Autorin Jutta Michels entführt Westerwalseder Zuhörer in die kriminelle Welt

Krimis mit viel Lokalkolorit

Gespannt verfolgten die Besucher des Dorftreffs die schauerlichen Geschichten. Fotos: Lee

Westerwalsede - Von Henning Leeske. Kriminalliteratur ist zurzeit in großer Mode und oft wird von schrecklichen Verbrechen auf entlegenen Inseln im Atlantik – sei es Island oder Irland – berichtet. Dank der Autorin Jutta Michels muss der heimische Leser von schauerlichen Geschichten nicht in die Ferne schweifen. Denn die Wahl-Ahauserin hat in ihren Werken wahre Begebenheiten aus ihrem Dorf aufgearbeitet und gekonnt im Kriminalroman erzählt. Kein Wunder, dass der Westerwalseder Dorftreff am Montagabend restlos gefüllt war, weil viele Krimifans der Lesung von Michels aus ihrem neuen Buch „Fahrendes Volk“ beiwohnen wollten.

Die gebürtige Rheinländerin aus Düsseldorf gestand gleich zu Beginn: „Ich liebe das Norddeutsche“ und Ahausen kenne sie schon sehr lange von Wochenendausflügen mit der Familie. Bis sie dann in den 1990er-Jahren voll und ganz in ihrem Lieblingsort sesshaft wurde. „Mittlerweile habe ich ein großes Archiv über Ahausen, sodass man mir nicht mehr allen Quatsch erzählen kann“, sagte sie.

Bevor sie aus ihrem neuen Werk las, erläuterte sie ihre Recherchemethoden und den starken Willem, das Erfahrene auch zu Papier bringen zu wollen. „Ich hatte nie die Absicht, ein Buch zu schreiben“, verriet die studierte Architektin. Das änderte sich dann mit dem Leben im Altkreis Rotenburg, weil sie so viele erzählenswerte Geschichten rund um den malerischen Ort an der Wümme erfahren hatte. So thematisierte sie im ersten Buch „Pfingstfeuer“ die große Brandkatastrophe im Jahre 1933 und im zweiten Werk „Spurensuche“ hatte sie sich noch tiefer in die Geschichte des Dorfes eingegraben.

Mit dem ganz realen Krimi „Fahrendes Volk“ erzählt sie die Gegebenheiten rund um den Mord an Witwe Sieber am 15. Februar 1895 auf dem Hof Delventhal in Ahausen.

Weit ausholend schildert sie mit ihrem detaillierten Blick auf wichtige Kleinigkeiten das harte Leben der Schausteller auf dem Bremer Freimarkt im Jahre 1894 am Beispiel der Schaubude mit dem Direktor Carl Faustus und seinen Menschenfressern. So versetzt sie die Leser geschickt zurück in die Zeit vor 1900, als es noch ganz normal war, zur allgemeinen Belustigung Menschen mit anderer Hautfarbe zur Schau zu stellen oder Kleinwüchsige mit Kanonen durchs Zirkuszelt zu schießen. „Illusion gegen reale Taler“, versprach das fahrende Volk damals und es wollte auffallen um jeden Preis, was die Autorin den Schaustellern bescheinigte. Damit zog sie den Bogen zum Heute im Zeitalter von möglichst vielen Klicks in den sozialen Medien.

Michels sprang auch in die beschauliche Winterlandschaft von Ahausen im Jahre 1895, als Bauer Delventhal vollkommen starr vor Schreck seine Kartenspielkumpel aus der Gastwirtschaft zu sich mit den Worten „Hier stimmt etwas nicht“ auf den Hof holte. Nach einigem Hin und Her in der verrauchten Diele des großen Hofes fand die betrunkene Meute zunächst den erstochenen Hund und dann die erschlagene Witwe Sieber im Hühnerverschlag. Mit schön geschilderten Einblicken in das alltägliche Leben von damals wie der abgeschlossenen Speisekammer oder den Hausschlachtungen mit Blutlachen, wirkt die Erzählung der schrecklichen Ereignisse sehr authentisch mit viel Ahauser Lokalkolorit.

Gleich am nächsten Tag übernahm der seinerzeit reale Kriminalinspektor von Hugo aus der Rotenburger Dienstelle am Pferdemarkt die Ermittlungen in Ahausen. Die gerade neu erlernten Methoden Tatortbesichtigung, Spurensicherung und Zeugenbefragung aus der Hauptstadt Berlin kamen nun in der preußischen Provinz zur Anwendung.

Wie von Hugo mit seinem Polizeigehilfen Lütjenjohann dann dem Täter auf die Schliche kamen und was der Bremer Freimarkt mit dem Fall zu tun hat, kann im Buch nachgelesen werden.

Übrigens schreibt die Heimatkrimischriftstellerin Michels gerade am nächsten Werk über einen Ahauser Doppelmord.

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