Kannenbergs Vision

Ehemaliger Boxer plant Sportleistungszentrum mit Luxushotel

Für das von Lothar Kannenberg geplante Sportleistungszentrum existieren bislang nur grobe Grafiken.

Bothel - Lothar Kannenberg hat Großes vor. Der erst vergangenen Woche 60 Jahre alt gewordene Leiter der gleichnamigen sozialen Sportakademien mit Sitz in Bothel möchte in der Region ein Sportleistungszentrum mit angeschlossenem Hotel bauen; für Profis ausgerichtet, aber auch für Amateur-Vereine und sozial benachteiligte Talente zugänglich. Das Konzept dahinter ist seiner Aussage nach bundesweit einzigartig.

Lothar Kannenberg

Kannenberg spricht von einem „Zehn-Millionen-Euro-Projekt“, doch wer sich die Pläne genauer anschaut, dem wird schnell klar, dass es sich um noch größere Summen handeln muss. Der 60-Jährige holt eine dünne, rote Mappe hervor. „Zukunftsvision Leistungsakademie Lothar Kannenberg – Für Profisportler, Amateurvereine und Soziales“ ist ihr Titel, und sie beinhaltet grobe Grafiken des Geplanten: Ein Fußballfeld nach Standards des DFB, Trainingsfelder, ein Basketballplatz, eine Schwimmhalle mit olympischem Becken, eine Sporthalle, ein Boxzentrum, ein Sportinternat, ein Fünf-Sterne-Wellnesshotel mit 100 Zimmern, ein Tagungsgebäude und ein Bistro, dazu Laufbahnen und eine Tribüne. All das soll in der Region entstehen. Für Bescheidenheit ist kein Platz vorgesehen. Der ehemalige Boxer ist selbstbewusst. „Wenn man Sportler aus ganz Europa anlocken will, braucht man etwas Besonderes“, sagt er. Dabei stoße er lediglich etwas an, das bei allen Sportlern im Gespräch sei.

Er beugt sich über den Konferenztisch. „Ich denke mal, das ist in Deutschland einmalig, was ich vorhabe“, fährt er fort. Er meint die Verbindung vom Profi- sowie Amateurbereich mit Sozialem. Das kann auf verschiedenen Wegen gelingen: Ein Verein aus der Fußball-Bundesliga soll zum Beispiel für ein Trainingslager in seinem Leistungszentrum etwas mehr bezahlen, Amateure das gleiche Angebot dagegen nur anteilig.

Im Internat könnten „abgeschobene“ Talente in Zusammenarbeit mit ihren Vereinen sozusagen eine zweite Chance bekommen, so der 60-Jährige, ebenso sollen talentierte sozialschwache Jugendliche ins Internat einziehen – ähnlich wie bei seinen bereits bestehenden Einrichtungen der Lothar-Kannenberg-Akademie. Im Leistungszentrum hätten sie dann die Gäste aus dem Profibereich vor Augen. „Ein Ziel“, wie Kannenberg sagt. „Es gibt in den Heimen supergute Sportler ohne Chance.“

Das Internat soll gleichzeitig als Netzwerk dienen. Natürlich zwischen den Profis und den Amateuren, die Betreuer der Bewohner sollen aber auch Praktikumsplätze in der Region vermitteln, um den Jugendlichen eine Perspektive abseits des Sports zu anzubieten. „In den Fußballinternaten stehen sie unter enormen Druck. Wenn sie die Leistung nicht bringen, stehen sie auf der Straße“, sagt Kannenberg.

Eberle: „Pläne machen neugierig“

Er spricht freimütig darüber, mit wem er schon alles über sein Projekt gesprochen hat: Hoteliers, prominente Funktionäre, Politiker sowie Profisportler- und Vereine. Der Bedarf sei da, will der 60-Jährige erkannt haben. „Das Leistungszentrum ist genau das, was sie sich wünschen“, sagt er. Die bereits bestehenden seien zu alt, würden den gewollten Standard nicht mehr bieten können. „Da will keiner mehr hin.“

Nur ein Spaziergang vom Hauptsitz der Kannenberg-Akademie steht das Rathaus der Samtgemeinde Bothel. Dort ist Dirk Eberle der Chef. Der parteilose Bürgermeister bestätigt „lose“ Gespräche mit Kannenberg, auch um mögliche Standorte innerhalb der Kommune sei es dabei gegangen. Zwischen 50.000 und 60.000 Quadratmetern, schätzt Kannenberg, muss das Grundstück groß sein. „Die Pläne machen neugierig“, gibt sich Eberle bedeckt. Sein Interesse habe er deutlich signalisiert, er persönlich würde versuchen, Kannenberg bei der Umsetzung seiner Vision innerhalb der Samtgemeindegrenzen zu unterstützen.

