INTERVIEW Schüler Lukas Hinz über die Jugend und Covid-19

„Jugendliche leiden mehr“

Das Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, ist hoch für Lukas Hinz. Denn der 17 Jahre alte Schüler ist viel unterwegs. Foto: Poppe

Rotenburg/Bremervörde - Von Ralf G. Poppe. Lukas Hinz ist seit Kurzem 17 Jahre alt, dennoch mit seinem Engagement weit verzweigt im Landkreis, sowie in Metropolen wie Hamburg und Berlin unterwegs. Wer derartig viel reist, für den steigt in diesen Zeiten natürlich auch das Risiko, an Covid-19 zu erkranken. Wie er in einer positiven Denkweise mit der Krankheit umgeht, und was ihn sonst noch so antreibt, erzählte der sich selbst als Medienmensch bezeichnende Schüler aus Bremervörder im Gespräch.

Herr Hinz, seit März 2020 sind Sie Mitglied der SPD beziehungsweise der Jusos. Zudem sind Sie mit mehreren Rotenburger Kreistagsabgeordneten befreundet und auch bei „Fridays for Future“ aktiv. Wie sehen Sie die Jugendbeteiligung in der Politik, auch gerade in Zeiten von Covid-19?

Corona bringt die Jugendbeteiligung immer mehr voran! Durch Bewegungen wie „#schulboykotDE“ zeigen die Jugendlichen immer mehr ihr politisches Interesse, was natürlich auch hier im Kreis nicht unentdeckt bleibt. Laut meinen Informationen haben sich einige Schüler der Bewegung angeschlossen und fordern aktiv die Aussetzung der Abschlussprüfungen, die erforderlich sind, um das Abitur, den Realschulabschluss oder den Hauptschulabschluss zu erhalten.

Kürzlich haben Sie ihre erste kurze Rede im Rotenburger Kreistag gehalten.

Genau, im Rahmen der Bürgersprechstunde. Und das auch noch zu meinen Lieblingsthemen, Verkehr und Jugendbeteiligung. Ich bin froh, dass mein Standpunkt zur Jugendbeteiligung von allen Anwesenden ähnlich betrachtet wurde. Nun hoffe ich, dass die Parteien, die im Kreistag sind, das Bestmögliche daraus machen. Leider ist mein Punkt zum Schülerticket meiner Meinung nach nicht richtig behandelt worden. Allerdings werde ich auch an diesem Punkt festhalten und weiterhin dafür kämpfen.

Sie beschäftigen sich viel mit Politik, Musik, Verkehr und Journalismus…

…und dass auch schon länger! Alles fing an mit einem Zukunftstag in der Medienagentur eines befreundeten Mediengestalters in Bremervörde, bei dem ich im vergangenen Jahr ein Praktikum gemacht habe. Damals noch mit wenig Lust, doch nun bin ich voll dabei. Ich denke, dass der Zukunftstag und das Praktikum, gepaart mit den Jugendpolitiktagen 2019 in Berlin, die ich besucht habe, sowie dem damit entstandenen Interesse an der Jugendpresse Deutschland dazu geführt hat, dass ich in den mediengestaltenden oder journalistischen Bereich gehen möchte. Es ist sehr erleichternd, die Fahrpläne der EVB auswendig zu können, und in den „Öffis“ dann auch noch im Internet zu surfen, während ich meine Artikel für das Portal Jungreporter.de schreibe.

Haben Sie selbst oder Freunde von Ihnen Erfahrungen mit dem Corona-Virus gemacht?

Tatsächlich war ich im Februar, zwei Wochen nach einem kurzen Aufenthalt in Bielefeld, ziemlich krank und hatte Atembeschwerden. Ein erster Test auf einen bakteriellen Infekt, den mein Hausarzt durchgeführt hat, war negativ. Als vier Wochen später ähnliche Symptome bei mir und Freunden aus Hamburg, mit denen ich Kontakt hatte, aufgetreten sind, sind wir lieber zu Hause geblieben. Einer von ihnen wurde kurz danach positiv auf das Virus getestet. Ob es bei mir und meinen anderen Freunden wirklich SARS-CoV-2 war, möchte ich nicht mutmaßen.

Welche Symptome sind denn bei Ihnen und Ihren Freunden aufgetreten?

Ich hatte zuerst ein leichtes Druckgefühl auf der Brust, und das Treppensteigen war schon nach kurzer Zeit sehr anstrengend, was normalerweise nicht so ist. Der Körper war erschöpft, man hatte Kopfschmerzen und man „bellte“ Tag und Nacht eigentlich ununterbrochen. Das war dann ebenfalls bei meinen Freunden so.

