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Türme reisen nachts

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Alexander Brinkmann von der Firma SLT kontrolliert die Passage des Kreisels in Westerwalsede.
Alexander Brinkmann von der Firma SLT kontrolliert die Passage des Kreisels in Westerwalsede. © Leeske

Westerwalsede – Gegen vier Uhr morgens am Mittwoch erreicht SLT-Mitarbeiter Alexander Brinkmann mit seinem Konvoi mit der tonnenschweren Fracht sicher und ohne Zwischenfälle den Zielort bei Kreepen in der Gemeinde Kirchlinteln. Die Abladestelle, die er und seine Kollegen mit ihren drei wuchtigen Fahrzeugen ansteuern, ist der neue Windpark an der Kreisgrenze bei Rahnhorst in der Gemeinde Westerwalsede. Daher führt die Strecke des Schwertransports mit dem Turm des ersten Windrads auch über das Gebiet des Landkreises Rotenburg. Mit 50 Metern Länge und 130 Tonnen Eigengewicht sind bei der ersten Lieferung schon die beiden größten Teile dabei. Die Topsektion des Turms ist mit 39 Metern und 100 Tonnen der kleinere Bruder der unteren beiden Segmente.

Über die Autobahnabfahrt Verden-Nord verlässt der Konvoi die A 27 gegen halb zwei nachts, nachdem er in Cuxhaven gestartet war. Die Männer des Schwerlastspezialisten SLT sperren die zu der Zeit kaum genutzte Bundesstraße 215, damit der Tross sicher in Richtung Rotenburg weiterfahren kann. Zügig geht es mit den drei riesigen Tiefladern voran bis zur sogenannten Römerschanze unweit von Westerwalsede. Nur die Verkehrsinseln sorgen für eine kurze Strecke im Schritttempo, ansonsten sind die Lkw auf der breiten Straße mit 50 bis 60 Stundenkilometern flott unterwegs, bis einer der ersten Knackpunkte auf der rund 22 Kilometer langen Route in Sicht kommt.

Denn an der Römerschanze müssen zwei der drei riesigen Einzelteile auf ihren Lastwagen quasi rückwärts einparken, um die Kurve zu kriegen und auf die Nebenstraße in Richtung Westerwalsede abzubiegen. „Jetzt kommt noch die Bahnbrücke an der Siedlung ,Auf dem Adel‘, die als kleine Kuppe problematisch werden könnte“, sagt Brinkmann auf der Verkehrsinsel an der Bundesstraße. Die Überführung über die Bahnstrecke Rotenburg-Verden ist eigentlich für die langen Teile des Windradturms zu stark gekrümmt. „Wenn es blöd kommt, könnte ein langes Teil aufsetzen“, befürchtet Brinkmann. Das könne bei den Planungen auch schlecht vorher gemessen oder ganz sicher kalkuliert werden. Bei den Kurvenradien sei dies wesentlich einfacher. Dank der höhenverstellbaren Achsen der Tieflader geht jedoch alles gut und durch die enge Eichenallee rollt der Konvoi weiter nach Westerwalsede, wo der von Schildern befreite Verkehrskreisel als weiteres Hindernis wartet. Dort liegen massive Stahlplatten, um das Gewicht am Straßenrand und auf der Verkehrsinsel zu verteilen, weil die extralangen Fuhrwerke einfach gerade und direkt über das Innere des Kreisverkehrs rollen.

„Mit so langen Einheiten kann man keine engen Kurven nehmen“, erläutert Brinkmann. Selbst ist er mit dem letzten der fünf Begleitfahrzeuge unterwegs und muss, nachdem alle durch sind, die Warnschilder für die gesperrten Straßenbereiche wieder abbauen. Denn so schnell der Konvoi gekommen ist, so schnell ist er auch wieder in Richtung nach Süderwalsede verschwunden, um schließlich den eigentlichen Zielort südlich von Rahnhorst zu erreichen.

„Es klappt alles ganz hervorragend. Beim ersten Transport auf der von den Behörden genehmigten Strecke weiß man nie zu 100 Prozent, ob alles gut passt“, resümiert Brinkmann zufrieden. Von daher sollten auch die weiteren Schwertransporte für die drei Windräder mit einer Nabenhöhe von 149 Metern ebenfalls gut durchkommen. In den nächsten drei Wochen werden insgesamt 45 Fahrzeuge auf dieser nun erprobten Strecke die restlichen Teile transportieren, die dann vor Ort schlüsselfertig von der Firma Windstrom aus Oyten montiert werden. „Die 71 Meter langen Flügel sind dabei wieder eine besondere Herausforderung“, erläutert Brinkmann.  lee

Begleitfahrzeuge sichern auf den Straßen den überlangen Transport der Windräder.
Begleitfahrzeuge sichern auf den Straßen den überlangen Transport der Windräder. © -
Passanten und SLT-Mitarbeiter schauen, ob der Schwertransport auf dem Westerwalseder Kreisel aufliegt.
Passanten und SLT-Mitarbeiter schauen, ob der Schwertransport auf dem Westerwalseder Kreisel aufliegt. © -

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