Ein Alleingang des Verwaltungschefs ist dabei aber unwahrscheinlich, deutet dieser an. Man müsse mit den Mitgliedsgemeinden und ihren Bürgermeistern sprechen, das gebiete schon die Größenordnung des Projekts. Das Sportleistungszentrum wäre ein „riesiger Schritt“ für Bothel, glaubt der Bürgermeister, es wäre ja auch ein Angebot für die Bürger der Samtgemeinde selbst. Er würde sich auf jeden Fall darüber freuen. „Aber noch ist ja alles eine Ideenskizze.“

Und damit hat Eberle recht, auch wenn Kannenberg beteuert, das Projekt notfalls alleine umzusetzen. Derzeit führe er unter anderem Gespräche mit Sportverbänden. Was er brauche, sei eine langfristige Vermarktungsstrategie, die laufenden Kosten müssen gesichert sein – kurz: er braucht ein tragendes Geschäftsmodell und ein kompetentes Team aus Trainern, Management, Therapeuten und mehr. „Es muss sich rentieren“, betont Kannenberg immer wieder.

Auch der genaue Standort ist nicht sicher, der ehemalige Boxer hat sich noch nicht festgelegt, wo und ob er überhaupt in Bothel bauen will. Er brauche eine Autobahn und einen Flughafen in der Nähe, so seine Vorgaben. Ziel sei es, Ende 2017 einen Platz zu finden um dann mit den genauen Planungen zu beginnen. Wieder der selbstbewusste Kannenberg: „Und dann gibt es hier richtig Bewegung.“

Ein Kommentar zu diesem Thema

Vision und Wirklichkeit - Von Matthias Röhrs

Matthias Röhrs

Ein Fünf-Sterne-Wellnesshotel, Sportplätze mit Laufbahn und Tribüne, eine Schwimmhalle mit olympischen Bahnen, ein Profiboxzentrum, eine Sporthalle, und alles auch noch mit sozialem Hintergedanken: Lothar Kannenberg nennt sein Projekt eine „Zukunftsvision“, Skeptikern wird es aber allzu leicht fallen, diese „Vision“ als bloßen Traum abzutun. Ein Leistungszentrum in den angestrebten Ausmaßen scheint zu schön, um wahr zu sein, sollte Kannenberg dieses Vorhaben tatsächlich in die Tat umsetzen. Die viel beschworene Strahlkraft wäre enorm: Es ist nicht nur ein Ortsname, der auf lange Sicht mit dem Profisport fest verankert wäre; durch neue Arbeitsplätze und zusätzlichem Fremdenverkehr kann eine Kommune auch wirtschaftlich profitieren – und das, ohne selbst groß investieren zu müssen.

Nun mag Kannenberg schon viele Gespräche zu seiner „Vision“ geführt haben, die Planung steckt trotzdem noch in sehr frühen Kinderschuhen. Es wundert niemanden, dass sich die Lokalpolitik bedeckt hält. Klar, freuen würde man sich schon darüber, aber wer täte das nicht? Die Blöße, erst vorzupreschen, nur um im Zweifel wieder zurückrudern zu müssen, wird sich keiner geben.

Wenn Kannenberg ernst macht, ist die Standortfrage sein kleinstes Problem. Das Werben ist eröffnet, eine Kommune wird sich in Anbetracht des Angebots gegen viel Konkurrenz durchsetzen müssen. Für sie, aber auch für Kannenberg, ist der Wille bei der Realisierung des Projekts absolute Notwendigkeit. Die Samtgemeinde Bothel, die bundesweit leider aus anderen Gründen einen Namen hat, sollte, wenn nicht bei einem Traum bleibt, alles in Bewegung setzen, beim Rennen dabei zu sein.

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