INTERVIEW Ein beliebtes Ausflugsziel mit schweren Trockenschäden

Trocheler Wald: „Ein Auge auf die Käfer“

Zwei Spaziergänger laufen durch einen winterlichen Wald.
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Bei schönem Winterwetter laden die Wälder zum Spaziergang ein, aber bitte auf den Wegen.

Brockel – Der Winter ist da und mit ihm in jüngster Zeit viel Feuchtigkeit. Aber reicht das aus, um die Trockenschäden der vergangenen Jahre in den Wäldern aufzufangen? Wir haben einmal bei Revierförster Henning Küper nachgefragt, wie die Lage ist anhand des Beispiels Trocheler Wald, in dem er oft unterwegs ist – und besonders seit Ausbruch der Pandemie auch zunehmend mehr Besucher.

Herr Küper, ist der Trocheler Wald ein beliebteres Ausflugsziel in den vergangenen Monaten geworden?

Der Trocheler Wald ist seit alters her ein beliebtes Ausflugziel mit überregionaler Bedeutung. In den vergangenen Monaten ist aber ein zunehmendes Besucherinteresse festzustellen.

Wie oft sind Sie selber dort unterwegs?

Ich bin in der Regel bis zu sieben Mal in der Woche im Trochel.

Bleiben die Spaziergänger, die den Wald erkunden, dann auf den Wegen?

Die überwiegende Zahl der Besucher nutzt die schönen Wege zum Spazierengehen und verlässt diese nicht. Dies ist im Trochel besonders wichtig, da viele Waldgebiete dort unter besonderem Schutz stehen. Zu nennen sind hier das FFH- (Flora-Fauna-Habitat) und Naturschutzgebiet. Hier herrscht ein Wegegebot. Da die Beschilderung der Gebiete noch nicht erfolgt ist, kommt es aber ab und zu vor, dass die Schutzbereiche durch Unbefugte betreten werden. In diesen Fällen weise ich die Personen freundlich auf die Schutzgebiete hin und bitte sie, nur die Wege zu benutzen. Ich bin hierbei immer auf großes Verständnis gestoßen.

Gehen die Besucher pfleglich mit der Natur um oder merkt man auch hier die zunehmende Vermüllung, die zuletzt oft an anderen Orten beklagt wird?

Ich höre oft von zunehmenden illegalen Müllablagerungen im Wald. Nennen möchte ich hier die Forstorte Ahlsdorf, Weiße Berge und Bachenbruch, die ich ebenfalls betreue. Der Trochel ist glücklicherweise von Vermüllung verschont geblieben. Für die Um- und Mitwelt ist der in der Landschaft deponierte Müll eine große Gefahr und beeinträchtigt das Landschaftsbild ungemein.

Wie sehr belastet der achtlos weggeworfene Müll die Natur aber auch die Tierwelt in den Wäldern?

Die wild lebenden Tiere durchsuchen den Müll und forschen nach weggeworfenen Lebensmitteln. Dabei können sie sich an den Verpackungen verletzen oder sich in ihnen verfangen. Ein elendes Zugrundegehen ist dann häufig der Fall. Ich bin daher vielen Waldbesuchern dankbar, wenn ich sie beim Müllsammeln und der ordentlichen Entsorgung antreffe. Zudem können durch Gartenabfälle Pflanzen in den Wald gelangen, die dort nicht hingehören und eine Gefahr für die heimischen Pflanzenarten darstellen.

Wie geht es dem Trocheler Wald an sich derzeit? Machen sich die trockenen Sommer stark bemerkbar?

Die vergangenen, viel zu trockenen Sommer haben auch im Trochel schwere Schäden angerichtet. Wer aufmerksam den Waldboden betrachtet hat, konnte feststellen, dass die Gräben, Grippen und sogar der Trochelbach trockengefallen waren. Dies hat dazu geführt, dass die Vegetation schwere Schäden erlitten hat und dies gilt besonders für die Bäume.

Welche Baumarten sind besonders gefährdet?

In den Brüchern sind viele Erlen und Eschen abgestorben, welche ohnehin unter vielfältigen Krankheiten leiden. Besonders haben jedoch auch die Nadelbäume gelitten. Durch die explosionsartige Vermehrung von Schadinsekten mussten absterbende Fichten am Lustberg entnommen werden. Dies hat zu meinem Leidwesen die Harmonie dieses besonderen Ortes sehr beeinträchtigt. Mit Abschluss der Vegetationsperiode konnten wir alle vom Käfer befallenen Bäume fällen und aus dem Wald schaffen. Jetzt, im ausgehenden Winter, gilt unser Augenmerk den Bereichen, wo diese Bäume gestanden haben, um ein erneutes Aufflammen der Käferpopulation zu verhindern.

Ist dieser Winter denn ein guter, um die Speicher wieder aufzufüllen?

Die Niederschläge des jetzigen Winters sind bei weitem noch nicht ausreichend, um die enormen Defizite im Wasserspeicher des Bodens auszugleichen.

Sind Förster dann bei ihrer Arbeit heute eher so etwas wie Krisenmanager? Hilft altes Forstwissen noch weiter?

Das alte Wissen über den Wald und die intensive Beobachtung der Abläufe in der Natur sind auch heute noch eine unerlässliche Grundlage für die Bewirtschaftung und die Pflege des Waldes. Ebenso wichtig sind aber auch neue wissenschaftliche Erkenntnisse auf den Gebieten der naturnahen Waldentwicklung, der klima- und standortgerechten Baumartenwahl sowie die Beachtung von Vorgaben aus dem Bereich des Naturschutzes. Die Auswirkungen des sich verändernden Klimas sind neben den direkten Einflüssen auf die Pflanzenwelt auch bei den indirekten Einflüssen zu spüren. Mit letzteren meine ich Schädlinge wie Insekten und Pilze, die in nie gekannten Ausmaßen unsere Waldbäume schädigen und zum Absterben bringen können.

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