg und Hannover sind Musiker dabei. Organisatorin Nina Baucke lässt ihren Blick über 137 Notenpulte und ebenso viele Sitze schweifen und schüttelt den Kopf: „Was für ein Aufriss!“, meint die Trompeterin mit einer Mischung aus Zufriedenheit und Erschöpfung. Seit Freitagnachmittag haben die 70 Musiker der Bremervörder Stadtkapelle für sich und die mehr als 60 Gäste Stühle aufgestellt, Notenwartin Katrin Henning hat zuvor mehr als 10000 Seiten kopiert. Und das alles für einen Gast, dessen Namen wohl fast jeder Bläser kennt.

Sich den Komponisten Jacob de Haan quasi als „Geschenk“ zum 25-jährigen Jubiläum ins Haus zu holen, war die Idee des Dirigenten Mirco Benthien: „Wir haben so viel von ihm gespielt – da war er unser absoluter Wunschkandidat!“ Auch Mitstreiter Gerd Henning ist gespannt: „Mal sehen, wie er uns Hobbymusiker an die schwierigen Stellen heranführt!“

Bereits nach dem ersten durchgespielten Stück, für viele vom Blatt, steht fest: Das Niveau ist hoch. Die folgenden acht Stunden wird am Detail gefeilt, Phrasierungen erarbeitet, Klangfarben geschraubt – und nebenbei erfahren die Musiker viel über Vorlieben des Erfolgskomponisten („Ich liebe Wagner, bei dem haben sich viele Soundtrack-Komponisten etwas abgeguckt!) oder die Entstehung der Stücke. So sei der düstere Anfang des Stücks „Oregon“ dem Tod seines Hundes geschuldet: „Da habe ich, um mich zu trösten, am Klavier improvisiert und es kam eine Art Trauermarsch heraus. Das wurde das Intro!“ Moll müsse beileibe nicht immer traurig sein, auch wenn er eine Vorliebe dafür habe: „Ich schreibe in Moll und lebe in Dur!“

Nach der Mittagspause zeigte de Haan nach der romantischen Seite seine funkig-rockige. Als er sich mit seinem Pseudonym „Ich bin auch Dizzy Stratford“ vorstellt, wundert das nur wenige, begeistert jedoch die meisten, wie der gesamte Workshop.

„Ich habe so oft Stücke von de Haan gespielt, in den unterschiedlichsten Interpretationen unterschiedlicher Dirigenten – aber zu erfahren, wie es wirklich gemeint war, ist schon toll“, meint eine andere Workshopteilnehmerin.

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