Sarina Pils die Wichtigkeit der Hautflügler aufmerksam

Wertvolle Wildbienen

Sarina Pils beherbergt in einem Insektenhotel ihren Wildbienennachwuchs. J Foto: Woelki

Bellen - Ihren Fleiß sieht keiner. Was passiert, wenn ihr Summen stumm bleibt? Denn Wildbienen sind echte Arbeitstiere. Deutschlandweit existieren 560 Arten von ihnen. „53 Prozent davon befinden sich bereits auf der Roten Liste. Das ist sehr bedenklich. Insgesamt ist die Vielfalt in der Insektenwelt in den vergangenen 15 Jahren um 80 Prozent zurückgegangen“, mahnt Sarina Pils, die für den Nabu Rotenburg aktiv ist und zahlreiche Naturschutzprojekte in der Region betreut hat und neue immer wieder mit Rat und Tat begleitet.

Und sie schiebt hinterher: „In Niedersachsen leben 360 Arten an Wildbienen.“ Sie sind deshalb so wertvoll, „weil ihre Bestäubungsleistung in der Regel um 80 Prozent höher ist wie bei der roten Mauerbiene als die von Honigbienen“, berichtet Pils. Während Imker die Honigbiene betreuen, sind Wildbienenarten auf sich alleine gestellt, haben sich damit aber arrangiert. Pils: „Wildbienen bestäuben alle Wildkräuter und Gemüse wie Tomaten, Gurken und natürlich auch Obstsorten. Verschwinden die Wildbienenarten immer mehr, geht die Vielfalt zurück.“ Beispiel: die rote Mauerbiene. „Diese Wildbienenart setzen die Obstbauern im Alten Land zur Obstblüte ein. Sie braucht den Sonnenschein und die Trockenheit“, erklärt Sarina Pils.

Und: „Mit Ausnahme der Hummel leben Wildbienen alleine. Die weibliche Wildbiene kümmert sich im Alleingang um die Nachzucht, baut eine Brutkammer, in dem sie ein Ei ablegt, speist die Kammer mit Pollen als Nahrungsvorrat, in dem der Nachkömmling aufwächst.“

Warum verschwinden immer mehr Wildbienen-Arten? Pils sieht den Grund beim Anbau von Monokulturen und der intensiven Landwirtschaft, wodurch das Nahrungsangebot für die Wildbienen kleiner werde.

Brutplätze fallen vermehrt weg

Weil immer mehr Flächen versiegelt werden durch Baugebiete und den Straßenbau, fallen vermehrt die Brutplätze der Wildbienen-Arten weg, die zu 66 Prozent im Boden brüten. „Wildbienen brauchen zum Nisten Sandboden. Hier wäre mehr Verständnis und Aufklärung wünschenswert. Es gibt Arten, die nur auf eine Pflanze fixiert sind, verschwindet sie, verschwindet auch jene Wildbienen-Art“, erläutert die Naturverbundene.

Um den Bestand der jetzigen Arten zu halten, kann jeder seinen individuellen Beitrag leisten, „in dem Gartenbesitzer heimische Pflanzen wie Malven, Wegwarte, Königskerzen oder Schafgarbe ansäen, Nisthilfen anbringen, Streuobst- oder Blumenwiesen anlegen oder Straßenseitenräume mit abgestimmter Saatmischung in den Boden einbringen“. Pils rät dazu, beim Bau von Wildbienen-Hotels Schilfhalme, Lehm und Hartholz zu verwenden. In das Hartholz in Form von kleinen Klötzchen empfiehlt sie, Löcher in einem Durchmesser von zwei bis neun Millimeter zu bohren, in dem die Wildbienen ihre Eier ablegen können. Pils: „Alte Weidezaunpfähle gehen auch.“ Den Wildbienen und der Natur zu Liebe.

Von Tobias Woelki

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