„Eisenbahn statt Autobahn“ begrüßt Planungen für mehr Güter auf den Gleisen

„Für die Region ein Segen“

In Bremerhaven werden jedes Jahr Tausende von Containern umgeschlagen. Die Züge müssen sich durch das Bremer Nadelöhr quälen.
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In Bremerhaven werden jedes Jahr Tausende von Containern umgeschlagen. Die Züge müssen sich durch das Bremer Nadelöhr quälen.

Bremervörde - Von Thomas Schmidt. Niedersachsen und Bremen wollen verstärkt die EVB-Gleise nutzen, um der wachsenden Güterflut in den norddeutschen Seehäfen Herr zu werden. Konkret geht es um die in den vergangenen Jahren mit fast 50 Millionen Euro ertüchtigte Strecke Bremerhaven-Bremervörde-Rotenburg. Diese Planungen sind „Musik in den Ohren“ der Initiative „Eisenbahn statt Autobahn“ (EsA), die sich bereits seit Jahren dafür einsetzt, die Straßen im Landkreis vom Güterverkehr zu entlasten. Die EsA-Aktivisten, allen voran Manfred Schuster und Georg Pape, sehen sich in ihren Forderungen bestätigt.

„Wir setzen uns seit fast zehn Jahren für eine Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf den umweltfreundlichen Verkehrsträger Eisenbahn ein“, sagt EsA-Sprecher Schuster. „EsA wirbt für zügigen Ausbau der Schienenstrecke“ war bereits 2008 zu lesen.

„Bereits damals ging es um die Trasse der EVB von Bremerhaven über Bremervörde nach Rotenburg. Mittlerweile ist diese Strecke mit EU-Millionen für den Güterverkehr ertüchtigt worden“, betont Schuster. Einzig die schon damals geforderte Kurve in Rotenburg fehle noch. Sie würde den Zügen ermöglichen, auf ihrem Weg nach Süden auf die Trasse der Deutschen Bahn zu gelangen, ohne die Lok in der Kreisstadt Rotenburg umspannen zu müssen.

„Jetzt hat die Strecke höchste Weihen bekommen. Bei einer Bereisung war Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen mit von der Partie, um sich vor Ort von der Möglichkeit einer Entlastung des Knotens Bremen zu überzeugen“, freuen sich die Pape und Schuster mit Blick auf die Tour, an der neben Böhrnsen auch EVB-Chef Wolfgang Birlin und Vertreter aus dem Management der Deutschen Bahn teilnahmen. „Fast 80 Prozent der Güter aus den Häfen, auch aus Bremerhaven, gehen nach Süden oder kommen aus dem Süden, um dann über die Häfen in alle Welt verschifft zu werden. Viele der Güterzüge bleiben dann erst einmal in Bremen hängen, weil der dortige Bahnhof ein Nadelöhr ist“, so Schuster und Pape.

Eine kurzfristig machbare Umgehung, ein sogenannter Bypass, sei durch die Umfahrung auf der EVB-Strecke gegeben. „Und das ist gut so, wird hier doch angezeigt, dass die vielfach zu hörende Ansicht, das Schienennetz sei überlastet, so nicht stimmt“, heißt es bei der EsA, in der auch Umweltverbände wie Nabu und BUND oder der Verkehrsclub Deutschland (VCD) mitwirken.

„Jeder Container auf der Bahn ist einer weniger auf der Straße und einer weniger, der per Lkw durch Bremervörde, Gnarrenburg und die anderen Dörfer des Kreises Rotenburg transportiert wird. Auch der Kreis Cuxhaven wird davon profitieren“, sagt Schuster.

Es sei jetzt an der Zeit, dass „den wohlfeilen Ankündigungen der Politik“, dem Transport auf der Schiene Priorität zu geben, endlich auch Taten folgen zu lassen. Das müsse auf höchster Ebene erfolgen, teilt die EsA mit, in der auch der ehemalige EVB-Chef Heinz Badke mitwirkt.

„Verkehrslenkende Maßnahmen können nur durch den Bund verwirklicht werden – zum Beispiel dadurch, dass die Lkw-Maut nicht nur als reine Einnahmequelle betrachtet, sondern zielgerichtet eingesetzt wird, um den Güterverkehr zu lenken. Fahrten auf der Autobahn müssen die geringste Maut beinhalten, Fahrten auf untergeordneten Straßen müssen höher beziehungsweise überhaupt erst einmal bemautet werden, und die Fahrten durch Städte und Ortschaften müssen durch die höchste Maut belastet werden“, heißt es bei der EsA. Und: „Technisch ist das alles machbar, man muss es nur wollen.“

Das würde nach Einschätzung von EsA-Sprecher Schuster auch bedeuten, dass das umweltfreundliche Verkehrsmittel Eisenbahn größere Chancen hätte, noch mehr Güter des Marktes und auch Zuwächse im Containeraufkommen zu 100 Prozent abzugreifen. Die im Rathaus Bremervörde geäußerten Befürchtungen mit Blick auf längere Wartenzeiten für Autofahrer an den Bahnübergängen teilt die EsA-Initiative nicht. Im Gegenteil: Für Bremervörde sei der Vorstoß, mehr Güter auf die Schiene zu bekommen, ein Segen.

„Die Stadt bekommt jetzt verstärkt Zugverkehr, wäre aber gleichzeitig auf ihren Straßen entlastet. Durch die Stadt fahrende Güterzüge machen zwar auch Lärm, der ist aber nach wenigen Sekunden weg. Außerdem reduziert sich die Schadstoffbelastung auf ein Zehntel dessen, was der Lkw abgibt“, sind Schuster und Pape überzeugt und bedauern zugleich, dass das Ganze „leider noch etwas dauern soll, da man anhand einer Studie die Machbarkeit ergründen will“.

Dies wäre die vierte Studie zum Güterverkehr. „Besser wäre, die Signale sofort auf Grün zu stellen. Es ist alles studiert worden“, betonen Schuster und Pape übereinstimmend.

bz

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