Bahnline Rotenburg-Verden: Westerwalsedes Wünsche werden wahr

Mehr Lärmschutz und ein Tunnel

Bothels Samtgemeindebürgermeister Dirk Eberle vor dem Bahnübergang.
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Bothels Samtgemeindebürgermeister Dirk Eberle vor dem beschrankten Bahnübergang. der beim Ausbau der Bahnlinie durch eine Unterführung ersetzt wird.

Westerwalsede – „Das ist das Beste, was uns passieren konnte“, jubelt Westerwalsedes Bürgermeister Jochen Hestermann (CDU). Und das aus gutem Grund, denn alle Wünsche des kleinen Dorfes, die den übergesetzlichen Lärmschutz betreffen, wenn die Bahnstrecke Rotenburg-Verden in rund fünf bis sieben Jahren zweigleisig ausgebaut wird, werden erfüllt.

Und nicht nur das: Eine Unterführung anstelle des aktuellen Bahnübergangs im Ortsteil Bahnhof wird ebenfalls finanziert, und damit kann die Lärmschutzwand ohne Lücke errichtet werden. „Was ja sonst auch keinen Sinn ergeben hätte“, wie Hestermann betont. Der Deutsche Bundestag hat während seiner Sitzung am Donnerstag den Maßnahmen in diesem Umfang zugestimmt.

Insgesamt investiert man 193,4 Millionen Euro in übergesetzliche Schallschutzmaßnahmen in den Teilabschnitt Rotenburg-Verden, der im Rahmen des Schienenprojekts Alpha E umgesetzt wird. 101,9 Millionen für Schall- und Erschütterungsschutz sowie 11,5 Millionen für sogenannte Hamburger Fenster, die in Anwohnerhäusern eingebaut werden und den Schall mittels einer komplizierten Doppelausführung und Klappentechnik schlucken, obwohl sie geöffnet sind. Weitere 80 Millionen Euro sind für die Beseitigung der höhengleichen Bahnübergänge verplant.

Viele Millionen Euro werden investiert

Auch Bothels Samtgemeindebürgermeister Dirk Eberle ist sehr zufrieden mit dem Beschluss: „Wenn ich mir die Geschichte des Projekts der Hafen-Hinterland-Anbindung ansehe, bin ich glücklich über diesen so wichtigen Schritt zu einer umweltverträglichen Lösung.“ Für die Westerwalseder Bürger sei das ein Meilenstein: Sie hätten sich in vielen Sitzungen beteiligt, eingebracht und die Forderungen in konstruktivem Miteinander mit der DB Netz erarbeitet. Die Wirtschaftlichkeit der Lösungen sei dabei immer beachtet worden.

Eberle weiter: „Besonders freue ich mich, dass für die betroffenen Anwohner eine echte Verbesserung gegenüber der aktuellen Lärmsituation zu erwarten ist. Und ganz nebenbei wird die lästige Schranke und der damit verbundene Lärm beseitigt.“

Landtagsabgeordneter Eike Holsten (CDU) sieht ebenfalls das „geschlossene Auftreten der Vertreter aus der Region als Schlüssel für den Erfolg“. So seien viele Forderungen aus dem Dialogforum Nord und den zahlreichen Arbeitsgruppen durch den Bundestagsbeschluss aufgenommen und umgesetzt worden. „Dies ist ein gutes Beispiel für breit angelegte Bürgerbeteiligung“, so Holsten.

Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD) lobt in diesem Sinne das „Engagement unserer Abgeordneten“ in den mehrjährigen Verhandlungen. Für die Kreisstadt bedeutete der Ausbau bislang bereits eine Verbesserung des Schallschutzes im Stadtgebiet mit bis zu sechs Metern hohen Wänden, zudem hofft Weber durch die zusätzlichen Mittel auf Verbesserungen im Naherholungsgebiet Ahe mit den umliegenden Baugebieten.

Der Ausbau der Strecke ist nötig, um das Hinterland durch mehr Bahnkapazitäten in den Korridoren Hamburg-Hannover und Bremen-Hannover an die deutschen Seehäfen anzubinden. Mit dem Projekt werden Engpässe besonders in Bremen und Hamburg aufgelöst, der Schienengüterverkehr wird gesteigert und die Fahrtzeiten erheblich verkürzt. Mit Bundesmitteln wurde 2016 die Planung des Teilvorhabens Rotenburg-Verden begonnen. „Und von Beginn an waren wir Anrainer mit im Boot“, so Jochen Hestermann, der jetzt froh ist, dass sich die Arbeit an den unzähligen Runden Tischen, in zig Videokonferenzen und vielen Präsentationen für das „Dorf gelohnt haben“.

Neben der Finanzierung des Projekts durch den Bund sei aber auch das Land Niedersachsen gefordert, betont Eberle: „Ich hoffe, dass es mit seinem Finanzierungsanteil zu einzelnen Aufgabenstellungen im städtebaulichen und gestalterischen Konsens mit ins Boot geholt werden kann.“ Er sei aber zuversichtlich, denn schließlich hätten die Spitzen der Großen Koalition das damalige Dialogforum und im Anschluss den Projektbeirat in Entstehung und Finanzierung vorbildlich unterstützt.

„Und auch unsere örtlichen Landtagsabgeordneten werden uns in dieser Sache mit Sicherheit wieder helfen“, so Eberle, der auch froh ist über die breite Unterstützung im großen Berlin für ein kleines Dorf wie Westerwalsede. „Da haben sich die SPD-Bundestagsabgeordneten Lars Klingbeil und Kirsten Lühmann hervorgetan, aber auch der Unionsstaatssekretär Enak Ferlemann hat den Prozess vom Dialogforum damals in Celle bis zur jetzigen Beschlussfassung immer unterstützt.“

KOMMENTAR
Bürgerbeteiligung: Eigentlich doch ganz
einfach – wenn man nur will

Wer sich an die Zeiten des Kampfes der Menschen in der Region gegen die Y-Trasse erinnert, der reibt sich jetzt verwundert die Augen, wenn er die Planungen für den Bahnabschnitt Rotenburg-Verden verfolgt. Denn während die Menschen damals ständig wie gegen Windmühlen ankämpfen mussten und von Bahn und Politik oft nur mitleidig belächelt worden waren, hat jetzt bei „denen da oben“ offenbar ein Umdenken eingesetzt. Ein solch gigantisches Projekt wie Alpha E zu realisieren, funktioniert nämlich nicht mehr gegen die Bürger, sondern nur noch mit ihnen.

Dieser Weg wird dazu führen, dass durch den Konsens mit den Anliegern die neuen Gleise sicherlich am schnellsten verlegt werden können. Denn wer bei der Planung mitgenommen und gehört wird, der verzichtet später auch auf Klagen – ist ja schließlich ein bisschen auch seine Bahnstrecke. Diese nur 25 Kilometer lange Strecke könnte Vorbild sein für viele Bahnprojekte und andere Baumaßnahmen – sogar bundesweit. Bürgerbeteiligung ist eigentlich ganz einfach – wenn man nur will.

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