Rotenburger Kreistag beschließt Satzung für Naturschutzgebiet Beverniederung

„Ein echter Kompromiss“ –richtig zufrieden ist keiner

Die Satzung für das Naturschutzgebiet Beverniederung steht. Sie könnte beispielhaft sein für weitere Areale im Landkreis. - Foto: dpa

Bremervörde - Von Stephan Oertel. Über die Satzung für das Naturschutzgebiet Beverniederung ist in den vergangenen Monaten viel gestritten worden. Sie gilt als Beispiel dafür, wie künftig bei der Ausweisung solcher Areale im Landkreis Rotenburg verfahren werden soll. Am Donnerstag beschloss der Kreistag die neuen Statuten, die weder Landwirte noch Naturschützer wirklich zufrieden stellen, so Volker Kullik (SPD). Es sei eben ein Kompromiss.

Nachdem die Mehrheitsgruppe aus SPD, Grüne und WFB den von der Kreisverwaltung vorgelegten Satzungsentwurf im Frühjahr gekippt hatte, weil danach in ihren Augen auf einem erheblichen Teil der Flächen wie bisher gewirtschaftet werden könnte, haben Abgeordnete der Gruppe das Gespräch mit Landwirten, Naturschützern und Verwaltung gesucht. Das Ziel: Eine Lösung, mit der alle Beteiligten leben können.

Heraus kam nun eine Regelung, die sowohl bei Landwirten als auch bei Naturschützern Zähneknirschen auslöst. Kullik zum Beispiel hätte sich an manchen Stellen schärfere Regelungen gewünscht, etwa mit Blick auf die Abstandsregelungen zu Gewässern zweiter und dritter Ordnung. „Doch ein Kompromiss ist nur dann gerecht, brauchbar und dauerhaft, wenn beide Parteien damit gleich unzufrieden sind“, sagte er. In diesem Sinne sei gegenüber dem ersten Entwurf immerhin ein Fortschritt erzielt worden. Mit dem konnten sich zwar die Landwirte anfreunden, die Umweltverbände jedoch protestierten.

Der von der Mehrheitsgruppe erarbeitete Antrag fand im Kreistag in fast allen Punkten breite Unterstützung. Danach wird das Naturschutzgebiet nun gegenüber dem ersten Entwurf leicht auf 651 Hektar verringert (vorher 653). Unter anderen ist zudem festgelegt, dass Landwirte Grünland grundsätzlich nicht umbrechen dürfen, und es wurde der Große Brachvogel in die Liste der Arten aufgenommen, die durch die Verordnung ausdrücklich geschützt werden sollen.

Zunächst waren allein Arten erfasst, die direkt mit dem Gewässer in Verbindung stehen, es geht aber letztlich auch um die Niederung, erläuterte Kullik. Dafür stehe der Große Brachvogel. Wenn es darum geht einen Managementplan für das Areal zu erstellen, werde dies entsprechend berücksichtigt.

Diese Punkte fanden auch bei der CDU/FDP-Gruppe Zustimmung. Dass es am Ende dann doch keine breite Mehrheit für die Satzung gab, lag an einem Punkt. Die Mehrheitsgruppe möchte, dass Landwirte den Einsatz von Herbiziden und eine Grünlanderneuerung vorher schriftlich bei der Naturschutzbehörde anzeigen. Die entscheidet dann, ob die Maßnahme stattfinden kann oder nicht. Dazu soll sie auch die Meinung des Kreisnaturschutzbeauftragten einholen.

Genau dieser Aspekt geht CDU und FDP zu weit. Ihrer Ansicht reiche es, den Naturschutzbeauftragten zu informieren, schließlich habe er nicht die Funktion eines Aufpassers, so Heinz-Hermann Holsten (CDU). Und: Die Verwaltung werde übermäßig belastet, wenn sie auch noch den Beauftragten anhören muss – zumal wenn diese Regelung gleichermaßen für alle noch auszuweisenden Naturschutzgebiete im Landkreis gelte.

Kullik stellte klar, dass an der Kompetenz der Verwaltung nicht gerüttelt wird, sie treffe die Entscheidung. Auch Marianne Knabbe (Grüne) warb für den Vorschlag der Mehrheitsgruppe, Reinhard Lindenberg (WFB) dankte allen in Landwirtschaft, Umweltverbänden, Verwaltung und Politik, die an dieser Lösung mitgewirkt hatten. „So ist denn ein Kompromiss entstanden, der meiner Meinung nach in seiner Summe allen Beteiligten am wenigsten weh tut und gleichzeitig der Sache dient.“ SPD, Grüne, WFB und Linke stimmten diesem zu, CDU und FDP votierten dagegen. 

zz

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