Plattdeutsche Theatergruppe Hemsbünde begeistert bei der Premiere das Publikum

Kreuzfahrt im Schweinestall

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Marlies von Elling (v.l.), Maren Holtermann, Ingo Bartels und Sven Bömeke auf der Bühne im DGH Hastedt/Worth.

Hemsbünde - Von Henning Leeske. Kein Auge trocken blieb am Sonnabend bei der Premiere der Theatergruppe Hemsbünde mit dem plattdeutschen Stück „Krüüzfohrt in Schwienestall“. Vor vollen Rängen spannte die Schauspielertruppe das Publikum noch mit einem etwas holprigen Prolog auf die Folter, bevor der Lehrjung Jan (Sven Bömeke) und der Bauer Jupp Speckmann (Ingo Bartels) ihr Unwesen auf der Bühne treiben konnten.

Voller Stolz wollte der Auszubildende der Landwirtschaft Jan auf dem Schützenfest von dem neuen Wurf der besten Sau im Stall mit Sage und Schreibe 30 Ferkeln berichten, als der faule Bauer Jupp schon mit seinem Kumpel Walter (Günter Wulff) die ersten Runden Kööm zum Vorglühen achtern kippt. Kurzerhand wird der Lehrling zur Stallwache verdonnert, und der kann seine Schützenmontur wieder in den Schrank hängen. Immer noch mit der Drohung von Walter im Ohr: „Mien Schwager ist der Präsident von der Landwirtschaftskammer, und wenn du nicht spurst kriegst du nirgends 'ne neue Stelle.“.

Natürlich schlägt Bauer Jupp beim Fest der Feste in seinem Dorf wieder über alle Stränge und kann am vollkommen verkaterten Morgen nur noch massive Erinnerungslücken aufweisen, die seine holde Gattin Gerda (Marlies von Elling) mit allen pikanten Details und unzähligen Vorwürfen schließen will. Da wittert Tochter Anna (Maren Holtermann), die freilich schon mit dem Stallburschen Jan angebändelt hat, die Gelegenheit, den ollen Stinkstiefel endlich mal loszuwerden. Denn die Bauerntochter hat den Hauptgewinn der Gemeinderatstombola gewonnen und will sogleich die große Kreuzfahrt durchs Mittelmeer dem Vadder unterschieben.

Ruck Zuck dem alten Herrn das Los in „sien Suppjack“ vom Schützenverein versteckt, da Jupp im Restalkoholrausch sowieso nix mitbekommt. Zur Verbreitung der frohen Nachricht schalten die beiden Frischverliebten den „Dörpfunk“ in Person von Lisa Poppe (Ulrike Bömeke) ein, die in ihrer Rolle als Traschtante vollkommen aufgeht. Schon kommt das ganze Dorf samt Bürgermeisterin Karin Hansen (Daniela Wübbena) zum Gratulieren, und Jupp ist ganz aus dem Häuschen. Wübbena spielt die staatstragende Rolle mit nötiger Würde und sucht gleichzeitig stetig den Kontakt zum Bürger, weil die nächste Wahl ja auch bald wieder ansteht.

Ist die erste Freude über den Gewinn schon verflogen, erinnert sein Kumpel Walter daran, dass Jupp ziemlich viel Angst vor Wasser hat, und schwimmen kann der Landwirt ja auch nicht. Und schon hat Jupp die Büx voll. „Dat ganze Dörp wird denken, dat ik ne Bangbüx bin“, malt sich der Schweinemäster schon den neuen Dorffunk aus.

Dieses emotionale Auf und Ab verkörpert Bartels mit seiner unverwechselbaren Mimik und beachtenswerten Textsicherheit exzellent. Wenn später dann die Halbschwester von Jupp noch ihren Auftritt hat, hält es keinen mehr auf den Stuhl, weil sich Bartels auf den Punkt genau richtig steigert und voll aufdreht, alle Dämme der mitreißenden Komödie brechen lässt.

Denn letztlich schickt er seinen Saufkumpanen Walter auf die große Reise im mediterranen Kreuzer und versteckt sich im Schweinestall. Als dann Jupps Halbschwester Judith auftaucht, entwickeln sich immer mehr Missverständnisse und Verwicklungen in dem sonst so ruhigen Dorf. Denn auch der Dorfgendarm Bernd Becker (Friedhelm Wichern) trägt als Ordnungsmacht nicht zur Aufklärung bei, weil der Schürzenjäger in Uniform längst ein oder zwei Augen auf Judith geworfen hat.

Wichern spielt schön den schwerfälligen Dorfsheriff, der eh nur seine eigenen Ziel verfolgt. So wie die Laienschauspieltruppe überhaupt überzeugte und erkennen ließ, dass sie teilweise schon seit Jahrzehnten gemeinsam eingespielt sind. Deswegen musste Souffleuse Annette Bürger nur selten helfen. Jenny Debus, Dominika Falkner und Tanja Gumhold sorgten für die Theatermaske. Backstage brachten sich Jürgen Precht, Lothar Irmscher, Uwe Wulf, Matthias Knoff und Olaf Weiss bei Bühnenbau und Multimediatechnik ein.

Vorstellungen sind noch am kommenden Wochenende für den 16., 17.. und 18. März geplant. Restkarten gibt es dafür telefonisch unter der Nummer 0174 / 8564569 für sieben Euro.

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