Viele anstehende Projekte für Bothel

Samtgemeindebürgermeister Dirk Eberle wirft einen Blick in die Zukunft

Dirk Eberle sitzt an seinem Esstisch mit Blick auf den Garten.
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Viele Aufgaben warten auf Dirk Eberle in seiner zweiten Amtszeit.

Die Aufgabenverteilung von Mitgliedsgemeinden und Samtgemeinde, die ungelösten Krebsfälle, Digitalisierung und der „Fidi-Boon-Wech“: Diese Projekte und noch mehr begleiten Samtgemeindebürgermeister Dirk Eberle in seiner zweiten Amtszeit.

Bothel – „Langweilig wird es nicht“, sagt Bothels Samtgemeindebürgermeister Dirk Eberle. Er ist gerade im Urlaub, doch an diesem verregneten Vormittag nimmt er sich die Zeit, in gemütlicher Atmosphäre am Frühstückstisch auf das zu blicken, was die Samtgemeinde in den kommenden Jahren erwartet. Da sind längst angestoßene Langzeitprojekte, von denen er sich freut, sie nach sieben Jahren als Bürgermeister weiterhin in der Position begleiten zu können, ebenso wie neue Dinge, die er mit Spannung erwartet.

Denn nicht nur die Pandemie beschäftigt die Menschen weiterhin. Es gibt viele Projekte und Ereignisse, die oftmals durch das alles bestimmende Coronavirus in den Hintergrund geraten. So ist eine der größten Baustellen der nahen Zukunft die Aufgabenverteilung zwischen Mitgliedsgemeinden und der Samtgemeinde. Letztere wird künftig mehr übernehmen. Eine Verteilung, die, so Eberle, „vielleicht das Wichtigste für meine neu begonnene Amtszeit ist“.

Denn der Aufgabenumfang ist für die Gemeinden kaum noch alleine zu stemmen. Sie verlieren dabei nicht ihre Eigenständigkeit, betont er. Sie geben ihre Kompetenz nicht ab, bringen ihr Fachwissen weiterhin ein. Sie geben aber Arbeit ab. Zumal Bereiche wie Digitalisierung oder Datenschutz Fachleute benötigen. Damit einher geht im Botheler Rathaus das Schaffen neuer Stellen. Unter anderem kommt in diesem Jahr ein Klimamanager dazu. Eine Stelle, die für drei Jahre vom Bund gefördert wird.

Schon jetzt achte man auf Nachhaltigkeit. Aber natürlich gehe mehr, „wenn sich jemand ausschließlich darum kümmert“. Und derjenige kann sich außerhalb des Rathauses einbringen, Informationen verteilen, zusätzliche Dienstleistungen bieten.

Aber es gibt auch die Themen, die Eberle zum Fluchen bringen: der Finanzhaushalt nebst Steuererhebung oder auch Datensicherheit. „Was inzwischen von den Kommunen verlangt wird, bedeutet einen viel größeren Aufwand als früher.“ Die Kämmerei wurde aufgestockt, das werde aber nicht reichen. „Demnächst werden sogar die Leistungen zwischen Samtgemeinde und Mitgliedsgemeinden mit einer Umsatzsteuer belegt.“ Ein Grund mehr, Aufgaben offiziell zu übernehmen.

Das Rathaus-Team wird aufgestockt

Eine Vorbereitung, die viel Arbeit mit sich bringt. Und einen Anbau am Rathaus. Der soll 2022 realisiert werden. Mit Puffer für mögliche Erweiterungen. Die gibt es nicht nur im Rathaus, auch außerhalb. Die Samtgemeinde wächst nicht explosionsartig, doch machen sich die Mitgliedsgemeinden Gedanken über ihre Weiterentwicklung. Außerdem hat Bothel als Grundzentrum die Aufgabe, für Ansiedlungen Raum zu schaffen. „Bothel ist aber eingeschränkt durch Wiedau, Rodau sowie Bäche und Naturschutz“, so Eberle. Fast schon zur Grundversorgung gehört in diesen Zeiten auch ein Testzentrum, das es seit Kurzem in Brockel gibt – realisiert durch einen privaten Anbieter.

