Shana Thies aus Hemsbünde kreiert kleine Kunstwerke und liebt alte Bräuche

Das Ei als Symbol des Lebens

Die Hemsbünderin Shana Thies mit einer bunten Sammlung von ihr gestalteter Eier. Sie werden am heutigen Samstag im Rahmen einer Osterausstellung gezeigt. - Foto: Bonath

Hemsbünde - Eier, Eier, Eier: Vom zierlichen Sittichei über Hühner- und Gänseeier bis hin zum respektablen Nandu- und Straußenei – hunderte von ihnen hat die Hemsbünder Künstlerin Shana Thies in den vergangenen Jahrzehnten gefärbt, bemalt und mit filigranen Mustern graviert.

An das Ei als Symbol des Lebens und der Fruchtbarkeit knüpft sich dieser alte, weltweit verbreitete Brauch an. Shana Thies ist in der Ukraine geboren. Schon als Kind schaute sie ihrer Großmutter über die Schulter, wenn diese mit vorsichtiger Hand immer wieder Eier zu kleinen Kunstwerken werden ließ. Thies: „Bereits um 5 000 vor Christus sollen Inder, Babylonier und Ägypter anlässlich ihrer Frühlingsfeste rot verzierte Eier verschenkt haben.“

Die Künstlerin kennt die unterschiedlichsten Sitten und Gebräuche. Zum Beispiel verschenkten Mönche in der Ukraine aufwändig verzierte Eier als Beweis der Zuneigung und Gastfreundschaft. Ein Brauch, der auch jetzt noch bei der Familie Thies üblich ist: Herrlich bemalte Eier werden dem Gast zum Verspeisen gereicht. Für Samstag lädt Shana Thies in der Zeit von 10 bis 17 Uhr wieder zu der alljährlichen Osterausstellung in ihre Werkstatt in Hemsbünde, Soltauer Straße 42, Telefon 04266 /1874, ein.

Für die Besucher wird die Ausstellung zu einer Begegnung mit alter Volkskunst mit Schwerpunkt Ukraine und dem Erinnern an die Vergangenheit, die vielfach zu verblassen droht. Die Künstlerin: „In Ostdeutschland, Polen, Finnland und anderen Ländern gibt es den Brauch, in die erste und letzte Ackerfurche ein Ei zu legen, als Ausdruck der Hoffnung auf eine gute Ernte.“ Geschmückte Eier bekamen ihren Platz im Gebälk von fertiggestellten Gebäuden. In neuen Brückenkonstruktionen wurde zum Abschluss der Bauarbeiten jeweils ein Ei gelegt. Damit sollte das Bauwerk künftig vor bösen Mächten geschützt werden.

Shana Thies: „Ich habe über meine künstlerische Arbeit und Inhalte alten Brauchtums vor einiger Zeit einen Vortrag gehalten. Anschließend kam eine Bäuerin zu mir, und sagte, sie hätte bei sich zuhause im Gebälk plötzlich ein Ei gefunden, es jedoch weggeworfen, weil sie damit nichts anfangen konnte.“ Thies ist, was das Überleben der alten Bräuche und das Wissen um sie angeht, eher pessimistisch: „Irgendwann weiß niemand mehr Bescheid ...“

Farben aus Naturmaterialien

Im Rahmen der Ausstellung werden auch diese Informationen gegeben: Aus Naturfärbemitteln, die Shana Thies in der Apotheke kauft, wird ein Sud hergestellt, in dem die Eier ihre Tönung bekommen. Aus der Krappwurzel lässt sich zum Beispiel ein schönes Rot gewinnen, ein angenehmes Braun aus der Grünen Walnuss.

So oft andere Verpflichtungen es zulassen, greift Shana Thies zu ihrem Messer, um Muster und Figuren in die gefärbten Eier einzuritzen. Und was macht sie, wenn eines dieser Eier trotz aller Sorgfalt hin und wieder zu Bruch geht? Thies: „Ganz schnell entsorgen und nicht mehr daran denken! Aber glücklicherweise kommt das nur selten vor.“ Nicht nur einen Blick ist die Ostereisammlung im Hause Thies wert. Die Künstlerin hat inzwischen mehr als 2 000 Unikate aus vielen Teilen der Welt zusammengetragen. Die Hemsbünderin: „Die Wachtel wird symbolisch als Zeichen für Glück und Frühling verstanden oder auch als Hinweis auf Frieden und Frie- denszeit. In China steht die Wachtel für Mut und erscheint schon etwa 1140 als Dekor auf Fächern.“

In Deutschland, freut sich Shana Thies, habe sich das Ei mit seiner Symbolkraft teilweise bis heute über die Jahrhunderte erhalten können. Auf Schnüre aufgezogene Eier erinnerten dort beispielsweise an einem Brunnen an die Wichtigkeit des Wassers für das Leben.

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