Corona kurbelt Geschäft von Familie Wiederhold ordentlich an

Die Krisenprofiteure aus Bellen

Udal Wiederhold arbeitet am Wochenende an den Getreidemühlen. Fotos: Bergmann

Bellen - Von Lutz Bergmann. Die Familie Wiederhold aus Bellen verkauft eigene produzierte Getreidemühlen und handelt mit Bio-Getreide. Normalerweise ist das ein überschaubares Geschäft, doch dann legte die Covid-19-Pandemie auch in Deutschland das Leben in vielen Bereichen lahm. Was für die meisten Menschen im Landkreis Rotenburg eine Verlangsamung des Lebens bedeutet, führt auf dem Naturlandhof der Wiederholds zu dem genauen Gegenteil. Denn die Ware, das Bio-Getreide, wurde von Woche zu Woche beliebter. Bereits Ostern hatten sie den Umsatz des Vorjahres übertroffen.

In der Regel werden bei den Wiederholds zwischen 200 und 400 Kilogramm Getreide pro Woche über ihre eigene Internetseite und auf Amazon bestellt. Anfang März ging die Zahl der Bestellungen allerdings rapide nach oben. Den Höhepunkt erreichte sie in der dritten Märzwoche. 120 Bestellungen gingen da an einem Tag bei der Firma „WIDU Mühlenbau“ ein. Teilweise verschickten die Bellener bis zu zehn Tonnen Getreide pro Woche. Insgesamt erreichten sie bis Ende März 1 200 Bestellungen.

Es seien nur wenige Hamsterkäufe dabei gewesen, sagt Udal Wiederhold. Einmal hätte ein Kunde 250 Kilo Weizen gekauft. Aber das sei die Ausnahme gewesen. Vor allem Dinkel, Weizen und Roggen hätten die Kunden bestellt. Teilweise haben die Wiederholds auch Brotgewürze und Trockenhefe verkauft. Besonders bei Trockenhefe war die Nachfrage so groß, dass sie schnell aus gewesen wäre. Auch bei den Mühlen lief das Geschäft gut – um die 100 Exemplare der kleineren Haushaltsmühle gingen innerhalb kurzer Zeit weg. Die Wiederholds haben mit ihrem Geschäft offensichtlich davon profitiert, dass in Zeiten von Corona Mehl knapp wurde und die Menschen mehr Zeit zum Selberbacken hatten. „Je schlechter es den Leuten geht, desto mehr kaufen sie bei uns, und je mehr die Sonne scheint, desto weniger kaufen sie“, erklärt Raimund Wiederhold, der Halbbruder von Udal, die beobachteten Dynamiken.

Bereits in der Wirtschaftskrise 2008, als die US-Notenbank Lehman-Brothers pleite ging, erlebten die Bellener einen Aufschwung ihres Geschäftes. Offenbar gibt es den Menschen in unsicheren Zeiten Sicherheit, sich eigenes Getreide zu kaufen und zu mahlen. Jedenfalls flaute die Nachfrage im laufenden Jahr nach Ostern wieder merklich ab. Das war die Zeit, als Mehl in den Supermärkten wieder verfügbar wurde. Trotzdem liegt das Geschäft der Wiederholds immer noch ein wenig über dem Durchschnitt. Der große Ansturm ist allerdings vorbei.

„Es hat mir richtig Spaß gemacht, einfach mal durchzuziehen“, sagt Raimund Wiederhold. Der 32-Jährige war dafür zuständig, die Bestellungen auszudrucken und fertigzumachen. Zwölf bis 19 Stunden habe er teilweise pro Tag gearbeitet. Besonders arbeitsintensiv wurde es, wenn eine Getreidelieferung auf den Hof kam. Dann konnte es auch mal Mitternacht werden. Am Wochenende haben Raimund und Udal Wiederhold Mühlen gebaut, damit sie auch in dem Bereich die hohe Nachfrage bedienen konnten. Zwischendurch gab es mal einen Kaffee oder eine Portion Eis auf der sonnigen Terrasse vor der Werkstatt, und einmal am Tag konnten sich die Brüder beim Schweinefüttern ausruhen.

Udal Wiederhold, der Inhaber von „WIDU Mühlenbau“, hat sich besonders damit befasst, neue Ware heranzuschaffen. Das Getreide hat er von Biobetrieben aus Norddeutschland bezogen. Udal sei es trotz der großen Nachfrage immer gelungen, irgendwo noch Ware aufzutreiben, erinnert sich Raimund Wiederhold. Aber es gab auch Rückschläge. Zum Beispiel konnte ein Motorenhersteller mal nicht liefern oder eine Getreidelieferung kam nicht pünktlich. Zwischenzeitlich mussten die Wiederholds auch die Lieferzeiten verlängern. Jeder Kunde habe jedoch seine Ware bekommen, sagt Udal Wiederhold stolz.

Neben Udal und Raimund Wiederhold arbeitet noch ein Angestellter mit im Betrieb und für ein paar Tage hat in den vergangenen Wochen ein Bekannter aus Scheeßel geholfen. Auch Udals Frau Anna Wiederhold packte mit an.

In der kommenden Zeit wollen sich die Wiederholds wieder mehr ihrem eigentlichen Ziel widmen: dem Ausbau und der Weiterentwicklung des Hofs. Als Udal Wiederhold diesen 2002 von seinem Vater übernommen hat, war an den Gebäuden viel zu tun. „Als ich hier hergekommen bin, war das ein großes Abenteuer“, erinnert sich Anna Wiederhold. Seitdem ist viel passiert. Das Werkstattgebäude wurde saniert, ein großes Wohngebäude im Stile eines Niedersachsenhauses gebaut. Der nächste Schritt auf diesem Weg ist der weitere Ausbau des Werkstattgebäudes. Dort soll mehr Platz für Lager und Büro entstehen. Auch das Wohnhaus aus Eichenfachwerk soll im Dachgeschoss noch ausgebaut werden.

Mittlerweile ist bei der Firma „WIDU Mühlenbau“ wieder Ruhe eingekehrt. Am Eingang der Werkstatt stehen große Birkenbretter, die in den kommenden Wochen zu Mühlen verarbeitet werden sollen. Nach und nach wollen die Wiederholds die Lagerbestände wieder auffüllen. In der Regel ist allerdings das Interesse an Mühlen im Sommer sowieso geringer, sodass die Wiederholds jetzt wohl erst mal das Tempo aus der Arbeit herausnehmen können. Zumindest bis zur nächsten Krise. Dann wird das Mühlengeschäft der Wiederholds sicherlich wieder boomen.

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