Vorwürfe rumänischer Behörden

Kindesmisshandlung: Wildfang-Mitarbeiter prüfen vor Ort

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Neun Kinder aus dem Botheler Heim Wildfang sollen an einem Auslandsprojekt teilgenommen haben.

Das Botheler Kinderheim Wildfang hat nach eigenen Angaben Mitarbeiter ins rumänische Dorf Maramures geschickt, um „mögliche negative Folgen der noch im Projekt betreuten Jugendlichen“ abzuwenden.

Bothel - In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass Jugendliche in einem dortigen Heim misshandelt und ausgebeutet worden sein sollen. Dort sollen neun Jugendliche aus der Botheler Einrichtung gelebt haben. Als Hauptverdächtiger gilt ein Deutscher, der auch Kooperationspartner des Heims Wildfang ist.

„Dieses Auslandsprojekt läuft unter der Trägerschaft der Kinder- und Jugendhilfe Wildfang, die Mitglied im Arbeitskreis der Auslandsprojekte in Niedersächsischen Jugendhilfeeinrichtungen ist“, teilt Geschäftsführer Dirk Precht mit. Er selber habe erst aus den Medien über die Vorwürfe erfahren: „Bis heute sind keine rumänischen Behörden an uns herangetreten, um mitzuteilen, um welche Vorwürfe es sich konkret im Einzelnen handelt.“

Rumänien: Handel mit Minderjährigen wird geprüft

Precht habe über die ebenfalls beschuldigte Ehefrau seines Kooperationspartners erfahren, dass die rumänische Staatsanwaltschaft den Vorwurf der „Bildung einer kriminellen Organisation zum Handel mit Minderjährigen“ prüfe. „Dieser Vorwurf ist nach unserer Einschätzung haltlos, da eine Unterbringung im Auslandsprojekt sich auf Initiative deutscher Jugendämter entwickelt. Eine Unterbringung deutscher Kinder muss im Konsultationsverfahren von rumänischen Behörden gestattet werden. Der Antrag ist durch das entsendende Jugendamt zu stellen. In dem Zusammenhang ist das Projekt in Maramures mehrfach durch die rumänischen Kinderschutz-Behörden ohne negative Ergebnisse überprüft worden“, so der Diplom-Sozialpädagoge schriftlich.

Die Rotenburger Landkreisverwaltung stellt in diesem Zusammenhang klar, dass das eigene Jugendamt anders als in einem Bericht des NDR dargestellt, „grundsätzlich keine Kinder und Jugendlichen in Auslandsmaßnahmen vermittelt“. Der Landkreis vermittele auch nicht für andere Jugendämter, die eine Unterbringung im Ausland planen würden.

Projekt in Maramures wird aus Deutschland begleitet

„Das Projekt in Maramures wird durch Besuche, Beratungen und Supervisionen aus Deutschland begleitet. Fallführende Jugendämter und auch Eltern oder Sorgeberechtigte sind zur Überprüfung der Arbeit in Maramures gewesen. Dabei konnten sie sich einen Eindruck über die Betreuungsbedingungen und die Befindlichkeit der Jugendlichen verschaffen“, schreibt Dirk Precht.

Im Verlauf der Ermittlungen seien vier Jugendliche durch die rumänischen Behörden in Obhut genommen worden. Precht weiter: „Zu ihnen wird uns und der Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bisher der Kontakt verweigert. Auch Vertretern eines Jugendamtes, die zur Klärung nach Rumänien angereist waren, wurde keine Besuchserlaubnis erteilt.“

Enger Kontakt zu rumänischen Jugendämtern

Precht selbst stehe im engen Kontakt mit den entsendenden Jugendämtern der in Maramures untergebrachten Jugendlichen. Die Behörden hätten sich zu einem Teil entschieden, die Heranwachsenden unter Umständen auch gegen deren Willen nach Deutschland zurückkehren zu lassen. Andere Ämter würden das Projekt weiter unterstützen.

„Die in den Medien zitierten Vorwürfe auf vermeintliche Sklavenarbeit, Nahrungsentzug und Isolation wurden uns ebenfalls nicht offiziell mitgeteilt. Jugendliche haben dahingehende Äußerungen nicht an uns herangetragen. Aber wir nehmen diese Anschuldigungen ernst und gehen ihnen weiter nach“, schließt Dirk Precht.

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Die Jugendhilfeeinrichtung „Wildfang“ nimmt Stellung zu den Missbrauchsvorwürfen. 

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey fordert schärfere Kontrollen bei Auslandsprojekten dieser Art. 

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