Verbände und Politik reagieren zurückhaltend

Sportleistungszentrum in Bothel: Leuchtturm oder Traumschloss?

Die ersten Visualisierungen von Kannenbergs geplanten Sportleistungszentrum bezeichnen es als das, was es Stand jetzt noch ist. Eine „Zukunftsvision“. - Foto: Röhrs

Bothel/Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Träumen ist erlaubt. Das gilt auch für Lothar Kannenberg, der in diesen Tagen seine Idee eines Sportleistungszentrums in der Region vorgestellt hat. Mit dieser „Zukunftsvision“, wie er das Ganze nennt, rennt er – so ließen sich seine Worte zusammenfassen – eine ganze Reihe der viel zitierten offenen Türen ein. Vertreter aus Wirtschaft und Politik loben ihn für diese Idee vor Ort, bleiben aber verhalten. Sportverbände sind skeptisch.

Es wäre ein Ort, der sportlich kaum einen Wunsch offenlassen würde. Kannenberg, ehemaliger Boxprofi und Leiter der gleichnamigen Jugendhilfeinrichtungen, möchte nicht nur Amateure und Nachwuchssportler anlocken, sondern auch viel Prominenz. 

Er spricht von europaweit bekannten Namen: Olympioniken, Fußball-Bundesligisten und mehr. Das Leistungszentrum soll einmal ein Fußballfeld nach Standards des DFB, Trainingsfelder, einen Basketballplatz, eine Schwimmhalle mit olympischem Becken, eine Sporthalle, ein Boxzentrum, ein Sportinternat, ein Fünf-Sterne-Wellnesshotel mit 100 Zimmern, ein Tagungsgebäude und ein Bistro zusammenfassen, dazu Laufbahnen und eine Tribüne. 

Für das von Lothar Kannenberg geplante Sportleistungszentrum existieren bislang nur grobe Grafiken.

Es soll sowohl für Profisportler als auch für Amateure zugänglich sein. Erstere sollen dabei finanziell stärker belastet werden als Zweitere. Im Internat, schwebt Kannenberg vor, würden auch sozial Benachteiligte sportlich talentierte Jugendliche leben. Mit den konkreten Plänen sei allerdings erst Ende dieses Jahres zu rechnen. Auch ist noch offen, wo Kannenberg seine „Zukunftsvision“ umsetzen will.

Frage nach geeigneten Grundstücken 

So viel zur Idee. Heinz Meyer bemüht sich um Sachlichkeit. Der Botheler CDU-Gemeindebürgermeister glaube zwar an die „ernsten Absichten“ Kannenbergs, ist sich aber unsicher, ob sich das Projekt verwirklichen lässt – auch oder gerade in Bothel. „Ich weiß nicht, ob es hier geeignete Grundstücke gibt“, sagt er. Immerhin braucht Kannenberg eigener Aussage nach bis zu 60.000 Quadratmeter Fläche.

Dennoch gibt sich Meyer als Befürworter des Projekts, er weiß um die Möglichkeiten, die sich für seine Gemeinde aber auch für den Samtgemeindeverbund eröffnen würden. Arbeitsplätze und mehr Steuereinnahmen würden seiner Einschätzung nach dazu kommen. Und natürlich käme die soziale Komponente nicht zu kurz: „Das bringt Leben ins Dorf.“ Wie weit seine Gemeinde aber gehen würde, um tatsächlich diesen „Treffer“ zu landen, für eine Einschätzung hierzu ist es Meyer noch zu früh.

Auch der Vorsitzende des Rotenburger Wirtschaftsforums (RWF), der Wachtelhof-Direktor Heiko Kehrstephan, verweist auf die Arbeitsplätze, die mit diesem Projekt entstehen könnten. Zudem könnte die Wirtschaft davon auch anderweitig profitieren. Doch ins Detail geht Kehrstephan nicht. „Wenn es so kommt, wäre das ein Leuchtturmprojekt. Das wäre sicherlich förderlich“, sagt er. „Wäre“; Konjunktiv. Ohne Tatsachen bleibt das Sportleistungszentrum auch für den Hotelier zunächst nur eine Idee. Doch sei daran nichts auszusetzen. „Ideen sind erst mal gut“, sagt er. Auch diese bräuchte man, um eine Region weiterzuentwickeln.

Ludwig: Region hat „null Chance“.

Aus den Reihen des Sports im Landkreis ist man skeptisch. Der Kreissportbund möchte vor seiner nächsten Vorstandssitzung Mitte Mai noch keine Stellungnahme abgeben. Einer, der eine negative Sicht auf die Pläne Kannenbergs hat, ist der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Rotenburger Sportvereine (ARS), Rolf Ludwig. Er sei Realist, sagt dieser. Und als solche könne er das Projekt nur als Traum bezeichnen.

Ludwig hat erhebliche Zweifel an der Finanzierbarkeit, die seiner Ansicht nach ohne potente Partner kaum realisierbar sei. Doch auch wenn das Sportleistungszentrum tatsächlich über die Planung hinaus gehen sollte, habe die Region „null Chance“, dass es tatsächlich vor Ort gebaut werde. Die Anfahrt von den nächsten Flughäfen in Hannover, Bremen oder Hamburg wäre zu lang. Außerdem gebe es in diesen Städten bereits ähnliche Zentren. Ludwig schätze das Lebenswerk Kannenbergs – gerade im Bereich Sport. Sein Profileistungszentrum wäre aber „ein Traumschloss, das sein bisheriges Werk kaputtmachen würde“.

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