Eisdielen-Unfall: Staatsanwaltschaft kann noch nichts zum Hergang sagen

Ursachenforschung dauert an

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Zwei Menschen starben bei dem Unfall am 5. Juli. Knapp acht Monate nach dem verheerenden Vorfall ist die Fassade der Eisdiele „Pinocchio“ an der Neuen Straße noch immer mit einer Holzplatte abgedichtet.

Bremervörde - Von Corvin Borgardt. Gut acht Monate nach dem Eisdielen-Unfall mit zwei Toten in Bremervörde dauern die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stade weiter an. Nach wie vor stehe die Unfallursache nicht fest, erklärt Oberstaatsanwalt Kai Thomas Breas.

Nachdem die 59-jährige Unfallfahrerin bislang keine Angaben zum Unfallhergang gemacht hatte, habe sie nun gegenüber der Staatsanwaltschaft signalisiert, an der Aufklärung des Unfallhergangs mitzuwirken. „Die Beschuldigte hat sich entschlossen, bei der Unfallursachenklärung mitzuwirken“, sagt Kai Thomas Breas.

Was genau das bedeutet – ob die Frau bereits eine Aussage gemacht hat –, will der Oberstaatsanwalt nicht sagen. Nur soviel verrät Breas: „Weitere Untersuchungen und Ermittlungen sind notwendig und finden zurzeit statt“. Ein Gutachter habe weiteren Klärungsbedarf. Wie lange die Ermittlungen noch andauern, vermag der Sprecher der Staatsanwaltschaft Stade nicht zu sagen. „Wichtig ist, dass wir die Sache sauber aufarbeiten“, so Oberstaatsanwalt Breas.

Weitere Informationen könne die Staatsanwaltschaft nicht geben, da auch die Rechte der Beschuldigten gewahrt werden müssten, erklärt Kai Thomas Breas. Gewisse Hintergrundinformationen seien schützenswert. Dass die Unfallfahrerin gesundheitliche Probleme gehabt haben könnte, wie bereits kurz nach dem Unfall spekuliert worden war, könne er weder dementieren noch bestätigen, hatte Breas bereits vor Monaten gesagt.

Anklage gegen rabiate Gaffer

Bereits wenige Tage nach dem Unfall hatte die Polizei mitgeteilt, dass ein Gutachter am Fahrzeug „keine gravierenden Mängel“ festgestellt habe, die „unfallursächlich gewesen“ seien.

Bei dem Unfall am Nachmittag des 5. Juli vergangenen Jahres war eine 59-jährige Bremervörderin mit ihrem Mercedes Kombi ungebremst von der Ludwigstraße kommend durch das Verkaufsfenster der Eisdiele „Pinocchio“ an der Neuen Straße gefahren. Ein zwei Jahre alter Junge aus Bevern und ein 65-jähriger Mann kamen dabei ums Leben, neun Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Am Rande des Eisdielen-Unfalls hatte eine Szene für Empörung und bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Drei Gaffer, die sich das Filmen am Unfallort von der Polizei nicht verbieten lassen wollten, lieferten sich eine handfeste Rangelei mit den Ordnungshütern. Zwei Bremervörder Polizeibeamte wurden dabei verletzt. Gegen die aggressiven Gaffer wurden Strafverfahren eingeleitet. Den drei Beschuldigten im Alter von 19, 26 und 34 Jahren werden diverse Anklagepunkte zur Last gelegt – unter anderem gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und Bedrohung. Die Anklageerhebung gegen die drei Männer stehe laut Staatsanwaltschaft Stade unmittelbar bevor. Der Prozess werde demnächst vor dem Bremervörder Amtsgericht geführt.

Als Konsequenz aus den Erfahrungen beim Eisdielen-Unfall wollte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) das Fotografieren und Filmen von Unfallopfern verbieten. „Wir brauchen dringend einen entsprechenden Straftatbestand“, hatte der SPD-Politiker im Juli gesagt. Nach der Sommerpause wollte Pistorius eigentlich einen Gesetzentwurf vorlegen, der dann in den Bundesrat eingebracht werden sollte. Der Minister sagte damals, er finde es zutiefst abstoßend, wenn Gaffer mit ihren Handys Verletzte oder gar Halbtote aufnehmen würden, um sich damit im Internet zu profilieren. Zuletzt wurde das Thema im Januar beim Verkehrsgerichtstag in Goslar diskutiert.

Die Eisdiele wird übrigens wieder öffnen – allerdings an einem neuen Standort. Ein Teil des Gebäudes Ecke Kirchenstraße/Alte Straße wird derzeit zum Eiscafé umgebaut. Die Inhaber Agneza und Jan Adifinei gehen davon aus, im Mai die Wiedereröffnung feiern zu können.

bz

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