Bohrstellen in Söhlingen

„Säure-Regen“: Bergamt muss ermitteln

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Das Landesbergamt schaut nun genauer hin, was sich in Söhlingen zugetragen haben soll. 

Söhlingen - Jetzt wird ermittelt: Gestern Abend hat das Landesbergamt (LBEG) bekannt gegeben, dass es im Auftrag der Staatsanwaltschaft Verden ab heute Untersuchungen „zu der Beschwerde und den Anzeigen im Zusammenhang mit den Freiförder- und Fackelarbeiten im Erdgasfeld Söhlingen der ExxonMobil Production Deutschland GmbH (EMPG) zu führen“ hat.

Gut zwei Wochen nach den Vorfällen, bei denen Anwohner aus den umliegenden Gemeinden über gesundheitliche Beschwerden geklagt hatten, nimmt sich die Behörde damit offiziell dem Fall an. Bereits vergangene Woche war ein Bergamt-Vertreter vor Ort.

„Die Experten des Staatlichen Geologischen Dienstes im LBEG werden gemeinsam mit Vertretern des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit Pflanzen- und Bodenproben im Umfeld der betroffenen Sondenplätze Söhlingen Ost Z 1 und Söhlingen Z 5 entnehmen und auf relevante Schadstoffe (u.a. Mineralölkohlenwasserstoffe, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Schwermetalle) untersuchen“, heißt es in der LBEG-Pressemitteilung. Gegenstand der Untersuchungen sei auch ein weiterer gemeldeter Vorfall. So hätten Bürger am Freitagabend ein unverschlossenes Tor am Sondenplatz Söhlingen Z 5 festgestellt, auf dem kein Mitarbeiter des Unternehmens zu diesem Zeitpunkt tätig oder anwesend war.

Weitere Beobachtungen

Das stellt nach Auffassung des LBEG einen Verstoß gegen die Vorschriften der Tiefbohrverordnung dar und wird in einem gesonderten Verfahren als Ord-nungswidrigkeit untersucht. „ExxonMobil“ äußerte sich gestern nicht zu den Ermittlungen.

Eine Gruppe besorgter Bürger um den Wittorfer Denis Schimmeyer hat eine einstweilige Verfügung gegen den Energie-Konzern für einen sofortigen Stopp der Abfackelarbeiten beantragt. Zudem haben sie Strafanzeigen wegen Körperverletzung erstattet. Mit rund zehn weiteren Bürgern habe Schimmeyer direkt in einem „Säure-Regen“ gestanden. Salzsäure sei bei Arbeiten an den Bohrstationen Z 1 und Z 5 freigesetzt worden, so der Vorwurf.

Die Politik fordert Konsequenzen. Die Bundestagsabgeordneten Lars Klingbeil (SPD) und Reinhard Grindel (CDU) haben sich an Landeswirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) gewandt, um eine schnelle Klärung des Falls zu erwirken. Grindel: „In der Fracking-Diskussion haben wir immer wieder gespürt, dass es keine hinreichende Distanz zwischen ExxonMobil und dem LBEG gibt.“ Die Kreis-Grünen teilten gestern mit, es bestehe der „dringende Verdacht, dass nicht nur Erdgas abgefackelt wurde“. Sprecher Thomas Sietz: „Wir sind entsetzt über das zögerliche Vorgehen des Landesbergamts.“ Während der Landkreis in einer Mitteilung versichert, „eng mit den verantwortlichen Stellen“ zusammenzuarbeiten, bislang aber „keine Anhaltspunkte“ gefunden zu haben, um Maßnahmen einzuleiten, wirft Rotenburgs Bürgermeister-Kandidat Andreas Weber nach einem Besuch vor Ort den Behörden Untätigkeit vor. „Da offensichtlich bei den Wartungsarbeiten Salzsäure eingesetzt wurde, ist zu vermuten, dass mit dem abgefackelten Gas die Säure in die Umwelt gelangt ist und ein Säureregen entstanden ist.“ Zudem seien nach seinen Beobachtungen an den Bohrstellen Z 11 und Z 1 Reinigungsarbeiten durchgeführt worden, ohne die Abwasser aufzufangen oder sachgerecht zu entsorgen: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass solche Dinge genehmigungsfähig sind.“ Landkreis, LBEG, Wirtschafts- und Umweltministerium sollten sich schnellstmöglich selbst ein Bild vor Ort machen: „Unser Grundwasser ist hier in Gefahr.“ · mk

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