Hat Ihre positive Denkweise geholfen, schneller gesund zu werden?

Ich denke schon, dass positive Denkweisen den Genesungsprozess positiv fördern, und auch meine Genesung merklich vorangebracht haben. Das dazu dann noch Facetime-Videoanrufe mit Freunden, Mitschülern und Kollegen kamen, war, denke ich, für dem Heilungsprozess hilfreich.

Wie empfinden Sie das Lernen in diesen Zeiten? Was halten Sie von Homeschooling und Präsenzun-terricht?

Das Lernen verändert sich natürlich grundlegend. Plattformen wie „IServ“ oder Microsoft Teams sind für viele Schulen nun nicht mehr „nice to have“, sondern existenziell. Zum Lernen zu Hause braucht es allerdings mehr als nur Software. Viele meiner Mitschüler haben nur ihr Handy, um die Inhalte, die online zur Verfügung gestellt werden, herunterzuladen und zu bearbeiten. Was meiner Meinung nach nicht mehr so sein darf. Hier hätte man bereits früher finanzielle Unterstützungen vonseiten der Politik bereitstellen müssen, um allen Schülern ein digitales Lernen, zum Beispiel über Tablets, erleichtern zu können. Natürlich ist das nicht so schnell möglich, aber ich frage mich immer, was meine Klassenkameradin machen würde, die bis vor einem Jahr noch ein Samsung „Galaxy S2+“ benutzt hat, wenn sie die Aufgaben nicht herunterladen kann, weil ihr Handy dafür zu alt ist. Sie würde wahrscheinlich einfach das Lernen aufgeben, so wie die meisten Schüler, die ebenfalls dieses Problem haben. Mit entsprechenden technischen Lösungen könnte man dieses Problem umgehen und so ein störungsfreies Lernen ermöglichen.

Sind Sie der Meinung, dass das Coronavirus die Digitalisierung vorantreibt?

Ganz klares Ja. Meine Schule war noch nie so modern aufgestellt wie seit der Corona-Pandemie. Auf einmal bieten sich vollkommen neue Wege, auf einmal hat meine Schule „IServ“, und die Lehrer organisieren ihren Unterricht überwiegend mit neuen Medien, was vor der Pandemie nicht gewollt war. Allerdings werden auch immer mehr regionale Geschäfte digital. Da überlegt man es sich doch dreimal, ob man nun lieber regional kauft oder bei großen Internetriesen, die die Ware dafür halb um die Welt verfrachten.

Was macht das Coronavirus aus und mit den Jugendlichen?

Natürlich schränkt die Covid-19-Pandemie uns alle mehr ein als gewollt, aber ich bin mir sicher, dass Jugendliche mehr leiden als Menschen, die im Homeoffice arbeiten müssen. Gerade als Schüler ist man viel mehr sozialen Interaktionen ausgesetzt als jemand, der lediglich in seinem Büro sitzt und in seinen PC eintippt, was gerade gemacht werden muss. Diese sozialen Interaktionen, die man in der Schule erlebt, sind zu Hause natürlich nicht gegeben. Viele meiner Klassenkameraden haben sich wahnsinnig gefreut, als es hieß, dass die Schule wieder losgeht – auch wenn man Abstandsregeln einhalten muss. Allerdings verstehe ich auch die Menschen, die sich weiterhin freuen dürfen, von zuhause, im Pyjama, arbeiten zu dürfen. Trotzdem gilt mein voller Respekt denen, die den Laden, trotz Corona, am Laufen halten.

ZUR PERSON

Der 17-jährige Bremervörder Schüler Lukas Hinz arbeitet derzeit an seinem Realschulabschluss. Nebenher pendelt er viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zum Beispiel zu Schulungen für die mobile Medienakademie des Vereins Jugendpresse Deutschland. Hinz verfasst journalistische Artikel für „Der Jungreporter“ und „politikorange“. Im Verein „Junge Presse Hamburg“ ist er ebenso Mitglied wie bei der SPD. Obendrein engagiert sich Hinz in der christlichen Gemeinde Brillit. Während der Pandemie hilft er vor allem bei der Tafel in Bremervörde aus. Weiterhin bietet er mit den Jusos und der „Fridays for Future“-Ortsgruppe Bremervörde eine Einkaufs-Nachbarschaftshilfe an.

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