Bürgermeister Dirk Eberle möchte öffentlichen Nahverkehr in Bothel voranbringen

Sammeltaxi als Pilotprojekt

Der Bus ist derzeit das einzige öffentliche Verkehrsmittel im Linienverkehr zwischen der Samtgemeinde Bothel und Rotenburg. In Zukunft sollen auch Taxen auf festgelegten Strecken in Richtung Kreisstadt fahren. - Foto: Röhrs

Bothel - Die Samtgemeinde Bothel ist groß, und das führt insbesondere im öffentlichen Personenverkehr zu so mancher Herausforderung. Nichtsdestotrotz will der parteilose Samtgemeindebürgermeister Dirk Eberle etwas voranbringen und neue Lösungsansätze mit den Mitgliedsgemeinden ausarbeiten. Denn eines stellt Eberle gleich klar: „Die Aufgabe des Nahverkehrs liegt in den Händen des Landkreises und der Mitgliedsgemeinden.“ Er wolle aber als Sprachrohr der Samtgemeinde auch Akzente bei diesem Thema setzen. Es gibt erste Ideen.

„Das große Ziel ist die Attraktivität des Nahverkehrs für alle Einwohner der Samtgemeinde zu steigern“, erläutert Eberle seine Motivation. In einigen Gemeinden, die an der Kreisgrenze liegen, müsse auch unbedingt eine Anbindung an das Zentrum Rotenburg geschaffen werden. „Die Bürger wollen eher nach Rotenburg als nach Bothel“, so der Verwaltungschef. Daher bringt Eberle die Wiederaufnahme der alten Buslinie von Rotenburg nach Soltau ins Gespräch. „Viele Einwohner haben mich schon nach dem ,alten Soltauer‘ gefragt“, sagt er und weist darauf hin, dass besonders Hemslingen durch diese Linie sehr gut angebunden werden könne. Eine Empfehlung hat Eberle auf Initiative der Gemeinde Neuenkirchen an den Heidekreis übermittelt, die ihren Nahverkehrsplan 2016 aufgestellt hat.

Ein anderer Schritt wäre allerdings, wenn sich der Landkreis dazu entschließen würde, ein Anrufsammeltaxisystem in Bothel als Pilotprojekt zu etablieren. Laut Eberle hat die Landkreisverwaltung entsprechende Planungen bereits klar an die übrigen Kommunen kommuniziert. Dazu passt, dass sich die Samtgemeinde derzeit um die Aufnahme in den Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (VBN) bemüht. „Dadurch wollen wir den Komfort für die Fahrgäste erhöhen“, so der Bürgermeister. Der Vorteil: Der VBN hat bereits Erfahrungen im Aufbau von Anrufsammeltaxi-Systemen, und würde ein solches in Bothel auch finanziell unterstützen.

„Die Mitgliedschaft streben wir zusammen mit Visselhövede zum Jahr 2018 an“, sagt Eberle. Sie würde ungefähr 60 Cent pro Einwohner und Jahr kosten, wobei zwischen 40 und 50 Cent wieder als Investitionen in die Weiterentwicklung der öffentlichen Verkehre zurückfließen. Eberle hofft, dass alle Mitgliedsgemeinden bei diesem Vorhaben mitziehen, genauso wie bei dem Aufbau des Anrufsammeltaxis.

Fahrpreis liegt über dem eines Bus-Tickets

Durch dieses Projekt könnte der Walseder Raum besser an Rotenburg angebunden werden. Das Taxi kann dabei unterwegs weitere Fahrgäste aufnehmen. Denn wie das Wort schon sagt, sammelt das Taxi an festgelegten Haltepunkten zu festen Abfahrtszeiten die Passagiere ein. Die Reisenden müssen lediglich zuvor in der Zentrale ihre Fahrt anmelden, damit eine optimale Route vom System berechnet werden kann. „Der Fahrpreis würde sicher über dem normalen Busticket liegen, aber dafür wird der Fahrgast auch genau an die Adresse befördert, zu der er hin will“, erklärt Eberle. Das System solle aber keine Konkurrenz zu den Taxiunternehmen werden, da die Abfahrtszeiten sowieso in den verkehrsarmen Zeiten liegen würden.

Ein Bürgerbus würde sich laut Eberle für die Samtgemeinde dagegen nicht anbieten, da die Ortschaften und Gemeinden einfach zu weit verteilt seien. „Der Bürgerbus fährt ja auch, wenn gar keiner an der Haltestelle steht, und wäre bestimmt eher leer unterwegs.“ Im Vordergrund aller Überlegungen stehe auf jeden Fall, einen attraktiven und bezahlbaren Nahverkehr für die Einwohner zu schaffen. Dabei sei dessen Annahme durch die Bürger für den Fortbestand aber essenziell.

Von Henning Leeske

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