Muss sich Unfallverursacherin vor Gericht verantworten?

Nach dem Eisdielen-Unfall: Anklage gegen Gaffer steht

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Das ehemalige „Pinocchio“ an der Neuen Straße in Bremervörde – drei Monate nach dem Unfall.

Bremervörde - Von Rainer Klöfkorn. Die juristische Aufarbeitung des sogenannten Eisdielen-Unfalls in Bremervörde am 5. Juli 2015 lässt weiter auf sich warten. Während noch unklar ist, ob sich die damals 59-jährige Verursacherin vor Gericht zu verantworten hat, scheint es zu einem Prozess gegen drei Bremervörder zu kommen. Sie hatten sich während der Rettungsarbeiten unter anderem eine handfeste Rangelei mit Polizeibeamten geliefert.

Bei dem Unfall waren ein zweijähriges Kind aus Bevern und ein 65-jähriger Bremervörder ums Leben gekommen. Sie wurden von dem Mercedes Kombi der 59-jährigen Bremervörderin erfasst, die geradeaus von der Ludwigstraße kommend über die Neue Straße in das Eiscafé „Pinocchio“ gerast war.

Wie es dazu kommen konnte, dass die Autofahrerin ohne zu bremsen ihren Wagen in das Verkaufsfenster lenkte, ist weiterhin unklar. Die Unfallverursacherin hatte sich zunächst nicht geäußert. Ab März sei sie dann zumindest bereit gewesen, an der Aufarbeitung der Geschehnisse mitzuwirken, so Oberstaatsanwalt Kai Thomas Breas von der Stader Staatsanwaltschaft. Derzeit würden weitere Gutachten erstellt, mit denen versucht werden soll, die Ursache für das Verhalten der damals 59-Jährigen herauszufinden.

Am 15. März dieses Jahres hat die Staatsanwaltschaft Stade zudem die Anklageschrift gegen drei Bremervörder im Zusammenhang mit den Ereignissen vor dem Eiscafé verfasst. Ein 19-jähriger Bremervörder sowie zwei weitere Männer, ebenfalls aus Bremervörde, im Alter von 26 und 34 Jahren hatten die Rettungsarbeiten fotografiert. Als sie von Polizisten aufgefordert wurden, das zu unterlassen, setzten sich das Trio nicht nur verbal zur Wehr. Es kam auch zu einer handfesten Rangelei, dabei wurden zwei Ordnungshüter verletzt.

Der Vorfall erregte überregionale Aufmerksamkeit. Die niedersächsische SPD/Grünen-Regierung kündigte an, einen Gesetzentwurf in den Bundesrat einzubringen, der eine Änderung des Strafgesetzbuchs für eine effektive Bekämpfung von Gaffern sowie die Verbesserung des Schutzes des Persönlichkeitsrechts von Verstorbenen zum Gegenstand hat.

Unabhängig davon ermittelte die Stader Staatsanwalt gegen die drei Bremervörder und legte Mitte März eine Anklage beim Amtsgericht der Ostestadt vor.

Laut dem Oberstaatsanwalt habe sich das Trio gleich mehrere Male strafbar gemacht. Der Vorwurf reicht von gefährlicher Körperverletzung über Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Sachbeschädigung, Bedrohung bis hin zu Beleidigung und Erpressung. Wann der Prozess im Bremervörder Amtsgericht beginnt, steht noch nicht fest, hieß es. Verhandelt wird gegen alle drei Männer vor der Jugendkammer, weil einer der Angeklagten noch als Heranwachsender gelte. Eventuell jedoch, so die Auskunft gestern durch das Amtsgericht, müsse auch noch nachermittelt werden. Hinzu komme, dass die Prozesstage mit der „terminlich stark eingebundenen Verteidigung“ abgeklärt werden müssten. 

bz

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