Vorwurf der Staatsanwaltschaft: 60-Jährige ist fahrlässig in Bremervörder Eisdiele gerast

Anklage gegen Unfallfahrerin

Vor fast einem Jahr raste die Unfallfahrerin am späten Nachmittag des 5. Juli mit ihrem Wagen in die Eisdiele in Bremervörde. Ein zweijähriger Junge und ein 65-jähriger Mann starben. - Fotos: Bick/bz

Stade/Bremervörde - Von Stephan Oertel. Fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Straßenverkehrsgefährdung lautet die Anklage gegen eine 60 Jahre alte Frau, die vor elf Monaten in Bremervörde mit ihrem Auto in eine Eisdiele gerast ist. Zwei Menschen starben damals, ein zweijähriger Junge und ein 65-jähriger Mann. Wann das Verfahren eröffnet wird, ist offen.

Lange hatte sich die Staatsanwaltschaft Stade mit Aussagen in dem Fall zurückgehalten, nun verkündete sie die Anklage gegen die Unfallverursacherin. Ihr wird vorgeworfen, am 5. Juli vergangenen Jahres ungebremst in ein Schaufenster der Eisdiele „Pinocchio“ gefahren und erst unmittelbar vor dem Verkaufstresen zum Stehen gekommen zu sein. Zum Unfallzeitpunkt hielten sich in und vor dem Verkaufsraum der Eisdiele mehrere Personen auf. Zwei von ihnen starben, sechs wurden zum Teil schwer verletzt.

Wie konnte es zu einem solch tragischen Unfall kommen? Die Ermittlungen ergaben, dass ein technischer Defekt an dem Fahrzeug ausgeschlossen werden kann. Das habe das Gutachten eines Sachverständigen ergeben. Somit rückte die 60-jährige Fahrerin in den Fokus. Nach dem Ergebnis der Ermittlungen kommt die Staatsanwaltschaft zu dem Schluss, dass sie den Unfall durch Fahrlässigkeit verursacht hat und deshalb entsprechend zur Verantwortung zu ziehen ist. Mit weiter gehenden Angaben zur Unfallursache und zum Verschulden der Angeschuldigten geben sich die Ankläger mit Blick auf die Persönlichkeitsrechte der Frau zurück.

Der Verkehrsunfall in Bremervörde hatte seinerzeit auch deshalb für Aufsehen gesorgt, weil die Rettungsarbeiten durch so genannte „Schaulustige“ massiv behindert worden waren. Es war sogar zu Handgreiflichkeiten mit Einsatzkräften gekommen. Die Staatsanwaltschaft Stade hat daraufhin im Februar Anklage gegen drei seinerzeit besonders auffällige „Gaffer“ vor dem Jugendrichter des Amtsgerichts Bremervörde erhoben – unter anderem wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung, Bedrohung und Beleidigung.

Das Land Niedersachsen hatte wegen dieser Vorfälle zusammen mit Berlin eine Bundesratsinitiative auf den Weg gebracht. Gaffer bei Unfällen sollen künftig strafrechtlich verfolgt werden können. Wer Feuerwehr, Katastrophenschutz oder Rettungsdienst nach Unglücken behindert, dem sollen eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe drohen. Der Gesetzentwurf wird aktuell beraten. Zunehmend sei festzustellen, dass Schaulustige bei schweren Unfällen die verunglückten Personen mit Mobiltelefonen fotografierten, statt zu helfen, argumentieren die Initiatoren.

Über die Eröffnung des Hauptverfahrens und den Beginn einer etwaigen Hauptverhandlung muss nun das Amtsgericht in Bremervörde entscheiden. Das „Pinocchio“ ist seit kurzem übrigens wieder geöffnet, allerdings an einem anderen Standort.

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