Nach Celler Votum pro Alpha-Variante sind die Gegner der Y-Trasse zufrieden

„Ein Erfolg der Initiativen“

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Bisher wurden die Protestschilder von den Gegener der Y-Trasse immer wieder geputzt, vielleicht haben sie 2016 nach mehr als zwei Jahrzehnten ausgedient.

Bothel/Visselhövede - Von Jens Wieters. Jubel im Hof Tadel bei der Initiative Bürger für Umwelt (BfU), Freude beim Umweltschutzverband Bothel/Brockel (BBU): Der jahrzehntelange Kampf gegen die Y-Trasse hat sich offenbar gelohnt. Das Dialogforum Schiene Nord hat sich am Freitag mit großer Mehrheit für die sogenannte Alpha-Variante, also dem Ausbau von Bestandsstrecken entschieden (wir berichteten). Gegen den Widerstand Hamburgs und damit auch gegen einen Neubau wie dem Y.

Wenn letztlich der Bundestag nach Vorbereitung durch das Verkehrsministerium grünes Licht gibt, sollen recht zeitnah die Waggons von Rotenburg bis Verden und weiter bis Minden auf einer zweispurigen Strecke transportiert werden. Außerdem wird die Amerikalinie von Langwedel bis Stendal ausgebaut, es kommt zu einer sogenannten Blockverdichtung zwischen Nienburg und Wunstorf. Und die Strecke von Hamburg nach Uelzen wird ebenfalls ertüchtigt.

Der Celler Abstimmung vorangegangen waren die Vorstellungen der Ergebnisse der einzelnen Arbeitsgruppen: Mensch und Region, Umwelt und Natur, Lärm, Verkehr und Optimierung der Alpha-Variante. „Alle schlossen ihre Arbeit mit einer eindeutigen Empfehlung für die Alpha-Variante ab“, teilt die BfU mit.

Als dann die vom Bundesverkehrsministerium beauftragten Gutachter die Leistungsfähigkeit der vorgeschlagenen Ausbauvariante bescheinigt hätten, sei allen klar geworden, dass die klassische Y-Trasse nicht mehr zur Diskussion stehe. „Die favorisierte Alpha-Variante bietet sogar noch zusätzliches Potential, weil die Gutachter moderat gerechnet haben und zusätzliche Verkehre über bisher nicht ausgelastete Strecken abfahren können.

„Damit wird unsere seit langem vertretene Kernaussage Ausbau vor Neubau- nun endlich auch gutachterlich bescheinigt“, freuen sich Hannes Wilkens und Jürgen Hambrock von der BfU. „Manchmal dauert es eben etwas länger. Aber wenn die Argumente stimmen, setzt sich das irgendwann durch“, resümieren die beiden mit einem kleinen Augenzwinkern einhellig. Sie erinnern an fast drei Jahrzehnte Widerstand gegen die Y-Trasse.

„Ganz wichtig ist uns aber auch zu betonen, dass all das nur geht, wenn die Ausbaumaßnahmen mit Lärmschutzmaßnahmen einhergehen“, stellt Elke Motzkau, Vorsitzende der BfU, klar. „Und wenn wir dann noch die Anbindung unserer Region an die Metropolen verbessern, ist endlich eine Lösung gefunden worden, von der am Ende alle profitieren können“, zieht der Umweltschutzverband als Fazit.

Bothels amtierender Samtgemeindebürgermeister, Dirk Eberle, hat auf allen Ebenen mehr als zwei Jahrzehnte gegen die Y-Trasse gekämpft. Er ist natürlich „auch glücklich, dass wir jetzt auf der Zielgeraden sind und den langen Atem hatten“.

Die anfängliche Sorge im Dialogforum, dass jeder Stimmberechtigte nur an seinen eigenen Kirchturm denken würde, habe sich zum Glück nicht bestätigt. „Maßgeblich für diese Entscheidung war die Tatsache, dass das Land und auch die Bahn sich auf die Formel Ausbau statt Neubau eingelassen haben“, so Eberle, der die Alpha-Variante als Trasse bezeichnet, die „fast allen Vorteile bringt“.

„Frech“ findet Eberle allerdings den Vorstoß Hamburgs, der nach Bekanntwerden der Celler Entscheidung eine Neubaustrecke entlang der Autobahn 7 zum Inhalt habe.

Auch Evelyn Rathjen, Vorsitzende des BBU, bewertet das Celler-Votum als „richtigen Erfolg der jahrelangen Bemühungen der Bürgerinitiativen der ersten Jahre“. Denn die hätten dafür gesorgt, dass es überhaupt zu solch einem Austausch gekommen sei. Ausschlaggebend dafür sei auch der Wechsel an der Spitze des Bahnkonzerns gewesen: „Rüdiger Grube hatte sich nach den Erfahrungen bei Stuttgart 21 auf eben diese Diskussion eingelassen.“

Rathjen kann mit der modifizierten Alpha-Variante „sehr gut leben“, auch wenn es einige Zweifler gibt, die prognostizieren, dass sie die Güter später einmal nicht mehr aufnehmen könne. „Das war aber nicht die Fragestellung, sondern wir haben uns nur auf die Zeit bis 2030 konzentriert, um auch möglichst schnell handeln zu können.“

Beim BBU hofft man natürlich auch, dass der Bund die Celler Entscheidung mitträgt, aber „ich bin da eher verhaltener als meine Vereinskollegen“, so Rathjen, die am Freitag erstmal nur „einen Piccolo geöffnet“ hat. „Die Magnum-Flasche Sekt wird erst dann geköpft, wenn der neue Bundesverkehrwegeplan auf meinem Schreibtisch liegt.“

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