Infoabend über mögliche Zusammenhänge von Krebsfällen und Erdgasförderung bringt kaum Erkenntnisse

Warten auf die Ergebnisse

Rund 60 Zuhörer verfolgten die Informationsveranstaltung im Hemslinger Gasthaus Meyer. - Foto: Woelki

Hemslingen - Das Warten auf klare Ergebnisse nach dem Abschluss der Befragungen hinsichtlich bestimmter Krebserkrankungen bei Männern in der Samtgemeinde Bothel geht weiter. Antworten gab es während der neuerlichen Informationsveranstaltung am Mittwochabend im Hemslinger Gasthaus Meyer nur wenige.

Dr. FrankStümpel

Aber dennoch hörten die mehr als 60 Besucher während des Abends, der von Bothels Samtgemeindebürgermeister Dirk Eberle zu dem Themenfeld Erdgasförderung und Krebserkrankungen moderiert wurde, eine Formulierung, die sie aufhorchen ließ. „Die öffentlich gemachten Aussagen, dass es zwischen der Erdgasförderung und den Krebsfällen keinen Zusammenhang gäbe, sind nicht richtig“, betonte Michael Hoopmann vom Landesgesundheitsamt. „Derzeit haben wir nämlich noch keine Erkenntnisse. Wir werten die Ergebnisse der Befragung des Gesundheitsamtes Rotenburg mathematisch-statistisch aus. Dazu brauchen wir sechs Monate. Einen Zusammenhang zwischen den Krebsfällen und der Erdgasförderung können wir derzeit weder ausschließen noch bestätigen“, so Hoopmann.

KlausSöntgerath

„Durch unsere Befragung haben wir 60 Krebsfälle identifizieren können. Die Erkrankten haben wir persönlich intensiv befragt. Auch der Bereich Bellen ist dabei eingeflossen. Mit Rücksicht auf die Befragten können wir aber keine Ergebnisse nennen“, berichtete Frank Stümpel, Leiter des Gesundheitsamts Rotenburg. „In einer Langzeitmessung von Juli 2015 bis März 2016 ließen wir im Bereich der Bohrstelle Söhlingen Z 15 Messungen vornehmen. Die ergaben, dass im Mittel die Grenzwerte für Benzol und Quecksilber weit unterschritten werden. Wir werden uns aber auch die Untersuchungen der vergangenen 20 bis 30 Jahre anschauen“, sagte Klaus Söntgerath vom Landesbergamt, der sich zudem auf die geltende Gesetzgebung berief, auf deren Basis sein Amt handele.

HermannKruse

Hermann Kruse, Toxikologe an der Universität Kiel, warnte vor voreiligen Schlüssen und hinterfragte die Art der Messungen: „Nur ein Messpunkt ist vollkommen unzulänglich. Eine sporadische Messung bringt auch nichts. Man muss an mehreren Standorten und vor allem kontinuierlich messen.“ Der Fachmann stellte auch die Frage, warum nicht die Stäube gemessen worden seien. „Das ist sehr wichtig. Vielleicht gibt es Stoffe, die wir noch gar nicht kennen. Man muss sensibler an das Thema herangehen“, so Kruse, der die Arbeit der Gesundheitsämter lobte: „Frank Stümpel und Michael Hoopmann haben hervorragende Arbeit geleistet. In sechs Monaten eine Auswertung vorzulegen, ist aber sehr ambitioniert.“

Der Geschäftsführer des Wasserversorgungsverbandes Rotenburg-Land, Volker Meyer, betonte: „Wir prüfen unser Trinkwasser regelmäßig. Aber es gibt keine Auffälligkeiten.“

Dirk Eberle befürchtet: „Das größte Problem haben wir, wenn nach der Auswertung der Frageaktion immer noch nicht wissen, welche Ursachen die Krebserkrankungen haben.“ Frank Stümpel bestätigte: „Diese Sorge habe ich auch. Aber in den Interviews mit den Betroffenen haben wir sehr strukturiert gefragt.“

woe

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