Nach Hanau: Interview mit dem Kreisschützenpräsidenten Olaf Rautenberg

„Verantwortungsvoller Sport“

Um eine Waffenbesitzkarte für Sportschützen zu bekommen, sind einige Anträge nötig. Foto: Imago Images/Star Media

Hemslingen – Nach dem rassistisch motivierten Anschlag in Hanau vor zwei Wochen, bei dem ein 43-Jähriger neun Menschen mit Migrationshintergrund, seine Mutter und schließlich auch sich selbst erschossen hatte, wurde bekannt, dass der Täter aktives Mitglied im Schützenverein Diana Bergen-Enkheim war und regelmäßig trainiert hat. Nach der Tat wurden Forderungen nach einer Verschärfung des Waffenrechts laut. Dabei rücken auch immer wieder Schützenvereine in den Fokus. Wir haben bei Olaf Rautenberg, dem Präsidenten des Kreisschützenverbands Rotenburg, nachgefragt, wie die Vereine damit umgehen und was die Voraussetzungen für Sportschützen sind.

Der Deutsche Schützenbund wird von manchen Initiativen als Teil der Waffenlobby bezeichnet, das die Gefahren bagatellisiere und Waffenrechtsverschärfungen verhindere. Ihre Meinung dazu?

Das deutsche Waffenrecht ist eines der schärfsten der Welt. Unsere Übungsleiter in den Vereinen sind alle ausgebildete Schießsportleiter, die jedem Sportschützen den verantwortungsvollen Umgang mit den Sportgeräten beibringen. Sie nehmen regelmäßig an Nachschulungen teil und werden jährlich vom Vereinsvorsitzenden auf ihre Pflichten und die sorgsame Ausübung ihres Ehrenamtes hingewiesen.

Wie sieht die Praxis aus?

Bei jedem Training ist eine ausgebildete Aufsichtsperson zugegen und passt auf, dass die Sicherheitsvorschriften penibel eingehalten werden, damit keine Unfälle vorkommen. Eher passiert bei einer Kohltour etwas, als auf dem Schießstand.

Was muss jemand überhaupt machen, damit er aktiver Sportschütze werden kann?

Um Sportschütze werden zu können, muss er zuerst Mitglied in einem eingetragenen Schützenverein werden. Dieses geht durch Antragstellung auf Mitgliedschaft beim Vorstand des Vereins. Der entscheidet nach eingehender Prüfung über die Aufnahme. Es gibt auch Vereine, bei denen die Mitgliederversammlung über jeden einzelnen Antrag abstimmt. Dort muss der Interessierte persönlich anwesend sein. Erst nach Aufnahme in den Verein kann er dauerhaft am Training teilnehmen.

Kann ich auch online in einen Verein eintreten und eine Waffenbesitzkarte anfordern?

Nein, natürlich nicht. Weder das eine noch das andere. Dem Erwerb einer Waffenbesitzkarte geht eine intensive Prüfung des Bedürfnisses voraus. Außerdem muss das Mitglied über einen längeren Zeitraum aktiv am Übungsschießen teilgenommen haben. Er muss außerdem deutlich machen, warum er zum Beispiel ein eigenes Kleinkalibergewehr benötigt. Dieses muss vom Vereinsvorstand obendrein noch bestätigt werden.

Ich brauche also im Verein nicht nur mit den vereinseigenen Waffen schießen?

Nein, ich darf auch meine eigenen Sportgeräte nutzen, sofern sie der Sportordnung entsprechen und auf dem Schießstand zugelassen sind. Auf den meisten Schießständen im Altkreis Rotenburg wird nur mit dem Kleinkaliber, dem Luftgewehr oder der Luftpistole geschossen.

Auch die Behörden haben ein Wörtchen mitzureden, oder?

Nachdem der Verein den Antrag bestätigt hat, geht er über meinen Tisch. In besonderen Fällen muss der Antrag zur Prüfung dem Niedersächsischen Sportschützenverband vorgelegt werden. Erst nachdem die alle zugestimmt haben, geht der Sportschütze mit seinem Antrag zum Landkreis. Dort gibt es eine letzte Prüfung und es wird sogar eine Anfrage beim Verfassungsschutz getätigt.

Ich möchte mir als aktiver Sportschütze eine eigene Waffe anschaffen. Geht das so einfach?

Luftgewehre und Luftpistolen sind ab 18 Jahren frei verkäuflich. Ab dem Kleinkaliber benötige ich eine Waffenbesitzkarte, die gemäß dem vorher genannten Prozedere beim Landkreis beantragt werden muss. Auch die Zahl der eigenen Waffen ist beschränkt.

Darf ein Sportschütze die Waffe auch Zuhause aufbewahren, wenn er alle anderen Vorgaben vollständig erfüllt hat?

Ja, aber generell müssen die Waffen ab dem Kleinkaliber in besonders gesicherten Waffenschränken aufbewahrt werden. Aber auch Luftdruckpistolen oder -gewehre sollten so gesichert sein. Es gibt strenge Vorschriften bezüglich der Waffenschränke, die auch vom Landkreis kontrolliert werden. Der Zugriff darf nur dem Eigentümer möglich sein.

Der Sportschütze hat eine Waffenbesitzkarte und verlässt den Verein. Was passiert dann?

Der Schützenverein meldet den Austritt dem entsprechenden Kreisschützenverband und dieser gibt die Meldung sofort an den Landkreis weiter. Der wiederum stellt dann das Bedürfnis für den Waffenbesitz infrage und fordert den Eigentümer der Waffen auf, diese abzugeben.

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