Mit Saxofonen und Trompeten

„Wildes Blech“ konzertiert beim traditionsreichen „Erntefest All Over“

Die Sottrumer Gruppe „Wildes Blech“ ist ganz schön groß geworden, die Bläsergruppe wird angeleitet von Ben Faber (l.) und Ralf Linders.

Söhlingen - Jährlich lädt am ersten Freitag im September das lauteste Erntefest der Region zum Tanz ein. Seit 1996 bietet das „Erntefest All Over“ („E:A:O“) im Festzelt am Söhlinger Schützenhaus feinste Livemusik von Indie und Alternative, über Rock und Hardcore bis Punk und Metal. „Wildes Blech“ machen seit einem Jahr gemeinsame Sache. Das 30-köpfige Musikprojekt um Ben Faber und Ralf Linders eröffnet am 1. September das zweite Jahr in Folge – etwas, das bisher nur Maintain und Miasma schafften. Im Gespräch erzählt Faber vom bevorstehenden Auftritt.

Worin wird sich Ihr diesjähriger Auftritt im Vergleich zum Vorjahr unterscheiden? 2016 reichte die Bühne gerade so für alle Musiker und Instrumente.

Ben Faber: Seitdem wir mit unserem allerersten Auftritt überhaupt eine tolle „Feuertaufe“ hatten, ist einiges passiert. Aus dem Projekt ist ein festes Ensemble geworden, wir haben unser Repertoire erheblich vergrößert, eins der Stücke im Studio aufgenommen, mit Video bei Youtube veröffentlicht und sind inzwischen auch deutlich besser geworden, wie ich finde. Ach ja, und auch ein paar mehr als im Vorjahr sind wir auch – ich bin gespannt, ob alle auf die Bühne passen.

Neben fünf voll verstärkten Rockbands tanzen Sie als Blaskapelle aus der Reihe. Warum passt „Wildes Blech“ trotzdem in einen Konzertabend wie das „E:A:O“?

Faber: Ich finde, es passt perfekt – so wie die Veranstalter mit dem „E:A:O“ weiterhin ein traditionelles Fest inhaltlich anders gestalten, den äußeren Rahmen dabei aber behalten, machen wir das ja auch. Wir haben eine Besetzung, die man tatsächlich als „Blaskapelle“ bezeichnen kann, machen aber ganz andere Musik, als man in der Rubrik erwarten würde.

Wer steckt eigentlich hinter den Instrumenten? Sind es durch und durch Metalfans oder eher Spielmannszug-Musiker auf Abwegen?

Faber: Ich glaube, der einzige echte Metalfan ist unser Schlagzeuger. Ansonsten haben wir eine bunte Mischung von sehr verschiedenem Musikgeschmäckern, was aber für die gemeinsame Begeisterung für die Stücke gar keine Rolle spielt.

Würden Sie auch als Besucher beim „E:A:O“ vorbeischauen, wenn Sie nicht gerade mal wieder auf der Bühne stehen?

Faber: Da kann ich nur für mich selbst sprechen: Obwohl ich inzwischen nur noch selten auch mal vor der Bühne stehe, wäre das Erntefest für mich auf jeden Fall einen Besuch wert. Einerseits ist es das Vermächtnis von Thorsten Röhrs, mit dem ich bis zu seinem frühen Tod gut befreundet war, andererseits ist es immer noch eine gute Gelegenheit, allerhand nette Menschen mal wieder zu sehen. Und gute Musik gibt’s da auch zu hören.

Als Ralf Linders und Sie 2016 „Wildes Blech“ ins Leben gerufen haben, wurden sicherlich Ziele gesteckt. Wie würden Sie die bisherige Entwicklung beschreiben?

Faber: Unerwartet. Bereits im vergangenen Jahr waren wir von der tollen Resonanz überwältigt, dass wir nach lediglich fünf Proben mit den drei Auftritten und der Aufnahme im Studio ein tolles Ergebnis hatten. Und auch in diesem Jahr ist schon wieder viel passiert.

Was genau ist passiert?

Faber: Wir sind gewachsen, haben nun auch einen festen Schlagzeuger sowie eine Bassistin dabei. Neben den regulären Proben haben wir ein tolles Probenwochenende in Bad Zwischenahn verbracht und die renommierte Instrumentenwerkstatt Thein-Brass in Bremen besucht. Und ein gemeinsames Konzert mit einer der Bläserklassen am Ratsgymnasium Rotenburg, hat mich überzeugt, das „Blech“ neben den Saxofonen mit Querflöten und Klarinetten um weitere Holzbläser zu erweitern. Nach den Sommerferien gibt es am 12. August eine Schnupperprobe für alle, die Lust haben, neu bei uns einzusteigen – auch wenn sie dann sicherlich beim „E:A:O“ noch nicht mit dabei sein können.

Sehen Sie „Wildes Blech“ als fortgeschrittenen Blasmusik-Unterricht an oder definieren sie sich inzwischen als vielköpfige Band?

Faber: Unterricht auf keinen Fall – der findet in den Proben nicht statt, die Noten müssen da schon soweit vorbereitet sein. Beim Begriff Band denke ich immer sofort sehr klassisch an Schlagzeug, Bass, Gitarren und Gesang, deswegen greift der Begriff für mich auch nicht wirklich. Ich glaube, es gibt durch die Besonderheit dieses Ensembles noch keinen Begriff, der uns gut umschreibt.

Wie viele Stunden benötigen Sie von der ersten Probe bis zur Bühnenreife eines Songs?

Faber: Ganz verschieden – es gibt Stücke, die klingen schon in der ersten Probe gut, andere Stücke brauchen deutlich mehr Zeit. Besser eingrenzen lässt sich das Schreiben der Bearbeitungen: Von der ersten geschriebenen Note bis hin zum druckfertigen Stück brauche ich zwischen fünf und acht Stunden.

Wie wählen Sie in Ihrem Kreis neue Songs aus, die Sie für die Bühne umarrangieren?

Faber: Ein ganz zentraler Faktor ist immer der Gesang. Es gibt Songs, die leben sehr vom Sound des Sängers oder eben auch vom Text und funktionieren nicht gut instrumental. Aber natürlich muss ich auch bei den anderen Instrumenten schauen, wie gut sich das umsetzen lässt. Außerdem muss mich irgendwas an dem Song so ansprechen, dass es anfängt, kreativ zu gären.

Lösen Metal und härtere Klänge tatsächlich die größte Begeisterung, auch mit Blick auf die Umsetzbarkeit, in Ihrem Proberaum, aus?

Faber: Metal läuft bei mir tatsächlich nur dann, wenn ich mich gerade nach potenziellen neuen Stücken umhöre. Und manchmal im Auto. Ansonsten höre ich eine große Bandbreite verschiedener Richtungen – aber oftmals auch mal lieber gar nichts nach einem klangvollen Arbeitstag.

Schnell noch zum Abschluss: Wo kann der geneigte Blasmusikfan sie vorab live sehen? Stehen weitere Auftritte an?

Faber: Am 29. Juli sind wir in Schneverdingen zu hören. Ab 20 Uhr spielen wir im Biergarten am Rathaus, anschließend wird der Film „Highway to Hellas“ dort gezeigt – weitere Infos dazu gibt es auf unserer Homepage.

Tickets für das „Erntefest All Over“ gibt es für sechs Euro im Vorverkauf bei der Sparkasse Scheeßel und Bothel sowie bei Augenoptik- & Hörgeräte Frisch und dem Holidayland Reisebüro in Rotenburg. Weitere Informationen gibt es online.

Mehr auf: www.erntefest-all-over.de oder www.wildesblech.de

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