Nach Erschütterungen in Hemsbünde: Förderunternehmen sehen keine Gefahr

Das Gas und das Beben

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Das Epizentrum des Bebens am Freitag lag mitten im Erdgas-Fördergebiet bei Hemslingen.

Hemsbünde - Von Matthias Röhrs. Das leichte Erdbeben am vergangenen Freitagmorgen bei Hemsbünde ist zwar den meisten nicht aufgefallen, mittlerweile sind derartige Erschütterungen im Boden allerdings kein Einzelfall mehr. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) sieht Erdgasförderung als wahrscheinliche Ursache des Bebens an. Und auch die fördernden Unternehmen schließen dies nicht aus, sehen aber keinen Anlass zur Sorge.

Die am Freitag entstandene Magnitude von 1,9 ist per Definition kaum spürbar gewesen, lediglich in Bartelsdorf – zwei Kilometer vom Epizentrum entfernt – habe ein Bürger die Erschütterung als akustisches Signal wahrgenommen, teilt das LBEG auf Nachfrage mit. Dieses Signal habe er als Knall ähnlich einer Explosion beschrieben. „Von solchen Signalen aufgrund eines Erdbebens wurde dem LBEG in der Vergangenheit häufiger berichtet“, so der Amts-Pressesprecher Björn Völlmar. „Sie entstehen, wenn sich die durch den Untergrund ausbreitende seismische Welle in der Atmosphäre als Luftschall fortpflanzt.“

Bei einem Beben in Rotenburg im Oktober 2004 – mit gleichem Hintergrund – wurde allerdings eine Magnitude von 4,5 gemessen – deutlich auffallender. Und alles wegen der Erdgasförderung?

„Die Wahrscheinlichkeit ist da“, gesteht auch Heinz Oberlach, Beauftragter für Kommunikation bei der Deutschen Erdöl AG (DEA), die in der Region einige Anlagen betreibt, ein. Doch die Betreiber beobachten die seismischen Aktivitäten in der Region. „Die Erdgas-Industrie will das Wissen über die Erschütterungen vergrößern“, so Oberlach.

Dafür gebe es ein Messnetz, das stetig verfeinert wird. Auch der zweite große Betreiber von Erdgasanlagen in der Region, „ExxonMobil“, nutze dieses Netz, das vom Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG) aufgebaut wird, erklärt deren Sprecher Klaus Torp. Bei der DEA würden sich zudem Unternehmens-eigene Geologen genau mit diesem Thema befassen, so Oberlach. „Es gilt, das Risiko zu minimieren.“

Dabei werde unter anderem erforscht, wie man die seismischen Aktivitäten mit der Regulierung von Fördermengen beeinflussen kann, denn: „Selbst wenn wir die Förderung einstellen, gibt es keine Garantie, dass Erschütterungen nicht mehr passieren“, macht Oberlach deutlich.

Bei einer Erschütterung sieht er allerdings keine Gefahr durch die Anlagen – weder für Anlieger noch für die Stätte selbst. Die Industrienorm (DIN) 5150 verpflichte die Unternehmen, dass alle Industrieanlagen Schwingungen von bis zu 20 Millimetern pro Sekunde standhalten – das gelte auch für die Förderanlagen der beiden Unternehmen.

„Es ist nicht damit zu rechnen, dass die Schwingungen über diesen Wert hinaus schießen“, so Oberlach. Zumal bisher lediglich Schwingungen von bis zu zwei Millimetern aufgetreten seien – gerade mal ein Zehntel des geforderten Wertes.

Auch bei „ExxonMobil“ macht man sich keine Sorgen. Das Unternehmen gehe davon aus, dass eventuelle zukünftige seismische Ereignisse sich höchstens in einer Größenordnung ähnlich der bisherigen Erschütterungen bewegen, so der „ExxonMobil“-Pressesprecher Torp weiter. „Die seismische Energie solcher Ereignisse reicht nicht aus, um die Sicherheit unserer Anlagen zu gefährden.“

Das LBEG sieht ebenfalls keine Gefahr. Es müsse ein Ereignis mit großen Verschiebungen auf der Bruchfläche auftreten, damit eine Anlage ernsthaft zu Schaden kommt, so LBEG-Sprecher Völlmar. „Solch ein Ereignis ist in Niedersachsen noch nicht vorgekommen und ist auch zukünftig nicht zu erwarten“. Die bisher beobachteten Erdbeben seien nach wie vor als schwach einzustufen.

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