Auch das Thema Digitalisierung soll weiteren Schub erhalten. Da ist zum einen ein bürgerfreundlicher Online-Service des Rathauses, der immer wichtiger wird, zum anderen geht es Eberle um die Verteilung der Mittel aus dem Digitalpakt Schule. So werden die Grundschulen gerade mit leistungsfähigen Lan- und W-Lan-Anschlüssen in jedem Klassenraum versorgt. Die Schulen sind ohnehin ein Thema, bei dem es „noch spannend wird“. Denn es reicht nicht, den Lehrern nur die Endgeräte an die Hand zu geben, auch die Unterhaltung der Geräte muss gesichert sein. „Da muss dauerhaft mehr Geld in die Kommunen fließen.“

Positiv gestimmt ist er mit Blick auf die Ratsarbeit. Der Auftakt sei harmonisch verlaufen. Aufgrund der engen Mehrheitsverhältnisse hatte es erstmals schon vor der Sitzung Gespräche auch mit dem Bürgermeister gegeben, sodass Posten einhellig verteilt werden konnten. „Ich glaube, die Arbeit in Rat und Verwaltung profitiert von dieser sachorientierten Art.“ Konsens finden, gemeinsam wichtige Themen rechtzeitig erkennen und Lösungen anbieten, das möchte er mit in seine weitere Arbeit nehmen.

Ohnehin habe sich die Samtgemeinde in den vergangenen Jahren gut entwickelt: Eberle denkt an den Schulneubau – ein Projekt, das „einstimmig durchgelaufen ist“. Da fällt auch der Begriff „IGS“ – die hatte er sich für Bothel gewünscht. Sie kam nach Rotenburg und steht dort vor der Einführung einer Oberstufe durch neue Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat. „Mit dem Kopf durch die Wand“, kommentiert Eberle das aktuelle Geschehen. In Bothel entstand am Ende eine Oberschule. „Und es funktioniert“, darauf sei er stolz – und in jeder Klasse sind auch Schüler aus Rotenburg. „Es kommt immer darauf an, was Schulleitung und Kollegium aus dem Rahmen machen, der ihnen zur Verfügung steht.“

Eberle denkt bei positiven Entwicklungen auch an den „Fidi-Boon-Wech“. Im Februar wird die Voruntersuchung zur Umweltverträglichkeit abgeschlossen, dann geht es in die Planungsphase. Ist er fertiggestellt, ist die kürzeste Verbindung nach Rotenburg „eine ganz andere Liga von Radweg“. Er soll ein gutes Beispiel sein: hin zu einer verstärkten Nutzung des Fahrrads. Apropos Rad: Die Straße von Brockel nach Bellen führt durch ein FFH-Gebiet, ein Radwegbau wird dort also nicht möglich sein. Eines der anstehenden Projekte könnte aber die Realisierung eines Schutzstreifens sein, um die Sicherheit für Radfahrer zu erhöhen und den Verkehr zu entschleunigen.

Ein „100-Tage-Programm“, wie es die Kollegen, die neu im Amt sind, gerne aufstellen, hat er nicht – das gab es aber auch bei seinem Antritt vor sieben Jahren nicht. „Da war ich sehr vorsichtig.“ Ein anderes Programm soll es hingegen geben: eines für die 2024 anstehende 50-Jahr-Feier der Samtgemeinde. Eines seiner Ziele beim vergangenen Amtsantritt war aber die Aufklärung der Krebsfälle. Ein Rätsel, das bis heute nicht gelöst ist, „obwohl sich das Land sehr bemüht hat“. Aktuell soll geklärt werden, ob sich die deutliche Häufung der Fälle weiter fortgesetzt hat. Mittlerweile habe Eberle die Hoffnung, dass es ein Ereignis gewesen ist, dessen Wirkung nun nachlässt – denn bis heute ist man der Lösung nicht näher. Und Ansätze gab es viele. Allerdings wurde bei den Unternehmen eine größere Sensibilität für Umweltverträglichkeit geweckt – ein positiver Aspekt, findet Eberle. „Es wurde viel Geld investiert, um an den Erdgasförderstellen Altlasten zu beseitigen und neue zu verhindern.“

Ein Thema wird auch der Katastrophenschutz sein. Manchmal sind es Kleinigkeiten, wie die Anschaffung eines Satellitentelefons für die Verwaltung, um bei einem länger andauernden Stromausfall handlungsfähig zu bleiben. Außerdem sind Tankstellen mit Notstromaggregaten wichtig. „Die Sicherheitslage hat sich verändert“, sagt Eberle. Daher müsse man an den Dingen arbeiten, die nicht funktioniert haben, wie beim misslungenen Alarmtag. Die Sirenen sind dabei wieder in den Fokus gerückt, die in Bothel noch regelmäßig getestet werden. Zwei sollen getauscht werden. Auch Natur- und Umweltschutz wird noch mehr in den Fokus rücken, ist der ehemalige Förster sicher. Sei es im Rahmen der Energiewende mit mehr Windkraft- oder Fotovoltaikanlagen, oder mit Themen wie der Renaturierung der Wiedau oder als Reaktion auf die „besorgniserregenden Veränderungen“ in den Wäldern. Es gibt viel zu tun, „aber ich freue mich darauf“.

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